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Boban Marjanovic spielt in der NBA künftig bei den Dallas Mavericks
Boban Marjanovic spielt in der NBA künftig bei den Dallas Mavericks © Getty Images
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München - Die Dallas Mavericks verpflichten Boban Marjanovic aus Philadelphia. Der Serbe gilt aufgrund seiner Größe bereits jetzt als absoluter Kult-Spieler der NBA.

Die Verpflichtung von Boban Marjanovic in der Free Agency rief bei den Fans der Dallas Mavericks Begeisterung hervor.

Das liegt nicht vordergründig an seinen sportlichen Qualitäten - Marjanovic erzielte im Vorjahr auf den ersten Blick wenig beeindruckende 7,3 Punkte und 4,6 Rebounds im Schnitt und ist eher als dritter Center eingeplant - sondern an seinem Kult-Status, der auch in seiner Größe begründet ist.

Stattliche 2,21 Meter misst der Serbe und ist damit neben seinem neuen Mannschaftskollegen Kristaps Porzingis nicht nur der aktuell größte Spieler der Liga, sondern verpasst damit die ewige Top Ten auch nur um wenige Zentimeter.

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Doch wer ist dieser Typ, den die gesamte NBA seit seinem Wechsel zu den San Antonio Spurs vor vier Jahren in ihr Herz geschlossen hat und der eigentlich niemals vorhatte, Basketball-Profi zu werden?

Steiniger Umweg über Russland, Litauen und Serbien in die NBA

Um eine Beschäftigung nach der Schule zu haben und seiner Schwester nicht bei den Hausaufgaben helfen zu müssen, entschloss sich Marjanovic eines Tages dazu, gemeinsam mit seinen Freunden zum Basketball zu gehen. "Wir wollten Spaß auf dem Platz haben. So hat alles angefangen. Jetzt spielen die Kinder um das Geld. Sie spielen für die Berühmtheit. Ich spielte nur, um Spaß zu haben, weil meine Freunde da waren, weil der Ball da war", erzählte er einmal.

Doch im Gegensatz zu seinen Freunden war Marjanovic für Größeres bestimmt. Im Alter von 14 Jahren wechselte er 2002 in die Nachwuchsabteilung des damaligen serbischen Spitzenklubs KK Hemofarm, erstmals international in Erscheinung trat er 2006 bei der U19-EM in Griechenland, wo er jedoch nicht über die Position des Rollenspielers hinauskam.

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Dies änderte sich ein Jahr darauf bei der U19-Heim-WM, bei der er mit der serbischen Nationalmannschaft sensationell den Titel holte und im Finale die eigentlich übermächtig erscheinende Auswahl der USA mit den heutigen NBA-Stars Steph Curry und DeAndre Jordan bezwang. 

Über Stationen in Russland und Litauen landete er schließlich 2013, als MVP der serbischen Liga, bei Top-Klub KK Roter Stern Belgrad. Mit guten Leistungen in der heimischen Liga und einer überragenden Saison 2014/15 in der Euroleague erfüllte er sich im fortgeschrittenen Alter von 27 Jahren schließlich doch noch den Traum von der NBA.

Internetphänomen macht Marjanovic zum Fan-Liebling

In einem Jahr bei den Spurs avancierte der Hüne aufgrund seiner imposanten Erscheinung schnell zum Publikumsliebling und das, obwohl er in 54 Einsätzen lediglich viermal als Starter auf dem Parkett stand. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hatte - neben seiner kompromisslosen Spielweise auf dem Court - auch das Internet.

Neben seinen lustigen Tweets sorgte auch das Internetphänomen "Boban Holding Things" bei reddit dafür, dass der Center schnell weit über die Grenzen von Texas hinaus zur Kultfigur wurde. In Anlehnung an "Kim Jong-il Looking at Things" geistern seitdem unzählige Bilder von ihm durch das Internet, auf denen er die verschiedensten Dinge in seinen tellergroßen Händen hält.

Auch auf dem Spielfeld ist der mittlerweile 30-Jährige für jeden Spaß zu haben. Unvergessen ist die Szene, wie Anthony Davis in einem Spiel der Los Angeles Clippers gegen die New Orleans Pelicans versucht, ihm den Ball aus der Hand zu schlagen, während Marjanovic diesen einfach in die Höhe streckt.

Für viele Lacher sorgte auch ein Foto von ihm mit der nur 1,50-Meter großen Schauspielerin Kristin Chenoweth, welche ihm gerade einmal bis zur Taille reicht - oder seine eigene Internet-Show "The Bobi and Tobi" mit seinem Ex-Mitspieler Tobias Harris, einem drei Episoden langen Liebesbrief an das seltsamste Paar der NBA.

Durchschnittswerte besser als von Jordan und James

Allerdings wäre es unfair, ihn nur auf seine unzähligen Späße zu reduzieren. Denn würde es alleine nach dem so genannten Player Efficieny Rating (PER) gehen, wäre "The Bobinator" der beste Spieler in der Geschichte der NBA. 

Die Kategorie stellt die positiven Match-Leistungen (Field Goals, Blocks, Assists, Steals etc.) den negativen (Missed Field Goals, Turnover etc.) gegenüber. Am Ende steht ein statistischer Wert jenseits der bloßen Punktausbeute, der einen Gesamtüberblick über die Effektivität eines Spielers pro Einsatzminute geben soll.

Mit einem Wert von 28,1 belegte er in diesem Ranking 2018 den ersten Platz und ließ damit selbst den großen Michael Jordan oder LeBron James hinter sich. Selbstverständlich wäre es absurd, ihn deshalb auf eine Stufe mit Spielern dieser Klasse zu stellen, dennoch sind seine 5,5 Punkte und 3,35 Rebounds in durchschnittlich nur neun Minuten auf dem Feld eine Ansage.

Sein größtes Problem ist dabei, dass er aufgrund seiner schlacksigen, langsamen und unbeweglichen Art in der Defense kaum stattfindet und deshalb zumeist nur zu Kurzeinsätzen kommt. Das dürfte auch bei den Dallas Mavericks nicht anders sein, wo er erst am Mittwoch für zwei Jahre über sieben Millionen Dollar unterschrieben hat.

Marjanovic bleibt trotz Erfolg immer auf dem Boden

Doch im Gegensatz zu vielen anderen Stars ist der Vater von zwei Kindern trotz des Ruhms, des Internethypes und des Geldes immer auf dem Boden geblieben. Er will einfach nur Spaß am Basketball haben, "das ist mein erster Gedanke, wenn ich auf den Platz gehe", erklärte er.

Zuletzt sah man ihn auch erstmals im Kino, in "John Wick: Kapitel 3" übernahm er eine kleine Gastrolle. In dieser sollte er Hauptdarsteller Keanu Reeves in einer Szene umtreten. Aus Angst, den Schauspieler mit seinem riesigen Fuß zu verletzen, musste bei den Dreharbeiten jedoch zunächst ein Stuntman herhalten.

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"Ich habe den Stuntman zuerst getreten, weil mein Fuß so groß ist, dass ich Reeves nicht ins Gesicht treten wollte. Es war ein ziemlich guter Tritt, um ehrlich zu sein. Ich habe sie beide getreten, aber im Film war es Keanu", erzählte er im Interview mit dem Wall Street Journal

Das alles ist Boban Marjanovic, der beliebteste Riese der NBA.

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