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München - Toronto und Golden State liefern sich ein spektakuläres sechstes Spiel, an dessen Ende die Raptors jubeln. Der überragende Thompson verletzt sich.

Die Toronto Raptors haben zum ersten Mal in der Geschichte den NBA-Titel gewonnen.

In einem spektakulären sechsten Finalspiel setzten sich die Kanadier bei den Golden State Warriors mit 114:110 durch und entschieden die Serie mit 4:2 für sich.

Stephen Curry (21 Punkte) hatte wenige Sekunden vor dem Ende noch die Chance, die Warriors zum Sieg zu werfen, doch sein Dreier fand nicht den Weg durchs Netz. So jubelten am Ende die Raptors, die als erste kanadische Franchise Meister wurden. Kawhi Leonard, der erst vor der Saison von den San Antonio Spurs gekommen war, wurde zum Finals-MVP gewählt.

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In der sechsten Partie erzielte Leonard 22 Zähler. Die Helden des Spiels waren aber Kyle Lowry (26 Punkte, 10 Assists, 7 Rebounds), der besonders in der Anfangsphase auftrumpfte, Pascal Siakam (26/3/10) und Bankspieler Fred VanVleet, der den Großteil seiner 22 Punkte mit teils wilden Würfen im Schlussviertel markierte.

Bitter für Golden State: Klay Thompson verletzte sich im dritten Viertel am Knie und kehrte, abgesehen von zwei Freiwürfen, nicht mehr aufs Feld zurück. Bis dahin war der Shooting Guard mit 30 Punkten der alles überragende Mann gewesen.

Warriors mit besonderer Motivation

Nach der Schock-Diagnose von Kevin Durant, der nach seinem im dramatischen fünften Spiel erlittenen Achillessehnenriss bereits operiert wurde, hatte es zu Spielbeginn zumindest von Kevon Looney gute Nachrichten gegeben.

Der Center biss wieder einmal auf die Zähne und stand neben Stephen Curry, Klay Thompson, Andre Iguodala und Draymond Green erstmals in der Starting Five.

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Der Titelverteidiger hatte im Vorfeld der Partie erklärt, auch für Durant gewinnen zu wollen. Das letzte Spiel in der heimischen Oracle Arena sorgte für zusätzliche Motivation, die sich auch in speziellen Handtüchern und Warm-Up-Shirts widerspiegelte. Diese hatten die Aufschrift "For Oakland", wobei das "K" und das "D", Durants Initialen, herausstachen.

Lowry beginnt bärenstark

Toronto, das sich davon nicht beeindrucken lassen wollte, setzte wie gewohnt auf Kyle Lowry, Danny Green, Kawhi Leonard, Pascal Siakam und Marc Gasol.

Lowry fing früh Feuer und warf mit einem Korbleger und drei Dreiern in den ersten drei Minuten eine schnelle 11:2-Führung für die Gäste heraus.

Weil auch Siakam, der seine vorherigen zwölf Distanzwürfe daneben gesetzt hatte, zwei Mal von außen traf, hatte die Toronto-Führung erst einmal Bestand.

Curry verpasst unfassbaren Dreier

Doch angeführt von Klay Thompson, der ebenfalls schnell seinen Rhythmus fand, kämpften sich die Warriors auf 20:22 heran. Nachdem auch DeMarcus Cousins Akzente setzten konnte, sorgte schließlich ein Dreier von Draymond Green nach einem 7:0-Lauf für die erste Führung der Gastgeber, die in der Defensive in dieser Phase mit einer Zone aufwarteten.

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Ein beinaher verwandelter Wurf von Curry aus der eigenen Zone mit der Sirene des ersten Viertels ließ die Halle nach begeisternden zwölf Minuten (32:33, zehn Dreier) fast komplett explodieren.

Spektakuläres Spiel

Im zweiten Viertel wechselte die Führung zunächst hin und her. Mit zwei weiteren Dreiern von Siakam und VanVleet erspielte sich Toronto wieder ein kleines Polster. Warriors-Coach Steve Kerr reagierte mit einer Auszeit, die die erhoffte Wirkung brachte – Golden State war beim 44:43 wieder vorne.

Doch wie sollte es anders sein – die Raptors schlugen angeführt von Lowry (21 Punkte zur Pause) und Serge Ibaka (10) wieder zurück (60:57, 24.).

