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Joe Murphy
Joe Murphy © Getty Images
Lesedauer: 4 Minuten
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München - Einst war er ein Star, gewann 1990 sogar den Stanley-Cup. Heute lebt der ehemalige NHL-Profi Joe Murphy auf der Straße, wie eine neue TV-Doku zeigt.

Joe Murphy hatte einst alles, was es zu einem glücklichen und erfüllten Leben braucht. Als Nummer-1-Pick der Detroit Red Wings kam der Kanadier 1986 in die NHL.

Dort verdiente er Millionen, erzielte 233 Tore in 779 Saisonspielen und krönte das Ganze mit dem Gewinn des Stanley Cups 1990 mit den Edmonton Oilers. "Ich bin der glücklichste Mensch der Welt", sagte Murphy damals.

Doch die fetten Jahre im Leben des inzwischen 50-Jährigen sind lange vorbei, wie die neue Dokumentation "Finding Murph" des kanadischen TV-Senders TSN zeigt. Darin offenbarte der Ex-Profi gegenüber Chefkorrespondent Rick Westhead und dem ehemaligen NHL-Torwart Trevor Kidd, dass er bereits seit Jahren auf den Straßen von Kenora lebe.

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Absturz nach der Jahrtausendwende

"Es war nicht einfach. Ich lebe seit Jahren in Obdachlosenheimen in Ontario, in verschiedenen Gegenden", erklärte er, während er durch die Straßen der kleinen Stadt schlendert. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Murphy schaffte es nie wirklich, die in ihn zum Anfang der Karriere gesetzten Erwartungen voll und ganz zu erfüllen. In der Saison nach dem Stanley-Cup-Sieg kassierte er einen bösen Bodycheck, der ihn nach Aussagen seiner Schwester Cathy Pugliese veränderte.

Der endgültige Absturz begann dann um die Jahrtausendwende, als immer wiederkehrende Gehirnerschütterungen und Drogenmissbrauch sein Leben außer Kontrolle geraten ließen. Schließlich war 2001, nach einem Jahr bei den Washington Capitals, endgültig Schluss mit dem Eishockey.

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Nach dem Karrierende zog es ihn nach Kolumbien und Peru, ehe er in sein Heimatland zurückkehrte. Mehr als 20 Millionen US-Dollar hat er seitdem laut eigenen Aussagen verloren.

"Das verlorene Geld macht keinen schlechten Menschen. Dein Leben geht weiter", reflektierte er seine Situation im Rahmen der Dokumentation. Und dennoch hofft Murphy noch immer auf einen Geldsegen.

Schmerzensgeld-Klage gegen NHL scheitert

Bereits 2014 verklagte er gemeinsam mit weiteren (ehemaligen) Spielern die Liga. Ihre Forderung: Schmerzensgeld, weil die NHL über Jahre hinweg die Wahrheit über Langzeitfolgen von Gehirnerschütterungen aktiv unterdrückt und verschleiert haben soll.

Die Argumentation: "Mr. Murphy erlitt während seiner NHL-Karriere mehrere Kopfverletzungen, die von der NHL falsch diagnostiziert und behandelt wurden." Dazu sei er, wie auch die anderen Spieler, nie über die gesundheitlichen Auswirkungen von Kopfverletzungen gewarnt worden.

Die Diskussion über Gehirnerschütterungen und Gehirnverletzungen im Sport erreichte in den vergangenen Jahren den Höhepunkt, nachdem hunderte Klagen von ehemaligen NFL-Spielern und deren Familien eingereicht wurden, mit der Begründung, die Liga habe den Zusammenhang zwischen Football und Hirntraumata nicht richtig offengelegt.

Doch Murphy kam mit seiner Klage nicht durch, sie wurde 2016 abgewiesen. Einmal habe er sich sogar direkt an die NHL gewandt, erzählte er. Diese habe ihn jedoch hängen lassen, da er kein aktiver Spieler mehr sei.

Ehemalige Weggefährten zeigen sich bestürzt

"Es ist verheerend", fasste seine Schwester Cathy Pugliese die Situation zusammen: "Er ist mein Bruder. Was soll ich tun? Es bringt mich dazu, zu weinen. Er ist ein guter Mensch. Er hat das nicht verdient."

Auch viele ehemalige Weggefährten zeigten sich erschüttert vom Schicksal Murphys. So twitterte beispielsweise Martin Biron: "Das ist in vielerlei Hinsicht schlimm. Hoffentlich führen diese Geschichten dazu, ein Bewusstsein zu schaffen, nicht nur ehemaligen NHL-Spielern, die mit Drogen, Alkohol und mentalen Problemen zu tun haben, zu helfen, sondern allen, die Hilfe wollen und suchen.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Forderung in Zukunft Gehör finden wird.

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