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München - Huub Stevens bemüht sich vor dem Duell gegen Borussia Dortmund (ab 20 Uhr LIVETICKER u. SPORT1.fm) um Gelassenheit. Dabei plagen das Schlusslicht zig Baustellen.

Die Ausbeute liest sich wie die eines Absteigers: Nur 18 Punkte aus 21 Partien, minus 16 Tore - macht unter dem Strich Tabellenplatz 18.

Der VfB Stuttgart spielt die schlechteste Saison seiner 121-jährigen Vereinsgeschichte. Und im Kampf gegen den zweiten Abstieg nach 1975 wirken Klubführung und Akteure zunehmend verzweifelt.

Selbst der erst im November zurückgeholte Trainer Huub Stevens gestand zuletzt erstaunlich offen die eigene Ratlosigkeit ein. Denn nach der bitteren 1:2-Niederlage bei 1899 Hoffenheim stehen die Schwaben bereits zum siebten Mal in dieser Spielzeit am Tabellenende (Datencenter: Tabelle).

Der Coach begegnet dem Abstiegskampf bisweilen mit Zynismus. So auch als er gefragt wurde, wer denn gegen Borussia Dortmund (ab 20 Uhr im Sportradio auf SPORT1.fm und im LIVETICKER) eigentlich den gesperrten Christian Gentner als Kapitän ersetzen soll. 

"Ich nicht! In Portugal hast du als Trainer auch eine Binde, aber hier glücklicherweise nicht. Ich weiß nicht, wer zweiter Kapitän ist, das ist nicht so wichtig. Jeder muss Kapitän sein", erklärte Stevens mit einem Schmunzeln.

"Ich bin kein Schauspieler"

Und setzte mit einem merkwürdigen Vergleich noch einen drauf: "Ich bin kein Schauspieler, ich bin kein Til Schweiger", sagte er über seine ehrliche Art.

Im Fanblock schmunzelt derweil niemand mehr. Am Neckar geht die Angst um. Dabei sollte doch eigentlich alles anders werden. Stevens hatte den VfB in der vergangenen Saison zwar zum Klassenerhalt geführt, die angestrebte Konsolidierung wurde dem 61-Jährigen allerdings nicht mehr zugetraut.

Im Sommer wurde ein Schnitt gemacht und der einstige Meistercoach Armin Veh verpflichtet, um eine Mannschaft zu entwickeln, die den großen Ambitionen mittelfristig endlich wieder gerecht wird.

Zurück in die Zukunft schien das Motto der Verantwortlichen zu sein. Doch das Projekt scheiterte schnell.

Stevens-Effekt schon verpufft?

Der glücklose Veh warf nach nur vier Monaten das Handtuch. Stevens kehrte zurück, um Stuttgart erneut vor dem Schlimmsten zu bewahren - doch bisher konnte er den Schalter nicht umlegen.

"Man hat Huub Stevens zurückgeholt und einfach gehofft, dass es erneut funktioniert. Einen Trainer in so einer Situation nach so kurzer Zeit zurückzuholen, war aber nicht der richtige Schritt", erklärte der ehemalige Nationalspieler Maurizio Gaudino, 1992 Meister mit dem VfB, dazu im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

"Wenn man unten steht, braucht die Mannschaft einen echten Weckruf."

Die Statistik spricht in der Tat nicht gerade für Stevens: Von den neun Spielen seit seiner Rückkehr wurden nur zwei gewonnen, hinzu gesellten sich drei Remis und vier Niederlagen. (Datencenter: Ergebnisse und Spielplan)

In der Rückrunde ist man nach vier Spieltagen immer noch ohne Sieg. Trotz des Trainerwechsels steckt das Team daher weiter im Tabellenkeller fest.

Keine Tore, keine Punkte

Während Stuttgart kämpferisch meist mithalten kann und in allen vier Spielen des Jahres 2015 mehr gelaufen ist als die gegnerische Mannschaft, sind die spielerischen Defizite nicht zu übersehen.

Vor allem zuhause, wenn die Schwaben das Spiel machen müssten, sind Dauerdruck, Torchancen und dementsprechend auch Treffer absolute Mangelware.

In acht von bislang zehn Heimspielen stand vorne die Null, zuletzt blieb man sogar sechs Mal nacheinander ohne Torerfolg.

Schwächen bei Standards

Mit Blick auf die mangelnde Durchschlagskraft stellt sich für Thomas Berthold darum auch die Taktik- und Personalfrage: "Ich wundere mich, warum ein Timo Werner zentrale Spitze spielt oder ein Alexandru Maxim gar nicht mehr auftaucht. Er ist meiner Meinung nach als einziger Stuttgarter in der Lage, aus einem ruhenden Ball Torgefahr heraufzubeschwören", schrieb der Weltmeister von 1990 in seiner SPORT1-Kolumne.

Alexandru Maxim stand in dieser Saison nur sechs Mal in der Startelf
Alexandru Maxim stand in dieser Saison nur sechs Mal in der Startelf © Getty Images

Wer vorne kaum Tore schießt, darf hinten natürlich noch weniger kassieren. Doch auch defensiv drückt Stuttgart gewaltig der Schuh.

Aus dem Spiel heraus hält die Abwehr zwar noch einigermaßen dicht, dafür brennt es bei Standards umso häufiger lichterloh. 15 der 37 Gegentore sind aus ruhenden Bällen entstanden, das sind die meisten aller 18 Bundesligisten.

Die Dortmunder Offensive scheint dagegen wieder in Fahrt zu kommen, umso mehr muss Stevens gegen den BVB auch diese Baustelle im Blick haben.

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