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München und Houston - Die Houston Rockets geben Isaiah Hartenstein den Laufpass. Bei SPORT1 spricht er über sein Aus vor dem Restart, seine Zukunft und die Favoriten auf den Titel.

Es war natürlich enttäuschend für Isaiah Hartenstein, als ihm die Houston Rockets kürzlich den Laufpass gaben und den deutschen Nationalspieler somit vor eine ungewissen Zukunft stellten. 

Drei Jahre in Texas, eins in der G-League und zwei in der NBA, dazu in einer Franchise mit einem Superstar wie James Harden, wischt man schließlich nicht einfach so weg. Doch für den Saison-Restart in Disney World brauchte Houston Hartensteins Kaderplatz für einen weiteren Flügelspieler, den sie in David Nwaba fanden. 

Doch der 2,13 Meter große Big Man schaut längst wieder nach vorn. "Ich habe Anfragen von etwa zehn Teams", sagt der 22-Jährige im SPORT1-Interview. 

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Hartenstein spricht über seine persönlichen Pläne und den NBA-Restart in der Bubble, wie er Amerika in Pandemiezeiten erlebt, über seine Model-Freundin - und warum auch der FC Bayern einmal ein Thema werden könnte. 

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SPORT1: Herr Hartenstein, was machen Sie gerade und wie geht es Ihnen? 

Isaiah Hartenstein: Es sind natürlich nach wie vor gewaltige Einschränkungen hier in den Staaten. Man ist mehr Zuhause, räumt mehr auf und versucht, sich noch hygienischer zu verhalten. Aber trotzdem gibt es ja auch den normalen Alltag: Das heißt, trainieren und Krafttraining nach wie vor in Houston. 

Hartenstein: "Zehn Teams, die mich holen wollen"

SPORT1: Und darauf hoffen, dass es in einem anderen Team möglichst bald weitergeht? 

Hartenstein: Es hatten viele Mannschaften Interesse, die mich auch in der Bubble haben wollten. Es gibt mindestens zehn NBA-Teams, die mich holen wollen und meinen Agenten angerufen haben. Weil ich so spät gewaived wurde, konnte mich aber kein Team holen. Doch wie gesagt: Viele haben gesehen, dass ich bei den Rockets gute Leistungen gezeigt habe. Es wird für mich auf jeden Fall in der NBA weitergehen, das Geld ist dabei weniger wichtig. Ich habe viel gelernt in Houston, vor allem von den erfahreneren Spielern. Ich bereue nichts bei den Rockets. 

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SPORT1: Wie ist das Verhältnis mit James Harden gewesen? 

Hartenstein: Viele denken, dass solche Leute unnahbar sind, aber immer, wenn ich Fragen oder Anliegen hatte, waren sie für mich da. Russell Westbrook ist der beste Teammate, den ich mir vorstellen kann. Und mit dem besten Scorer aller Zeiten zu spielen, der dazu noch unfassbar passen kann, ist natürlich Wahnsinn, das hat mir vieles vereinfacht. Harden war wie ein Bro' für mich, er strahlt auch eine Arroganz aus. Aber ein bisschen arrogant im positiven Sinne musst du auch sein, wenn du ein Pro bist und selbstbewusst und zu den besten Spielern der Welt zählen willst. Es kommt auf die Balance an im Umgang mit anderen, und die hat James. Ich würde sogar sagen, dass auch ich ein bisschen von dieser Arroganz habe - weil ich denke, dass ich besser bin als manch Anderer, aber keine Chance bekommen habe. 

Hartenstein über Bayern-Rückkehr

SPORT1: Auch wenn Sie eine Rückkehr nach Europa momentan ausschließen: Was ist mit der BBL, wo sie ja bereits als 16-Jähriger debütierten – was ist mit dem FC Bayern? 

Hartenstein: Ich glaube, dass ich lange in der NBA spiele werde, auch noch mit 30 Jahren oder älter. Aber danach? Da kann ich mir eine Rückkehr in die BBL und zu Bayern schon vorstellen, dafür wäre ich dann offen, denke ich. Aber im Moment ist das kein Thema. Jetzt kommt die Free Agency und im Oktober habe ich dann hoffentlich ein neues Team. 

SPORT1: Und Ihre Freundin Kourtney Kellar begleitet Sie dann auch in eine neue Stadt… 

Hartenstein (lacht): Sie ist ein Model, also auch überall unterwegs so wie ich, wenn ich ein Spiel habe. Wir müssen nur einen Flughafen haben, dann geht das schon. Die Coronazeit hat uns da nun noch mehr zusammengebracht, wir haben sehr viel geredet. Von daher hatte die Pandemie zumindest etwas Gutes.  

SPORT1: Was erwarten Sie denn vom Restart in der Bubble? Wo sehen Sie am Ende die Rockets? 

Hartenstein: Die Rockets haben eine gute Chance, auch in den Playoffs ganz weit zu kommen. Allerdings ist das auch so eine fifty-fifty-Sache: Es kann auch richtig schlecht laufen mit dem Microball-System (System ohne Center mit fünf "austauschbaren" Wings; Anm. d. Red.). Zu den Favoriten auf den Titel zähle ich auch noch Milwaukee und die Lakers. Aus deutscher Sicht traue ich den Celtics mit Daniel Theis am meisten zu, auch wenn die Oklahoma City Thunder mit Dennis Schröder zuletzt überraschenderweise wieder richtig gut waren. Ich bin natürlich noch ein bisschen in Kontakt mit den Rockets, die in der Bubble sind, von den deutschen Spielern dazu mit Isaac Bonga (Washington Wizards; Anm. d. Red.). 

"NBA kann Gesellschaft wieder vereinen"

SPORT1: Was macht die NBA womöglich besser als die NFL, NHL und die MLB? Nicht nur mit Blick auf die Pandemie, sondern auch auf die gesellschaftliche Auseinandersetzung in den USA aktuell. Stichwort: Black-Lives-Matter-Proteste und Rassismus. 

Hartenstein: Es sind schwere Zeiten für Amerika. Ich glaube schon, dass die NBA – auch mit den politischen Statements nun auf den Trikots – die Gesellschaft in den USA vielleicht wieder ein bisschen vereint. Viele Spieler haben sich stark gemacht, um Missstände zu ändern, LeBron war einer der Ersten, der nach dem Tod von George Floyd vorwegging. Ich habe auch beide Seiten erlebt, weiß, was andere durchmachen und kann vieles nachvollziehen, weil mein Vater (Florian Hartenstein, ehemaliger BBL-Spieler; Anm. d. Red.) ja auch schwarz ist. Aber die anstehenden Wahlen und beide Parteien, Demokraten und Republikaner, treiben dann auch wieder einen Keil dazwischen.  

SPORT1: Was können Sie ganz persönlich tun für ein anderes Amerika? 

Hartenstein: Wir müssen die Dinge den Menschen bewusster machen, viel mehr miteinander reden und zuhören. Und das macht COVID-19 auch nicht unbedingt einfacher. Aber wir können alle irgendwie helfen – und auch handeln. Ich selbst habe vor einigen Wochen mit Anderen wegen Corona an einem Krankenhaus Care-Pakete ausgegeben.  

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