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Borussias Macher: Trainer Lucien Favre und Manager Max Eberl © Imago

Mönchengladbach und München - Borussia Mönchengladbach hatte im Buhlen um Hannovers Mittelfeldspieler Lars Stindl die Nase vorne. Es ist nicht der erste Transfercoup der Fohlen.

Das Ja-Wort war keine große Überraschung mehr.

Schalke? Zog den Kürzeren. Leverkusen? War offenbar doch nicht die passende Alternative. Dafür passte der Transfer von Lars Stindl wenige Tage nach dem 2:0-Coup bei den Bayern natürlich perfekt ins aktuelle Bild bei Borussia Mönchengladbach.

Er passt vor allem perfekt in die Reihe der typischen Transfers von Manager Max Eberl, der bereits bei Max Kruse (2,5 Millionen Ablöse), Andre Hahn (2,25 Millionen) und Ibrahima Traore (ablösefrei) die Nase vorne hatte.

Allesamt Verstärkungen unter dem eigentlichen Marktwert, mit Perspektiven für die Zukunft. Ausstiegklauseln sind da das Stichwort, Stindl kostet die Borussia deshalb nur drei Millionen Euro.

Lars Stindl jubelt
Neu-Borusse: Lars Stindl (vorne, mit Leonardo Bittencourt) startete seine Profikarriere 2007 beim Karlsruher SC II © Getty Images

Neue Wege gehen

Klar ist: Unter Trainer Lucien Favre entwickeln sich die Spieler weiter, machen den erwähnten Schritt nach vorne. Ob nun Marco Reus, Dante, Marc-Andre ter Stegen oder Christoph Kramer - Beispiele gibt es genug. Was alle Genannten jedoch gemeinsam haben: Gehalten werden konnten sie nicht.

Doch inzwischen schafft es die Borussia, wie zuletzt im Fall von Granit Xhaka, auch die Leistungsträger zu binden und mit ihnen langfristig zu verlängern.

Daneben setzt sich der Klub auch im Werben um vielversprechende Zugänge gegen namhafte Mitbewerber durch. Inzwischen gehen Spieler eines Kalibers wie Stindl oder Kruse offenbar lieber nach Gladbach als nach Gelsenkirchen oder Leverkusen.

Bayer 04 Leverkusen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga
Andre Hahn (l., mit Branimir Hrgota) wechselte 2014 vom FC Augsburg zu Borussia Mönchengladbach © Getty Images

Woran das liegt?

Es ist das Resultat diverser Faktoren: In Gladbach wird langfristig und in kleinen Schritten gedacht, keine überbordenden und überfordernden Ziele mehr ausgerufen.

Bescheidene Ziele

Dabei wirkt der Jahr für Jahr offiziell angestrebte einstellige Tabellenplatz bescheiden, fast schon langweilig, erzeugt aber keinen Druck und wird dann auch nachhaltig erreicht und sogar übertroffen.

Acht Spieltage vor Schluss hat die Borussia als Dritter acht Punkte Vorsprung auf den Fünften. Champions League - mit diesem Argument verhandelt es sich naturgemäß wesentlich leichter.

"Wir befinden uns sicherlich in einer Situation, die zum Träumen anregt", sagte dann auch Präsidiumsmitglied Hans Meyer, der am Sonntag ab 11 Uhr (LIVE im TV auf SPORT1und SPORT1.fm) im Volkswagen Doppelpass zu Gast ist.

Für seine Verhältnisse eine euphorische Aussage. Aber nur allzu verständlich.

Schlafender Riese?

Beim Trainer machen sich keine Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Favre ist seit mehr als vier Jahren Trainer in Gladbach. In dieser von Erfolg und Erwartungen getriebenen Branche ist das durchaus eine Seltenheit. Gelebte Kontinuität ist da das Stichwort.

Die Entscheidungsfindung zwischen Eberl und Favre ist kurz und effektiv, das Umfeld betont unaufgeregt und die Planungen vorausschauend. Der Vorstand ist durch Rainer Bonhof und Hans Meyer fachlich hervorragend und angenehm uneitel besetzt, der Rest der Klubführung hält sich seit Jahren öffentlich zurück.

Für einige andere Traditionsklubs in der Bundesliga kann das, was in Gladbach passiert, durchaus als schallende Ohrfeige betrachtet werden. Ob Hamburg, Frankfurt, Stuttgart: Das Jammern über die finanziellen Ungerechtigkeiten in der Liga wird dort nur noch von der Häufigkeit der Trainerentlassungen überboten. So war es in Gladbach auch mal. Bis Eberl und Favre übernahmen.

Dass die Borussia wie der FC Bayern München bald auch im eigenen, abbezahlten Stadion spielt, ist nur wenigen bewusst. Das Vereinsgelände rund um den Borussia-Park wächst und wächst. Die Nachwuchsarbeit, einst von Eberl selbst aufgebaut, bekommt von der DFL regelmäßig die Höchstwertung von drei Sternen.

Gladbachs Max Kruse jubelt
Jubelpose: Max Kruse hat bei Borussia Mönchengladbach einen Vertrag bis 2017 © Getty Images

Aus der Not eine Tugend

Ohne Frage; Man hat aus der Not eine Tugend gemacht und versucht, die wirtschaftlichen Nachteile durch Ideen und Schnelligkeit aufzufangen. Abgänge wurden Jahr für Jahr durch die Transferpolitik oder die eigene Jugend aufgefangen, der Kader immer wieder auf wichtigen Schlüsselpositionen ergänzt und erweitert.

Wie nun durch Stindl. Der 26-Jährige ist lauf-, spielstark, technisch und taktisch versiert und torgefährlich und kann Kramer, der nach seiner Ausleihe im Sommer zu Bayer Leverkusen zurückkehrt, in der defensiven Schaltzentrale ersetzen.

Stindl kann aber auch im offensiven Mittelfeld eingesetzt werden und verschafft Favre so weitere Optionen.

Die werden bei der Borussia auch noch im Angriff und in der Abwehr gesucht. Dante soll den FC Bayern im Sommer ja angeblich definitiv verlassen.

Eine Rückkehr nach Gladbach wäre inzwischen keine große Überraschung mehr.

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