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München - Brad Marchand steht mit den Boston Bruins gegen St. Louis im Finale um den Stanley Cup. Dabei fällt der Top-Scorer vor allem als größter Rüpel der NHL auf.

Er lässt gerne einmal die Fäuste fliegen, fährt unfaire und überharte Checks, trollt bei Twitter, gibt merkwürdige Interviews und leckt sogar seine Gegenspieler ab.

Brad Marchand von den Boston Bruins zählt definitiv zu den härtesten und zugleich durchgeknalltesten Typen, die die NHL zu bieten hat. Gleichzeitig ist er aber auch der Star bei den Boston Bruins und hauptverantwortlich dafür, dass sein Team in den Stanley-Cup-Finals gegen die St. Louis Blues um die erste Meisterschaft seit 2011 kämpft. (NHL, Stanley-Cup-Finals: St. Louis Blues - Boston Bruins, So. ab 2 Uhr LIVE im TV auf SPORT1)

Mit 19 Punkten, davon acht Tore und elf Assists, ist er der Top-Scorer seiner Mannschaft in den Playoffs - in der Regular Season erreichte er 100 Punkte (36 Tore, 64 Assists) - und spielt damit die beste Saison seiner NHL-Karriere.

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Marchand leckt Gegenspieler über das Gesicht

Doch wirklich Aufsehen erregt hat der ehemalige kanadische Nationalspieler in der Vergangenheit eher durch seine teils harten aber auch kuriosen Aktionen und weniger durch seine sportlichen Leistungen. Erst in der letzten Spielzeit hatte ihm die Liga beispielsweise verboten, seinen Gegenspielern durchs Gesicht zu lecken.

Gleich zweimal hatte der 31-Jährige damals einen Gegner abgeleckt. Im letztjährigen Conference-Halbfinale machte er sich über Tampa Bays Ryan Callahan her, zuvor wurde Torontos Leo Komarov im Viertelfinale Opfer der ekligen Attacke. Wenige Monate zuvor hatte Marchand ihn bereits während eines Spiels auf die Wange geküsst und nach dem Spiel gesagt, er wisse nicht, ob der Este etwas von ihm wolle, aber er sei süß.

Nicht umsonst gilt er daher als klassischer "Pest" bzw. "Agiator", wie Spieler im Eishockey bezeichnet werden, die ständig Versuche starten, gegnerische Spieler durch verschiedene Aktionen zu irritieren und aus dem Konzept zu bringen, um ihre Effektivität zu reduzieren oder sie dazu zu verleiten, strafbare Aktionen zu begehen.

Prügeleien und Provokationen sorgen für Ärger 

Allerdings bleibt es bei Marchand hierbei nicht nur bei körperlichen Annäherungen, der "Bad Boy" lässt auch gerne einmal die Fäuste, Knie oder Ellbogen sprechen. Vor der Finalserie gegen die Blues hat ESPN eine Liste mit seinen 25 größten Aufregern veröffentlicht. 

Beispiele gefällig? Bei der 0:7-Niederlage zum Saisonauftakt gegen die Washington Capitals verprügelte er Torschütze Lars Eller, weil dieser aus seiner Sicht zu provozierend gejubelt hatte. Während Eller eine blutende Wunde davon trug, wurde Marchand vom Eis geschickt. "Sein Jubel war unnötig. Ich wollte, dass er das weiß", rechtfertigte er nach dem Spiel seine übertriebene Aktion.

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Während eines Spiels gegen die Vancouver Canucks, gegen die er 2011 in seiner Rookie-Saison die Meisterschaft geholt hatte, lief er an der Bank der Kanadier vorbei und reckte dabei einen imaginären Stanley Cup in die Höhe. "Das zeigt, was er für ein Typ ist. Es ist zu schade, dass er sich so verhält, aber so ist es nun mal", kommentierte Canucks-Star Henrik Sedlin die Provokation seinerzeit.

Kurioses Interview wird zum Twitter-Hit

Von den Fans aufgrund seiner markanten Gesichtsform als Honigdachs, Eichhörnchen oder Ratte bezeichnet, sorgt der Weltmeister von 2016 aber nicht nur auf dem Eis für Kopfschütteln. Bereits jetzt legendär ist sein Interview nach dem entscheidenden Sieg im sechsten Spiel des Conference-Halbfinals gegen die Columbus Blue Jackets.

Drei Fragen stellte ihm Reporter Kyle Bukauskas, Marchand schaffte es, diese mit lediglich zehn Worten zu beantworten. Auch als er sich wenig später in der Umkleidekabine mit weiteren Medienvertreter traf, zeigte er sich nicht gesprächiger. Laut Sportsnet reichten ihm 39 Worte für 19 Fragen.

Auch auf Twitter trieb er bereits sein Unwesen und machte sich dort über das Aussehen seiner Kritiker lustig. "Das Einzige, was wehrlos ist, ist dein Mund mit dem riesigen Loch zwischen deinen Zähnen. Du könntest einen Hot Dog mit geschlossenem Mund essen", antwortete er beispielsweise auf die Frage eines Users, ob er auch einen wehrlosen Mann erschießen würde. 

Hass als Antrieb für den eigenen sportlichen Erfolg

Von ESPN wurde er passenderweise jüngst als "moderne Kombination aus Talent und Ärger" bezeichnet, Vergleiche zu Pat Verbeek, dem Urvater der NHL-Rüpel, wurden laut. Marchand selbst sieht das Ganze hingegen eher gelassen und macht seine aggressive Art für seinen Erfolg verantwortlich.

"Ich habe Dinge getan, die eine Grenze überschritten haben und ich habe den Preis dafür bezahlt. Es gibt viele Leute in der Eishockeywelt, die gerne sagen: 'Gewinnen ist alles.' Aber ist das wirklich so? Wie weit sind sie bereit zu gehen? Ich hatte immer das Gefühl, dass man bereit sein muss, alles zu tun, um zu gewinnen. Auch wenn das bedeutet, gehasst zu werden. Wenn ich das Spiel anders spielen würde, würdest du meinen Namen absolut nicht kennen. Es wäre dir nicht wichtig genug, mich zu hassen, weil ich nicht in der NHL wäre", beschreibt er sich selbst.

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In der Finalserie gegen die St. Louis Blues wird der Linksschütze daher auch kaum von seinem gewohnten Spiel abweichen. Sollte es dann am Ende zum Titelgewinn reichen, kann er wieder den echten Stanley Cup in die Höhe recken, die Fans dürften sich zudem vermutlich auf ein ausführliches Interview mit ihm freuen.

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