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München - Der Trade von Anthony Davis zu den Los Angeles Lakers erschüttert die NBA. Sind die Lakers jetzt der Favorit? Was wird aus den Pelicans? Das sind die Folgen des Trades.

138 Tage verstrichen, bis Anthony Davis' Wunsch doch noch in Erfüllung ging. Im Januar machte der 26-Jährige sein Anliegen öffentlich. Er wolle von den New Orleans Pelicans weggetradet werden, erklärte der All-Star.

Die Franchise suchte umgehend nach dem bestmöglichen Deal für ihren Superstar, um das Maximum aus dem Abgang von Davis herauszuholen. 

Die Los Angeles Lakers, Davis' angebliche Wunschdestination, boten vor der Trade-Deadline nahezu ihr komplettes Team für Davis - ohne Erfolg.

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Pelicans-Fans buhten Davis aus

So musste Davis die restliche Saison bei den Pels verbringen, wurde dabei aber dosiert eingesetzt, um keine Verletzung und damit einen Wertverlust zu riskieren. Die eigenen Fans buhten ihr einstiges Idol regelmäßig aus. Auch Davis wirkte nicht mehr wirklich motiviert.

Zwar sollen die Verantwortlichen der Franchise aus Louisiana versucht haben, Davis zu halten. Doch die Würfel waren längst gefallen. In der Offseason nahm New Orleans daher die Gespräche mit anderen Teams auf. Vor allem die Lakers und die Boston Celtics sollen intensiv um Davis gebuhlt haben.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag einigten sich die Pelicans-Verantwortlichen schließlich mit den Lakers auf einen Mega-Trade.

Lakers sorgen für historisches Novum

Davis darf zu seinem Wunschteam, an die Seite von LeBron James, wechseln, dafür bekommt New Orleans Lonzo Ball, Brandon Ingram, Josh Hart sowie mehrere Picks - darunter den vierten Pick im diesjährigen Draft.

Das zählt zu den größten Paketen, die je ein Team für einen Spieler erhalten hat.

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Die Lakers gehen mit der Verpflichtung ein hohes Risiko ein, denn sie geben gleich mehrere Talente, die sie in den vergangenen Jahren entwickelt haben, ab. Ihr Roster umfasst aktuell nur noch fünf Spieler - davon mit Moritz Wagner und Isaac Bonga zwei Deutsche.

Außerdem ist Davis im kommenden Sommer Free-Agent und könnte die Franchise nach einem Jahr wieder verlassen, auch wenn er seinem Umfeld versichert haben soll, langfristig bei den Lakers spielen zu wollen.

Beeindruckende Statistiken

Allerdings verfügt der 26-Jährige mit dem Spitznamen "The Unibrow" über eine Klasse, die so aktuell wohl kein zweites Mal in der NBA zu finden ist. Mit einer Durchschnittseffektivität von 27,4 in seiner bisherigen Karriere rangiert Davis unter den Top drei der effektivsten NBA-Spieler aller Zeiten. 99 Spiele beendete er mit mindestens 30 Punkten und zehn Rebounds, das sind 25 mehr als der zweitplatzierte Russell Westbrook.

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Kurzum: Mit Davis sollten die Lakers von einer Lachnummer wieder zu einem ernstzunehmenden Titelanwärter werden. Das Tandem aus LeBron und AD wird in der Liga mit seiner Physis und Wucht für Spektakel sorgen. Durch den Verbleib von Top-Talent Kyle Kuzma haben die Lakers in ihrem ansonsten dünnen Kader zumindest bereits eine dritte Option in der Offensive parat.

Davis war für die Lakers die beste und sicherste Option auf dem Spielermarkt, um schnellstmöglich wieder zum Contender zu werden. Angesichts der schweren Verletzungen von Klay Thompson und Kevin Durant sowie den minimalen Chancen bei Kawhi Leonard und den Gerüchten um Kyrie Irvings Wechsel zu den Brooklyn Nets wären diese Spieler, die im Sommer Free-Agents werden, schlechtere Varianten gewesen.

Lakers unter Druck wegen LeBron

Eile ist für die Lakers geboten, denn LeBron James befindet sich bereits in seinem 35. Lebensjahr und kann es sich nicht leisten, noch eine Saison wie die vergangene zu spielen, will er sich seinen Legendenstatus erhalten.

Mit dem Big Man bekommt er nun einen zweiten Superstar an die Seite gestellt, der auch etwas Last und Spielzeit von den Schultern des "King" nehmen kann. Obendrein kann das Duo nun weitere, dringend benötigte Free-Agents anlocken. 32,5 Millionen Dollar hat die Traditionsfranchise noch zur Verfügung, bevor die Luxussteuer fällig wird.

Ganz oben auf der Agenda stehen jetzt sicherlich ein Point Guard und Dreier-Schützen. Passend dazu wird nun All-Star Kemba Walker bei den Lakers gehandelt. Denn allein mit Davis und LeBron wird das Team den Titel nicht holen können, dazu hat es zu viel Substanz verloren.

Dagegen haben die Pelicans zwar ihren Superstar abgegeben, dafür aber an Breite gewonnen. Lonzo Ball kann gemeinsam mit Jrue Holiday eines der defensiv besten Guard-Duos bilden. Dazu passen Ingram, Ball und Hart zum schnellen Spiel der Pelicans.

Pelicans brauchen keinen Neuaufbau

Mit dem ersten und vierten Pick im Draft 2019 in der Hinterhand können die Verantwortlichen eine schlagkräftige Mannschaft für die Zukunft formen. Zusätzlich haben sie neben ihren eigenen Picks in den kommenden Jahren auch einige der Lakers erhalten und können mehrere Jahre in Folge doppelt zuschlagen oder ihre Picks für Trades benutzen.

So sind die Pelicans eines der wenigen Teams, das nach dem Verlust ihres Superstars nicht einen kompletten Neuaufbau braucht. Dabei profitierten sie natürlich von der Not und dem Erfolgszwang bei den Lakers.

Davis selbst spielt nun erstmals seit seinem Draft 2012 in einem großen NBA-Team und möchte seinen Status als NBA-Superstar weiter festigen. Der Druck auf ihn nach seinem erzwungenen Abgang ist enorm. Denn in Los Angeles wird nun nichts anderes als der Titel erwartet, das machen auch die Wettanbieter deutlich, die die Lakers teilweise als Topfavorit einstufen.

In rund einem Jahr - wenn die NBA-Finals vorbei sind - dürfte Klarheit herrschen, ob sich der historische Davis-Trade wirklich für alle Beteiligten ausgezahlt hat.

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