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München - Zion Williamson startet nach seinen Verletzungsproblemen bei den New Orleans Pelicans durch und wirft sich in die Geschichtsbücher. Sein Trainer erwartet Großes.

"Ich glaube nicht, dass er mit irgendjemandem zu vergleichen ist", sagte Carmelo Anthony. "Jemand, der so viel Power hat und so springen kann… und wer wird noch besser, wenn er noch mehr Gefühl für das Spiel bekommt."

Der zehnmalige All-Star der Portland Trail Blazers war gerade Zeuge einer Gala von Zion Williamson geworden. Der Rookie hatte beim 138:117 seiner New Orleans Pelicans in nur 28 Minuten 31 Punkte, neun Rebounds und fünf Assists erzielt und damit einen persönlichen Rekord aufgestellt.

"Es ist irgendwie beängstigend, wie gut er jetzt schon ist", sagte Pelicans-Teamkollege Josh Hart. Jrue Holiday sah sich bestätigt. "Das konnte man erwarten. Ehrlich, ich weiß niemanden, der ihn verteidigen kann."

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Der Hochgelobte selbst rang nach seiner Machtdemonstration sichtlich nach Worten.

"Ich erwarte, dass ich auf dem Court etwas bewirken kann, aber ich erwarte nicht, dass ich etwas derartiges tue", erklärte der geschockte Rookie nach dem Sieg. "Ich schaue, dass ich reinkomme, fit bin und es nicht vermassle. Meine Teamkollegen und Trainer treiben mich immer an."

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Williamson fliegt in Geschichtsbücher

Williamson spielte erst seine neunte Partie in der NBA, dennoch hat er seinen Platz in den Geschichtsbüchern der Liga schon sicher.

Seit Allen Iverson 1996 gelang es keinem Nummer-1-Pick mehr, nach so wenigen NBA-Spielen mindestens 30 Punkte zu erzielen. Erstmals seit 33 Jahren schaffte ein Spieler in seinen ersten neun NBA-Spielen mindestens sieben Mal 20 Punkte, hat ESPN herausgefunden. (Spielplan der NBA

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Mit 19 Jahren gelangen bislang drei Spielern 31 Punkte, neun Rebounds und fünf Assists in einem Spiel - Kevin Durant, LeBron James und Luka Doncic. Keiner aus diesem Trio benötigte dafür aber so wenige Minuten wie Williamson.

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Dass der Youngster schon jetzt auf einem solchen Superstar-Level abliefert, kommt angesichts des enormen Hypes schon zu Highschool-Zeiten zwar nicht komplett unerwartet - wie beeindruckend er allerdings gerade die durchaus vorhandenen Zweifel zerschmettert, ist dann aber doch ein Hammer.

Denn neben berechtigten Fragezeichen, wie ein College-Star letztlich dann in der NBA zurecht kommt, gerade in Sachen Spielverständnis, sorgte vor allem Williamsons Verletzungsgeschichte für große Sorgen.

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Zion mit bewegter Verletzungshistorie 

In der Vorbereitung zog sich das Wunderkind einen Meniskusriss zu, die Pelicans bauten ihren Hoffnungsträger extrem vorsichtig auf und geben ihm immer wieder Auszeiten in den Spielen. Im Januar kam Williamson durchschnittlich 25 Minuten pro Spiel zum Einsatz (19,2 Punkte/Spiel), im Februar sind es 29,5 Minuten (23,3 Punkte/Spiel).

Die ursprünglich für sechs bis acht Wochen angesetzte Pause zu Saisonbeginn zog sich insgesamt zwölf Wochen. In dieser Zeit wuchs die Skepsis, ob der Körper des mit 129 Kilogramm und mit 1,98 Meter einzigartigen Athleten den Strapazen einer 82-Spiele-Saison in der NBA wirklich gewachsen ist.

Wo im Fußball zu schmächtige Youngster Sorgen machen würden, ist es im Fall von Williamson gerade das andere Extrem - ist der hyperathletische Springer zu schwer für seine Knie, die Belastung für die Gelenke in Beinen und Füßen auf dauer zu hoch?

TV-Experten und Fans behaupteten gar, Williamson hätte in der Vorbereitung Übergewicht gehabt. Seine durch Größe und Gewicht festgelegte Position als Power Forward zwingt ihn auf dem Court immer wieder in physisch fordernde Duelle, auch seine Knie werden durch die häufigen explosiven Sprünge regelmäßig maximal belastet.

Bereits in seiner Highschool-Zeit schlug sich Williamson mit kleineren Fuß-, Knie- und Handblessuren herum. Im College bei Duke zog er sich eine Knieverstauchung zu, nachdem er seinen Schuh zum Platzen gebracht hatte und deswegen umgeknickt war.

Playoff-Teilnahme der Pelicans in Gefahr

"Es ist wichtig für seine langfristige Gesundheit, dass er sich komplett erholt und mögliche Faktoren, die zu der Verletzung geführt haben, untersucht werden", sagte Verletzungsexperte Jeff Stotts nach dem Meniskusriss dem Bleacher Report.

Die Pelicans bereiteten Williamson geduldig und extrem vorsichtig auf sein NBA-Debüt vor, gingen durch die langfristige Genesungsphase auch das Risiko ein, dieses Jahr die Playoffs zu verpassen. Dass durch die reduzierten Spielminuten womöglich die übertragenden Medienanstalten verärgert und der Hype um das Phänomen reduziert wird, dürfte die Verantwortungsträger der Franchise kalt lassen.

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"Er wird besser werden. Er ist 19, startete mitten in der Saison und ist noch nicht in der Form, in der er sein kann", sagte Teamkollege Lonzo Ball. "Es ist fast schon furchterregend, daran zu denken, was er in Zukunft machen kann. Ich würde die 31 Punkte aber jeden Abend nehmen."

Williamson überzeugt offensiv wie defensiv

In der Tat hat Williamson spätestens gegen Portland bewiesen, dass er bereit für die NBA ist und Vergleiche mit Greg Oden, der 2007 an Nummer 1 gedraftet wurde und aufgrund von großen Verletzungsproblemen nur auf 114 NBA-Spiele kam, nicht zutreffend sind.

Die Pelicans befinden sich seit dem NBA-Debüt des Schwergewichts spürbar im Aufwind und gewannen fünf ihrer neun Spiele. Als Elfter im Westen (23:31) hat New Orleans derzeit fünf Siege Rückstand auf die Playoff-Plätze. (Tabelle der NBA)

Gegen die Trail Blazers erzielte Williamson sowohl defensiv (95,4) als auch offensiv (140,3) das beste Rating seines Teams, sechs seiner neun Rebounds sammelte er unter dem gegnerischen Korb.

Pelicans-Coach erwartet Großes

"Ich denke, dass mein Spiel so einzigartig ist, dass ich mich spontan darauf einstellen kann. Ich bin immer noch 19 und habe viel Platz für Verbesserung", erklärte Williamson. "Ich werde Fehler machen, ich bin nicht perfekt - ich muss einfach daraus lernen."

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Die Pelicans sehen in Zion die Versicherung, in mittelfristiger Zukunft um den Titel in der NBA mitzuspielen. Kurzfristige Rückschläge nimmt die Franchise ebenso hin wie die bewusste Reduzierung der Spielminuten, um ihr Juwel schnellstmöglich an die NBA zu gewöhnen und zu entwickeln.

"Wir haben es schon immer gesagt hat. Ich glaube, dass er noch nicht einmal an der Oberfläche seines Könnens gekratzt hat", sagte Pelicans-Coach Alvin Gentry.

Die NBA kann sich freuen.

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