Bitter: Superstar Leonard, der eher zurückhalten agierte, kassierte kurz vor der Pause bereits sein drittes Foul, als er den starken Thompson (18) beim Dreier foulte. Curry blieb mit neun Zählern bis dahin unter seinen Möglichkeiten.

Iguodala trumpft auf

Die zweite Halbzeit begann mit einer Schrecksekunde für Golden State, als Curry nach einem harten Block von Marc Gasol das Gesicht verzerrte. Mit seinem zweiten Dreier kurze Zeit später wischte er aber alle Zweifel an seinem Zustand beiseite.

Auf Seiten der Raptors kam Leonard besser in Fahrt, einem Dreier ließ er einen Korbleger mit Foul folgen. Bitter allerdings: Lowry bekam sein viertes Foul gepfiffen.

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Die Warriors stellten auf eine Zone um, vorne entwickelte sich wieder einmal Andre Iguodala zum X-Faktor. Nachdem der überragende Thompson mit seinem dritten Dreier für den erneuten Ausgleich gesorgt hatte, brachte "Iggy" seine Farben mit den Punkten 16 und 17 wieder in Führung (78:76, 32.).

Thompson verletzt sich

Doch kurze Zeit später mussten die Warriors den nächsten Schock hinnehmen, den Fans stockte der Atem. Thompson ging in einem Fastbreak zum Dunking hoch und wurde von Danny Green gefoult. Bei seiner Landung kam der Shooter unglücklich auf und verdrehte sich das Knie.

Zunächst wurde Thompson in die Kabine geführt, dann bewegte er sich humpelnd zurück aufs Feld. Denn hätte Thompson nicht seine Freiwürfe geworfen, hätte er auch im weiteren Verlauf der Partie nicht wieder aufs Feld zurückkehren dürfen. Nach seinen verwandelten Würfen wurde Thompson dann allerdings behandelt - inzwischen ist klar: Thompson hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen.

Toronto versuchte es wieder mit einer Zone, in der nur Curry direkt verteidigt wurde. Ein wilder Dreier von Iguodala sorgte aber für die bis dato höchste Warriors-Führung (88:83). Die nächsten Zähler gingen wieder auf Torontos Konto, wenngleich Leonards Tip-in mit der Viertelsirene zu spät kam.

Thompson kehrt nicht zurück

Zu Beginn des Schlussabschnitts wurde aus Befürchtung Gewissheit: Thompsons Knie verhinderte einen Einsatz des Guards im weiteren Verlauf des Spiels. Die Verantwortung, ein siebtes Spiel zu erzwingen, lag also mehr denn je auf Curry und selten eingesetzten Rollenspielern.

Doch zunächst sorgte Raptors-Guard VanVleet für den erneuten Ausgleich (91:91), dann mit einem wilden Dreier sogar für die Gäste-Führung. Vier Warriors-Punkte von Rebound-Monster Draymond Green und Shaun Livingston in Folge wendeten das Blatt aber wieder.

Es ging hin und her: Siakam verkürzte, Curry traf, VanVleet verwandelte drei Freiwürfe zum 99:99, Iguodala versenkte einen Jumper, Gasol blieb von der Linie nervenstark.

Dramatische Schlussphase

Vier Minuten vor dem Ende stand es 101:101 – und wieder war es VanVleet, der von draußen netzte. Ibaka erhöhte für seine Farben auf 106:101, Lowry legte mit einem wilden Jumper nach.

Noch gaben sich die Warriors nicht geschlagen. Nach Greens Dreier betrug der Rückständ nur noch drei Zähler, Cousins stellte auf 108:109.

Toronto nahm die Auszeit. Siakam tanzte Green zum 111:108 aus. Im nächsten Angriff wurde Curry gefoult und verwandelte die Freiwürfe.

Dann wurde es endgültig dramatisch: Die Warriors entschieden sich gegen ein schnelles Foul und lagen damit goldrichtig. Denn Danny Green schmiss den Ball weg und Golden State erhielt beim Stand von 110:111 noch eine letzte Chance. Doch Curry traf seinen Dreier acht Sekunden vor dem Ende nicht.

Die Warriors erkämpften sich zwar den Rebound, Draymond Green forderte aber eine Auszeit, die die Gastgeber nicht mehr hatten. Daraus resultierte ein technisches Foul.

Leonard ging mit 0,9 Sekunden Restspielzeit an die Freiwurflinie und traf. Die Raptors brachten den Ball ins Feld, Leonard verwandelte zwei weitere Freiwürfe und feierte gemeinsam mit seinem Teamkollegen den historischen Titel.

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