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Bei den Oakland Raiders um Trainer Jon Gruden (m.) sieht es derzeit düster aus
Bei den Oakland Raiders um Trainer Jon Gruden (m.) sieht es derzeit düster aus © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images
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München - Die Oakland Raiders lassen überraschend zwei Superstars gehen. Schenkt das Team die laufende Saison ab, um sich für den Draft im nächsten Jahr zu positionieren?

"Es war eine Gelegenheit, die ich nicht verstreichen lassen konnte." Mit diesen Worten kommentierte der General Manager der Oakland Raiders den Abgang von Wide Receiver Amari Cooper.

Für den Passfänger wurde dem Team von Trainer Jon Gruden ein Erstrundenpick im nächsten Draft angeboten - GM Reggie McKenzie konnte bei diesem verlockenden Angebot nicht nein sagen.

Der Trade des 24-Jährigen zu den Dallas Cowboys war bereits der zweite prominente Abgang innerhalb weniger Wochen. Anfang September hatte die Franchise bekannt gegeben, dass Linebacker Khalil Mack, dreimaliger Pro Bowler und "Defensive Player of the Year" 2016, in Zukunft das Trikot der Chicago Bears tragen würde.

Drei Erstrunden-Picks für Oakland

Beide Abgänge kamen durchaus überraschend. Vor allem der Trade des derzeit wohl besten Pass Rushers sorgte bei vielen Fans für Kopfschütteln.

Auch für Mack erhielt Oakland einen Erstrundenpick. Zusammen mit ihrem regulären Pick darf das Team im nächsten Jahr in der ersten Runde der Talentziehung gleich dreimal zugreifen. Und die Trade-Aktivitäten der Raiders sind offenbar noch nicht am Ende. Laut US-Medienberichten könnte auch Safety Karl Joseph das Team noch verlassen.

Tanking bei den Raiders?

Dass das ungeliebte Wort "Tanking" immer häufiger in den Raum geworfen wird, dürfte die Verantwortlichen nicht verwundern. Schwächt sich das Team durch den Abgang starker Spieler bewusst selbst, um im nächsten Jahr einen Neuaufbau einleiten zu können?

Noch ist bei den Raiders nicht klar zu erkennen, wohin die Reise gehen soll. Vor allem das Verhalten von Head Coach Gruden gibt immer wieder Rätsel auf. Laut Las Vegas Review-Journal setzte der 55-Jährige sein Team über Coopers Abgang überhaupt nicht in Kenntnis. Erst durch Medienberichte erfuhren die Spieler davon.

"Der Abgang von Cooper war für uns wie ein K.o.-Schlag. Wir wollten nicht glauben, dass dies passieren könnte, vor allem weil der Trainer uns gesagt hat, dass wir ihn nicht traden würden", offenbarte ein namentlich nicht genannter Spieler gegenüber The Athletic

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Neben Wut hat der Cooper-Trade zudem für Verunsicherung gesorgt. "Viele von uns wissen, dass wir nächstes Jahr nicht hier sein werden. Wir warten nur darauf, ob wir nächste Woche noch hier sind", so der Spieler weiter.

Carr leidet unter schlechter O-Line

Auch die taktische Ausrichtung des Teams wirft mehr und mehr Fragen auf. In den letzten beiden Partien setzte es gegen die Chargers (10:26) und die Seahawks (3:27) böse Pleiten.

Die Gründe für die sportliche Talfahrt sind vielfältig: Quarterback Derek Carr warf in dieser Saison mehr Interceptions (8) als Touchdown-Pässe (7). Schuld daran ist hauptsächlich seine miserable Offensive Line. Der 27-jährige Spielmacher bekommt kaum Zeit zum Werfen, wird häufig gesackt.

Dazu verletzte sich Marshawn Lynch an der Leiste. Der Running Back steht Gruden in dieser Saison wohl nicht mehr zur Verfügung - sein Comeback wäre frühestens in Woche 16 möglich.

Und auch der Coach selbst ist nicht unumstritten. Von 1998 bis 2001 hatte Gruden schon einmal das Ruder bei den Raiders in der Hand, danach trainierte er Tampa Bay und gewann mit den Bucs den Super Bowl 2003 - als damals jüngster Coach der NFL-Geschichte und ausgerechnet gegen sein Ex-Team aus Oakland.

Zweifel an Gruden 

2009 verabschiedete sich der heute 55-Jährige komplett aus dem Trainergeschäft und überzeugte seitdem als Experte für ESPN, als Cheftrainer in Oakland tut er dies noch nicht.

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Nach fast zehn Jahren ohne Trainer-Posten statteten ihn die Raiders mit einem Zehnjahresvertrag über 100 Millionen US-Dollar aus. Grudens Rückkehr sorgte zunächst für eine Euphoriewelle. Aktuell bleibt nur Ernüchterung.

Auch wenn man in Oakland vom Thema Tanking nichts wissen will - Gruden bestritt dies in mehreren Interviews vehement - alles andere als ein Neuaufbau des Teams rund um Quarterback Carr zu Beginn der kommenden Saison macht wenig Sinn.

Zwar sahen die Verantwortlichen der neuen Spielzeit durchaus mit Optimismus entgegen, und machten nicht den Anschein, Grudens erstes Jahr als Übergangssaison zu benutzen. Doch schon nach dem ersten Spiel überraschte die Franchise mit einem kuriosen Move. Der nur wenige Tage zuvor entlassene Receiver Martavis Bryant wurde zurückgeholt, einen Touchdown konnte er seinem Team bisher nicht bescheren.

Eines steht fest: Auf die Raiders kommt eine schwierige Zeit zu. Um das Team perspektivisch zu verstärken, muss auf diversen Positionen aufgerüstet werden.

Spätestens seit Lynchs Verletzung fehlt ein starker Running Back, außerdem ein zuverlässiger Receiver und diverse Spieler für die O-Line. Auch ein vernünftiger Ersatz für Mack wurde bislang noch nicht gefunden.

Stadion-Umzug steht an

Mit dem als Nummer-1-Pick gehandelten Pass Rusher Nick Bosa von den Ohio State Buckeyes (Bruder des Chargers-Stars Joey Bosa) könnte zumindest dieses Problem angegangen werden.

Zudem steht in den nächsten Jahren der lange geplante Umzug nach Las Vegas an. Ob die Fans das neue Stadion in der Wüstenstadt annehmen, weiß niemand. Bereits jetzt hat das Team mit schwankenden Zuschauerzahlen zu kämpfen.  

Die Raiders sind aktuell ein Team ohne Identität.

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