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München - Mit Stephen Curry oder dem verletzten Kevin Durant haben die Warriors mehrere Superstars im Team. Doch ein Veteran avanciert wieder einmal zum heimlichen Helden.

Andre Iguodala hat in seiner langen Karriere schon vieles erlebt. (Spielplan der NBA-Finals)

Mit der Nationalmannschaft gewann er jeweils Gold bei der WM 2010 und Olympia 2012, mit den Golden State Warriors wurde er bereits dreimal NBA-Champion und 2015 - obwohl teilweise von der Bank kommend - zum MVP der Finals gewählt. Dass der 35-Jährige aber auf seine alten Tage noch einmal zum entscheidenden Faktor in einer Finals-Serie werden könnte, ist besonders bemerkenswert.

Denn Iguodala ist selbst nicht hundertprozentig fit, springt aber für den verletzten Kevin Durant gegen die Toronto Raptors auf der Position des Small Forwards in die Bresche und avanciert wieder einmal zum heimlichen Helden der Warriors. (NBA-Finals, Spiel 3: Golden State Warriors - Toronto Raptors, Do. ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+)

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Iguodalas Dreier rettet Warriors gegen Raptors

Dabei profitiert der Routinier vor allem von seiner Erfahrung, was er erst in der Nacht auf Montag im zweiten Finalspiel in Kanada eindrucksvoll unter Beweis stellte. Nur noch 5,9 Sekunden zeigte die Uhr in der "Scotiabank Arena" von Toronto, als "Iggy" zum entscheidenden Wurf ansetzte.

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Eine ganze Sekunde, die sich wie eine halbe Ewigkeit anfühlte, wartete er, nahm Maß und feuerte den Ball von Downtown zum 109:104-Sieg durch den Ring. Ausgerechnet Iguodala, der vor Spiel zwei elf Dreier nacheinander verfehlt hatte, machte den Plan der Raptors, die in den letzten Spielminuten ihre Verteidigung umstellten, zunichte.

Dass der Rollenspieler so frei stand, verwunderte Teamkollege Stephen Curry. "Sie spielten das ganze vierte Viertel eine verrückte Verteidigung. Im Spielverlauf ist es ziemlich respektlos, Andre Iguodala so frei zu lassen. Er hat schon einige solche Würfe getroffen", sagte der Superstar.

Kandidat für die "Hall of Fame"

Der Matchwinner selbst sah die ganze Sache hingegen nüchtern. Auf die Frage, ob er im Moment des Wurfes keinen Druck verspürt habe, sagte Iguodala: "Niemals während des Spiels. Vor dem Spiel mache ich mir Gedanken. Sobald das Spiel startet, ist es ganz einfach. Das Spiel ist einfach. Man muss einfach nur das Richtige tun. Wenn man zu viel aus Dingen macht, beginnt man Druck zu spüren."

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Überhaupt ist der Mann aus dem Bundesstaat Illinois einer von der bescheidenen Sorte. "Es ist mir egal, nichts davon ist wichtig", hatte er erst vor wenigen Tagen bei The Athletic auf die Frage geantwortet, ob er Teil der "Hall of Fame", der Basketball-Ruhmeshalle, werden wolle.

Trotz seiner langen Liste an Erfolgen wurde Iguodala selbst nur einmal ins All-Star-Team gewählt, den eigenen Erfolg ordnete er stets dem der Mannschaft unter. Vor dem zweiten Spiel gegen Toronto meldete er sich noch kurz vor der Partie spielbereit, nur um nach einem Zusammenstoß mit Marc Gasol wieder in die Kabine zu müssen.

Steal gegen Trail Blazers ebnet Weg für Final-Einzug

Nach der Halbzeitpause - die Warriors lagen in Rückstand - meldete er sich wieder zurück.  Der Sieg der Mannschaft war ihm offensichtlich wichtiger als die eigene Gesundheit.  "Mir wurde der Kopf abgeschlagen. Es hat mich irgendwie ein wenig aufgeweckt. Danach hatte ich einen kleinen Vorsprung", beschrieb Iguodala die Situation.

Wie wichtig der Forward für den Erfolg der Warriors ist, zeigte auch eine Szene im Conference-Finale gegen Portland. In Spiel zwei der Serie verhinderte er mit einem Steal knapp drei Sekunden vor dem Ende die letzte Chance von Damian Lillard zum Ausgleich und ebnete damit den Weg für den Sweep gegen die Trail Blazers.

Offensiv kann er Durant, dessen Rückkehr weiterhin offen ist, natürlich nicht ersetzen. Aber mit seiner Defense, die er auch gegen Torontos Kawhi Leonard zeigt, sowie seinen Qualitäten als Anführer und Mentor, ist er ungemein wertvoll.

"Es ist schon bemerkenswert, wie sprunggewaltig er ist, die Verteidigung, die er spielt, und das Selbstvertrauen, das er ausstrahlt. Er ist ein großartiger Allround-Spieler für uns", lobte Draymond Green.

Curry als Ansporn für die eigenen Leistungen

Dass sich Iguodala auch mit 35 noch aufopfert, liegt hauptsächlich an einem Mann: "Ich mag Steph. Er ist ein guter Kerl. Das ist wirklich der einzige Grund, warum ich gerne Basketball spielen."

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Er wolle durch seinen Einsatz auch das Vermächtnis von Curry beschützen: "Ich tue alles, was nötig ist, um seine Legacy zu schützen."

Bereits in der Nacht auf Donnerstag bekommt er die Chance, das wieder unter Beweis zu stellen. Mit einer erneuten Glanzleistung kann er seinen Status dann weiter untermauern. Den, als heimlicher Held der Golden State Warriors. 

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