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München - Mit Neuzugang Tom Brady reifen in Tampa bereits zarte Super-Bowl-Träume. Doch hat das Team überhaupt das Zeug für die Postseason? SPORT1 macht den Check.

"Es ist ein spannender Moment für mich. Ich trete in eine neue, einzigartige Phase in meinem Leben ein."

Die Worte, die Quarterback Tom Brady am Dienstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten wählte, klangen begeistert.

"Die Erwartungshaltung ist, dass ich ein großartiger Teamplayer für diese Organisation sein werde. Ich habe viel Vertrauen in Coach Arians und höchsten Respekt vor ihm. Ich freue mich darauf, meine Teamkollegen zu treffen und all das zu erreichen, was wir uns zusammen vornehmen." Doch was kann TB12 mit seiner neuen Franchise wirklich erreichen?

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Bislang hatte es Brady mit den Patriots in der Regular Season meist leicht. In der AFC East lauerte mit den Miami Dolphins, den Buffalo Bills und den New York Jets nur wenig Gefahr - fünf Siege waren da fast schon jährlich eingeplant. Der Divisions-Titel und der Einzug in die Playoffs waren meist Formsache.

In Tampa kann davon aber keine Rede sein. Mit den New Orleans Saints und den Atlanta Falcons warten in der NFC South ganz andere Kaliber, die sich zudem in der Offseason bereits kräftig verstärkt haben. Wie ist die Situation bei den einzelnen Teams?

SPORT1 gibt einen Überblick.

New Orleans Saints

Das Team von Head Coach Sean Payton hätte in den vergangenen Jahren durchaus die Chance gehabt, in den Super Bowl einzuziehen. Mal vermasselte sich die Truppe ihre starke Regular Season in den Playoffs, mal verhinderte eine fehlerhafte Schiedsrichter-Entscheidung die Teilnahme am Endspiel.

In der Offseason haben die Saints den Vertrag mit Quarterback Drew Brees um zwei Jahre verlängert. Der 41-Jährige will seinem Super-Bowl-Sieg von 2009 noch einen weiteren folgen lassen.

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Mit der Verpflichtung von Emmanuel Sanders könnte das Team das fehlende Puzzlestück gefunden haben. Der ehemalige 49ers-Receiver kann sich vor allem auf das Fangen von kurzen und mittellangen Bällen konzentrieren. An dieser Stelle mangelte es bislang bei den Saints, das Passspiel war zu leicht auszurechnen.

In Kombination mit Receiver-Kollege Michael Thomas, Tight End Jared Cook und dem wieder genesenen Running Back Alvin Kamara starten die Saints den nächsten Angriff auf die Vince-Lombardi-Trophy. Die bisweilen löchrige Defense könnte Safety Malcolm Jenkins verbessern.

Atlanta Falcons

In der Liste der Favoriten für die neue Saison stehen die Falcons nicht ganz oben. Unterschätzen darf man das Team jedoch in keinem Fall.

Mit Calvin Ridley und Julio Jones hat die Franchise das wohl beste Receiver-Duo der Liga in ihrem Kader. Der routinierte Spielmacher Matt Ryan bekam dazu noch den früheren Erstrundenpick Laquon Treadwell, allerdings ging Tight End Austin Hooper nach Cleveland. Mit Running Back Todd Gurley kommt ein veritabler Superstar, der Devonta Freeman ersetzt.

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Unbestritten ist Gurley einer der besten Spieler der zurückliegenden Jahre, sein Knie bereitet jedoch immer wieder Probleme. Im Juni 2019 wurde sogar berichtet, dass er an einer Arthritis leidet. Mit einem Einjahresvertrag über nur sechs Millionen Dollar gehen die Falcons bei ihm aber kaum ein Risiko ein.

Bleibt Gurley gesund, können sich die Fans in Atlanta auf viele Touchdowns freuen. Einzig die relativ schwache O-Line, die 2019 ganze 50 Sacks zugelassen hat und bisher nicht verstärkt wurde, könnte zum Schwachpunkt werden. Einer der besseren Lineman, Wes Schweitzer, wechselte zu den Washington Redskins. In der Abwehr kam mit Dante Fowler ein Super-Bowl-erfahrener Quarterback-Jäger.

Carolina Panthers

Die Panthers sind wohl die größte Wundertüte der NFC South. Quarterback Cam Newton wurde entlassen. Nun steht der von den Saints gekommene Teddy Bridgewater als Nummer 1 im Kader. Bridgewater vertrat in der vergangenen Saison mehrfach den verletzten Drew Brees, zeigte dabei solide Leistungen und führte die Saints in die Playoffs.

Auf der Running-Back-Position macht den Panthers sowieso niemand was vor. Mit Christian McCaffrey steht der wohl Beste der Liga im Kader und dürfte den 15 Touchdowns aus 2019 viele weitere folgen lassen.

Mit Matt Rhule hat die Franchise zudem einen neuen Head Coach an der Seitenlinie. Dieser trainierte zuletzt am College und ist in der NFL noch relativ unbekannt. Die Zeichen stehen auf Neuaufbau, aber dank einer stabilen Defense - selbst ohne Topstar Luke Kuechly - könnte das junge Team für die eine oder andere Überraschung sorgen.

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Fazit

Auch wenn die Euphorie bei den Buccaneers groß ist, allzu einfach dürfte es nicht werden.

Mit den Saints scheint Platz eins in der Division fast schon vergeben, zudem könnte auch der Spielplan große Schwierigkeiten machen. Nicht nur, dass das Team in der Division jeweils zweimal gegen Saints und Falcons ran muss, es warten auch hochkarätige Duelle gegen Super-Bowl-Sieger Kansas City Chiefs, die L.A. Chargers, L.A. Rams, in Chicago, Minnesota und die Green Bay Packers. Selbst die Panthers sind mit McCaffrey durchaus gefährlich. Zudem tut sich Brady in Denvers Höhenluft traditionell schwer.

Allzu viele Ausrutscher dürfen sich die Bucs nicht leisten, auch wenn durch die Liga-Reform in Zukunft 14 statt bisher zwölf Teams an den Playoffs teilnehmen können.

Für Tom Brady ist das noch weit weg. Der 42-Jährige muss sich zunächst darauf konzentrieren, das Playbook seines neuen Teams zu studieren und die Körpersprache seiner Teamkollegen zu lesen - in Zeiten von Corona könnte ihm die fehlende Offseason besonders abgehen. "Meine Aufgabe ist es einfach, demjenigen den Ball zu geben, der damit etwas anfangen kann."

Dass der nächste Super Bowl ausgerechnet im Raymond James Stadium in Tampa Bay ausgetragen wird, dürfte dabei nur noch mehr motivieren. Selbst die Playoff-Teilnahme wird bei dem brutalen Spielplan sehr schwer.

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