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München - Mitchell Weisers Tanga-Selfie zeigt, was Fußballstars mit einem undurchdachten Klick in den sozialen Medien auslösen können. Viele setzen deshalb auf Profis, der FC Bayern dürfte Konsequenzen ziehen.

Von Martin Hoffmann und Anuscha Loza

Bastian Schweinsteiger wollte noch eine Sache loswerden am Montagabend.

"Gutes und fokussiertes Training heute", hielt er bei Twitter fest. Und für die, die das so nicht verstanden, noch einmal auf Englisch: "Good and focused training today. #MiaSanMia"

Spektakuläreres gibt es selten zu erfahren für die 1,85 Millionen, die Schweinsteiger auf dem Kurznachrichtendienst folgen. "Matchday"-Tweets, bevor ein Spiel ansteht, zufriedene Rückblicke auf gewonnene Partien, gelegentliche Hinweise auf neue Produkte der Sponsoren: Schweinsteiger ist nicht der Typ, der die sozialen Medien für allzu Überraschendes nutzt.

Sollte der DFB-Kapitän folglich ein Training des FC Bayern München mal schlecht und unfokussiert finden, auf Twitter würde man es also eher nicht erfahren.

Ebenso wenig dürfte Schweinsteiger versucht sein, mal ein Selbstporträt im String-Tanga zu veröffentlichen - so wie es Mitchell Weiser am Montagabend auf Instagram getan hat.

"Mitgefangen, mitgehangen, Bro"

#photoiwouldneverpost heißt der Trend, dem sich der 20 Jahre alte Defensivspieler damit angeschlossen hat.

Die, die mitmachen, sind darin aufgefordert, Bilder zu veröffentlichen, die sie sonst keineswegs veröffentlichen würden - und dann drei andere zu nominieren, dasselbe zu tun. Das Prinzip ist also dasselbe wie bei der Ice Bucket Challenge, nur ohne Eis-Eimer und ohne sozialen Zweck.

David Alaba
David Alaba postete am Montag einen Schnappschuss, bei dem ihm ein Teamkollege eine Bierflasche unterjubelte © instagram@da_27

David Alaba griff die Idee als erstes auf, präsentierte einen Schnappschuss auf einem Flugzeugsitz, mit einer Bierflasche am Mund - ein Teamkollege hatte sie offensichtlich dort platziert.

Der Österreicher forderte dann Weiser auf nachzuziehen. Der reagierte, indem er ein von Alaba geschossenes Doppel-Selfie im Tanga verbreitete, mutmaßlich bei der gemeinsamen Massage geknipst. Die Zeile darunter: "Mitgefangen, mitgehangen, Bro".

Weiser bekundet Reue

Am Morgen danach war besagtes Bild schon wieder gelöscht, Weiser bekundete am Nachmittag seine Reue.

Er dürfte realisiert haben, dass sein Klub nicht unbedingt will, dass sich ein Spieler in der Öffentlichkeit so darstellt.

Auf SPORT1-Nachfrage gab es vom Rekordmeister keine Stellungnahme zum Thema. Man darf aber davon ausgehen, dass es intern sehr wohl eins ist.

Gegenwärtig greift der FC Bayern nicht auf die Accounts seiner Spieler zu, auf eine Art Knigge für den Umgang mit den sozialen Medien müssen sie sich nun aber womöglich gefasst machen.

Internes Regelwerk im Nationalteam

Liga-Konkurrent Schalke 04 hat selbigen bereits zu Jahresbeginn für seine Spieler angekündigt, der Hamburger SV lässt ebenfalls nicht nach Lust und Laune posten - Kabinenbilder etwa sind unerwünscht.

In der Nationalmannschaft gibt es ebenfalls einen internen Regelkatalog, Kabinenbilder sind erlaubt, gerne auch mit Bundeskanzlerin.

Lukas Podolski mit Bundeskanzlerin Angela Merkel
Lukas Podolski schoss bei der WM 2014 ein Kabinenbild mit Bundeskanzlerin Angela Merkel © twitter.com/@Podolski10

DFB-Manager Oliver Bierhoff - selbst ein erklärter Social-Media-Skeptiker - reagierte damit vor der EM 2012 auf die Erkenntnis, dass er die Nutzung von Twitter, Facebook und Co. nur steuern, aber nicht aufhalten konnte.

Zu populär sind die entsprechenden Dienste geworden, zu groß die Möglichkeiten, die von den Vermarktern des Sports darin erkannt wurden.

PR-Fläche für Spieler und Sponsoren

"Der direkte und freiwillige Draht zum Fan in einem hochemotionalen Umfeld ist das, was Social Media stark macht", sagt Toan Nguyen von der Werbeagentur Jung von Matt/sports bei SPORT1.

Klubs und Sponsoren schätzen die millionenfach verbundenen Accounts ihrer Stars als gigantische und lukrative PR-Fläche.

Den Spielern selbst bietet sich neben vielem anderen die Möglichkeit, ihr Bild in der Öffentlichkeit zu ihren Gunsten zu lenken - teils im Zusammenspiel mit den klassischen Medien, teils an ihnen vorbei.

Agenturen balancieren zwischen privat und professionell

Weil das einfacher gesagt als getan ist, lassen viele ihre Accounts von professionellen Agenturen betreuen.

Ihr Job ist das Ausbalancieren zwischen privaten Einblicken und professionellem Kommunikationsverhalten - sowie das Herausfiltern von Ideen, die die Spieler in die allseits berüchtigten "Shitstorms" und andere Unwetter führen könnten.

Toan Nguyen ist Consulting Director bei Jung von Matt/sports
Toan Nguyen ist Consulting Director bei Jung von Matt/sports © Jung von Matt/sports

"Der Moment, in dem man ins öffentliche Leben tritt, birgt immer Gefahren. Bei Social Media kann man die Gefahren besser kontrollieren", sagt Nguyen.

"Ich bin jung. Ich mache Fehler"

Weisers Tanga-Selfie war eindeutig nicht von einem Social-Media-Berater kontrolliert. Es war offensichtlich einfach das, was in diesem digitalen Leben auch anderen 20-Jährigen passiert.

Man postet Blödelbilder. Und denkt nicht immer den Gedanken zu Ende, dass das heute nicht mehr nur ein paar Kumpels sehen können - sondern ein paar Millionen.

"Ich bin jung. Ich mache Fehler. Ich werde daraus lernen. Nun konzentriert euch auf die wichtigen Dinge", teilte Weiser jetzt mit - auf Twitter natürlich.

Ganz unwichtig sind die sozialen Medien heutzutage eben nicht mehr.

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