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Cam Newton könnte schon bald ein anderes Trikot tragen © Getty Images
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München - Cam Newton darf sich einen neuen Klub suchen. Das Problem für den Quarterback der Carolina Panthers: Die anderen Teams reißen sich nicht um ihn.

"Die Panthers erteilen Cam Newton die Freigabe, nach einem Trade-Partner zu suchen."

Die Worte, die die Carolina Panthers in ihrem Verkündungs-Tweet verwendeten, waren simpel. Ihr langjähriger Quarterback "darf" sich einen neuen Job suchen - obwohl er das gar nicht will. Wie nett.

Seit 2011 steht Newton für das Team aus North Carolina auf dem Platz. Die Panthers hatten ihn mit dem Nummer-1-Pick ausgewählt und damit einen Glücksgriff getätigt. Jahrelang überzeugte der Spielmacher mit starken Zahlen, führte das Team 2016 als MVP in den Super Bowl. SuperCam war die gefeierte "Scoring Machine", sein Superman-Jubel legendär.

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Von all dem ist kaum noch etwas übrig geblieben. Auch wenn sich die Panthers nach der Verkündung gestenreich bedankten, ist die Botschaft klar. In der Franchise von Neu-Trainer Matt Rhule ist für Newton kein Platz mehr.

Newton widerspricht den Panthers

Der fallengelassene Superstar selbst widersprach nach weniger als 30 Minuten den Worten seines Arbeitgebers.

"Ich habe nie nach einem Trade gefragt", schrieb er bei Instagram. "Ich liebe die Panthers bis zum Tod und werde das immer tun. Versucht aber bitte nicht, mich reinzulegen, die Geschichte zu manipulieren oder so zu tun, als würde ich das wollen. Ihr habt mich dazu gezwungen", erhob Newton schwere Vorwürfe.

Die Panthers haben ihre Entscheidung getroffen, auch wenn diese noch nicht offiziell verkündet wurde. Für die nächste Saison wird Teddy Bridgewater als neuer Quarterback verpflichtet. Dieser agierte zuletzt als Backup für Drew Brees bei den New Orleans Saints.

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Cam Newton, der dem Team 2020 rund 18,6 Millionen Dollar kosten würde, kann dagegen seine Koffer packen. Zu groß sind bei den Panthers die Fragezeichen, ob der 30-Jährige noch einmal an die Leistungen früherer Tage anknüpfen kann.

Vollmer erklärt Newtons Problem

In seinen Hochzeiten glänzte Newton mit einer unberechenbaren Mischung aus starken, präzisen Pässen und der Fähigkeit, Raumgewinn durch Läufe selbst zu erzielen. Seine insgesamt 58 erzielten Lauf-Touchdowns sind immer noch Bestmarke in der NFL. Newton war das Paradebeispiel für den laufenden Quarterback, ein Güterzug auf zwei Beinen, kaum zu stoppen.

Inzwischen schlägt sich der Superstar seit Jahren mit Verletzungssorgen herum und verpasst ein ums andere Spiel. Zuletzt setzte ihn Carolina Anfang November wegen einer Fraktur des Mittelfußknochens auf die Injured Reserve Liste, er verpasste fast die komplette Saison 2019. Die letzten acht Spiele unter Newton verloren die Panthers allesamt.

"Die Frage ist bei solchen Quarterbacks immer: Wie lange können sie so spielen? Irgendwann macht der Körper nicht mehr mit", erklärt der frühere NFL-Profi Sebastian Vollmer im Gespräch mit SPORT1: "Das sieht man vor allem bei denen, die keine Pocket Passer sind, dafür aber gerne mal laufen und ihre Schultern reinhängen. Newton sieht ja aus wie ein Linebacker."

Doch wie geht es für die "Scoring Machine" jetzt weiter?

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Newton hat wenig Möglichkeiten

Die Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Spielmachers bestehen natürlich nicht nur bei den Panthers, auch die anderen NFL-Teams reißen sich aktuell nicht um ihn.

Die Saints haben den Vertrag mit Star-Quarterback Brees um zwei weitere Jahre verlängert, obwohl dieser bereits 41 Jahre alt ist. Die New England Patriots sind trotz des Abschieds von Tom Brady ebenfalls noch nicht bei Newton vorstellig geworden. Dessen vermutlich hohe Gehaltsvorstellungen dürften in derartigen Gesprächen ohnehin nicht förderlich sein.

"Das kann ich mir persönlich nicht vorstellen", sagt Vollmer bezüglich eines Wechsels zu den Patriots: "Sie spielen nicht das passende System. Sie haben einen Quarterback, der eher statisch ist, aus der Pocket wirft. Da sehe ich eher einen Andy Dalton. Er ist natürlich kein Tom Brady, aber er hat einen guten Arm."

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In Tennessee setzt man derweil langfristig auf Ryan Tannehill und selbst die Chicago Bears, die mit Newton in Verbindung gebracht wurden, haben auf dessen Verpflichtung verzichtet und sich stattdessen Jaguars-Spielmacher Nick Foles geangelt.

Vollmer schwärmt von Newton

Allzu viele Optionen bieten sich Newton derzeit nicht. Bei den Los Angeles Chargers verkündete der langjährige Quarterback Philip Rivers kürzlich seinen Abschied, das Team von Trainer Anthony Lynn scheint dem Vernehmen nach aber auch mit Ersatzmann Tyrod Taylor zufrieden zu sein, zudem kann L.A. dank Pick Nummer 6 im NFL-Draft seinen Quarterback der Zukunft holen.

Auch die Cincinnati Bengals und Miami Dolphins bräuchten einen Spielmacher, haben aber derart hohe Picks im Draft, dass diese Position auch dort besetzt werden könnte.

Hoffnungslos ist die Situation für Newton sicherlich nicht. Dass er vor gut einem Jahr von 85 NFL-Verteidigern zum meistunterschätzten Quarterback der Liga gewählt wurde, beweist, welche Klasse er hat.

"Ich habe gegen ihn gespielt", sagte Vollmer bei SPORT1: "Er kann zu den Top drei, vier, fünf Quarterbacks gehören in der Liga, wenn er gesund ist, wenn er nicht ständig Rückschläge erleidet, wenn er die Offense hat, die er braucht."

Doch viele Auswahlmöglichkeiten, die ihm diese Offense auch bieten, hat Newton nicht mehr.

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