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Am 17. September 1920 wurde eine neue Football-Profi-Liga beschlossen
Am 17. September 1920 wurde eine neue Football-Profi-Liga beschlossen © SPORT-Montage: Marc Tirl/Getty Images
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München - Am 17. September 1920 gründen 14 Männer in einem Autohaus eine neue Profi-Football-Liga. Die Entstehung der NFL wird zur einzigartigen Erfolgsgeschichte.

Der 17. September 1920 hat die Sportwelt wie kaum ein anderer Tag geprägt.

An jenem Spätsommerabend trafen sich 14 Männer in einem Autohaus in Canton, Ohio, um Geschichte zu schreiben.

Im "Jordan and Hupmobile Automobile Showroom" wurde eine neue Profi-Football-Liga beschlossen, die sich zwei Jahre später in NFL umbenennen sollte und eine nie dagewesene Popularität und global ihresgleichen suchenden wirtschaftlichen Erfolg erreichen sollte.

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Die heute erfolgreichste Sportliga der Welt wurde von Männern gegründet, die mit einem Bier auf Stoßstangen und Motorhauben saßen, weil im Büro von Ralph Hay nicht genügend Platz war. Jener Hay war die treibende Kraft hinter dem damals größenwahnsinnigen Unterfangen.

Profi-Football war seiner Zeit ein auf den mittleren Westen beschränktes Phänomen, das sich nur einige wenige reiche Industrielle als Hobby erlauben konnten.

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Man warb sich ständig gegenseitig Spieler ab, zahlte viel zu hohe Gehälter, denn der Zuschauermagnet war damals unangefochten College Football - Fernsehen gab es natürlich auch noch nicht, entsprechend gering waren die Einnahmen.

Niemand bezahlt Beitrittsgebühr

Hay, dem Eigner der Canton Bulldogs, schwebte eine starke Liga vor, die ähnlich wie im Baseball kontrollieren und regulieren, Preiskriege verhindern und einen einheitlichen Spielplan zwischen den bis dahin völlig unabhängigen Teams schaffen sollte.

Nach einem ersten Sondierungstreffen im August kamen im September die Vertreter der Akron Pros, Cleveland Indians, Muncie Flyers oder Rock Island Independents zusammen. Darunter waren auch die inzwischen in die Hall of Fame aufgenommenen Jim Thorpe und George Halas. Mit den späteren Chicago Bears konnte letzterer bis 1963 acht NFL-Meisterschaften gewinnen.

Wichtigster Punkt der Vereinbarung war die Formierung unter dem Namen American Professional Football Association (APFA), zum ersten Ligapräsidenten wurde Star-Spieler Thorpe bestimmt. Er war zwar schon 32, galt in den USA aber immer als "größter Athlet der Welt", wie eine Zeitung damals schrieb.

Die Beitrittsgebühr pro Team betrug übrigens 100 Dollar, aber niemand bezahlte sie - heutzutage ist ein NFL-Team mehrere hundert Millionen wert.

Jeder Spieler in Angriff und Abwehr

Das erste Spiel bestritt drei Tage später Rock Island aus Illinois. Sie zerlegten die St. Paul Ideals mit 48:0, eine Woche später überrollten sie auch Muncie mit 45:0.

Wirklich viel mit dem heutigen Football hatten die Spiele aber noch nichts zu tun. Die Abmessungen des Spielfeldes waren identisch, aber Coaching war verboten, es gab kaum Pässe nach vorn und alle Profis spielten in Abwehr und Angriff. Die Anfangsjahre waren wohl eher mit Rugby vergleichbar. Außerdem setzten Teams willkürlich selbst Spiele an, zum Beispiel gegen College-Teams, die alle für ihre Bilanz zählten.

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Halas war in Decatur - 1922 in Chicago Bears umbenannt - Trainer, Spieler, Zeugwart, Pressesprecher und Ticketverkäufer. Daher auch sein Spitzname "Mr. Everything".

Meister per Briefwahl gekürt

Die Saison endete am 19. Dezember, es gab keine Playoffs oder gar einen Super Bowl, vier Monate später wurde der Meister per Briefwahl gekürt. Die Akron Pros wurden nach acht Siegen, drei Unentschieden und nur sieben zugelassenen Punkten so der erste Champion.

Im Schnitt kamen kaum mehr als 4000 Zuschauer, Muncie stellte nach seiner Debüt-Klatsche den Spielbetrieb sofort ein. Auf den glücklosen Thorpe folgte Columbus-Eigner Joe Carr, 1922 wurde die Liga in NFL umbenannt, aber erst mit der Verpflichtung des College-Stars Red Grange kam Schwung in die Sache – College Football lag mit Zuschauerzahlen von bis zu über 100.000 aber immer noch klar vorne.

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Weil es 1932 zu einem Entscheidungsspiel zwischen Portsmouth und Chicago kam – inzwischen wurde der Meister nach Bilanz bestimmt – und das Fan-Interesse an dem Spiel im Baseballstadion Wrigley Field so groß war, wurden auf Betreiben des Redskins-Besitzers George Preston Marshall Divisionen eingeführt, um jedes Jahr ein solches Endspiel zu haben.

Damit stieg die Beliebtheit an, die NFL wuchs, verleibte sich Teams rivalisierender Ligen wie die Los Angeles Rams, Cleveland Browns oder San Francisco 49ers ein.

Packers gewinnen ersten Super Bowl

Mit dem immer größeren Interesse und dem Fernsehen wurde Profi-Football immer größer, 1960 begann die AFL ihren Spielbetrieb, die Konkurrenz schaukelte sich so hoch, dass es 1967 zum ersten großen Duell der beiden Meister kam: Super Bowl I, den die Green Bay Packers gegen die Kansas City Chiefs gewannen.

Drei Jahre später kam es auch offiziell zum Zusammenschluss. Die NFL-Teams bildeten die NFC, aus der AFL wurde die AFC.

Von da an war der Aufstieg nicht mehr aufzuhalten, aber alles ging auf jene 14 verrückten Männer in einem Autohaus in Canton zurück. Die erste Meistertrophäe ist übrigens seit Jahrzehnten verschollen. In diesem Jahr feiert die NFL ihre 100. Saison - es ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

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