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München - New Englands Playoff-Aus ist nur auf den ersten Blick eine Sensation. Der 8:0-Start überdeckt entscheidende Schwächen. Tom Brady ist am Ende der Leidtragende.

Es ist jetzt schon die Sensation der NFL-Playoffs – zumindest auf den ersten Blick.

Die New England Patriots - zuletzt dreimal in Folge im Super Bowl - verloren daheim gegen die Tennessee Titans und stehen vor einem möglichen Umbruch, schließlich ist Superstar Tom Brady zum ersten Mal in seiner Karriere ohne Vertrag.

Dabei hatten die Pats die Saison doch so eindrucksvoll begonnen. Die Defense dominierte und mit Receiver Antonio Brown schien ein typischer Transfer-Coup gelungen zu sein.

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Die unrühmliche Brown-Episode endete sehr schnell und offenbarte gleichzeitig eines der großen Probleme des vermeintlichen Überteams.

SPORT1 analysiert, wie die Saison der Patriots zu einem Fehlschlag wurde.

Der Spielplan

New England startete mit acht Siegen in Folge furios in die Saison, der Super Bowl schien einmal mehr nur über den sechsmaligen Champion zu führen. Die Gegner wurden teilweise richtig zerlegt, nur zweimal blieb das Team dabei unter 30 Punkten.

Aber schon damals war klar, dass der Spielplan der ersten Saisonhälfte sehr leicht war. Letztendlich schafften von den ersten acht Gegnern nur die Buffalo Bills eine positive Bilanz und zogen in die Playoffs ein.

Alle anderen Teams hatten teils große Probleme im Saisonverlauf und holten sich auch anderswo empfindliche Klatschen ab.

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Somit wurden bei den Pats aber unrealistische Erwartungen geweckt und auch einige Probleme überdeckt, vor allem weil die Defense derart dominierte.

In der zweiten Saisonhälfte gelangen nur noch vier Siege, gegen die Playoff-Teams Baltimore, Houston und Kansas City setzte es Pleiten. In diesen Spielen - wie nun auch gegen Tennessee - schwächelte auch die Defense im entscheidenden Moment.

Der Gronkowski-Faktor

Einen Spieler vom Kaliber eines Rob Gronkowski würde jedes Team schmerzlich vermissen. Den Patriots tat sein Rücktritt aber besonders weh. Denn abgesehen von Julian Edelman und James White mangelte es an guten Anlaufstellen für Brady.

Dieses Duo braucht aber Platz, um die meist kürzeren Pässe in Big Plays zu verwandeln. Um diesen Platz zu schaffen, braucht man aber starke Receiver außen oder eben einen Playmaker auf Tight End.

New England hat den Trend zum Tight End als Waffe, wie ihn mittlerweile jedes Topteam der Liga hat, maßgeblich ausgelöst, stand ohne "Gronk" aber nun ohne Plan B da. Ben Watson konnte nicht mehr helfen, Matt LaCosse genügt höheren Ansprüchen nicht.

So hätte man Gronkowski mit stärkeren Outside-Receivern ersetzen müssen. Deshalb hielten sie lange an Skandal-Profi Josh Gordon fest und holten Brown trotz der Kontroverse, sie wussten, dass es sonst nicht reichen würde. Mit beiden klappte es nicht, nicht zuletzt deshalb spielte Brady seine statistisch schwächste Saison seit 2002. Der Superstar soll auch intern nicht begeistert gewesen sein, dass Brown und vor allem Gordon so schnell gefeuert wurden.

Der Trade für Mohamed Sanu war kein Faktor, der junge N'Keal Harry noch zu grün.

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Das Laufspiel

Neben fehlenden Anspielstationen wurde Brady auch das schwache Laufspiel zum Verhängnis. Für die Saison kamen die Pats nur auf 3,8 Yards pro Lauf - gerade einmal sechs Teams waren schlechter. Dadurch wurde der Angriff zu ausrechenbar, kompensieren konnte das Brady mit 42 Jahren irgendwann nicht mehr. Die Gründe sind schwer zu fassen.

Zwischen 2016 und 2018 standen sie immer in den Top Ten nach Laufyards, in diesem Jahr sprang mit dem gleichen Personal nur Rang 18 heraus.

Sicher fehlte der Offensive Line Trent Brown, aber die O-Line war generell nicht so schlecht. Die Verletzung von Fullback James Develin tat weh, dann fiel auch sein deutscher Ersatz Jakob Johnson weg. Das Playcall war aber zu unkreativ, zudem konnte Sony Michel nicht an die vergangenen Playoffs anknüpfen und enttäuschte. Das Laufspiel bekam Offensive Coordinator Josh McDaniels nie so richtig in Gang.

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Uncharakteristische Fehler

Über Jahre war es die große Stärke der Patriots, in den wichtigen Momenten da zu sein und ihr Toplevel abzurufen. Das gelang heuer nicht.

Belichick war immer ein Meister darin, dem Gegner seine größte Stärke zu nehmen. Gegen Derrick Henry oder zuvor Lamar Jackson oder Pat Mahomes und Travis Kelce war das nicht der Fall.

Auch die schockierende Pleite am letzten Spieltag gegen Miami, die das Freilos und ein Heimspiel in den Divisional Playoffs kostete, war völlig uncharakteristisch.

Dazu kamen Strafen, sehr viele nicht gefangene Pässe oder wie gegen Tennessee ein schwacher Punter. Rookie Jake Bailey hatte vor der Saison den im Super Bowl überragenden Ryan Allen verdrängt, gegen die Titans verpatzte er einen und kickte zwei viel zu lang in die Endzone.

In früheren Jahren nutzten die Pats solche Fehler eiskalt und schlugen sich nicht selbst.

Die Patriots 2019 hatten diese Aura am Ende nicht.

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