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Hamburg - Der HSV wechselt wieder den Trainer und setzt auf Rückkehrer Bruno Labbadia. Trotz aller Kritik eine richtige Entscheidung der ansonsten planlosen HSV-Bosse.

Von Clemens Gerlach

Für einen kurzen Augenblick lächelte Dietmar Beiersdorfer. Der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV hatte rein beruflich zuletzt keinen Grund zur Freude.

Sein Klub ist Tabellenletzter der Bundesliga. Gerade haben die Hamburger in Bruno Labbadia ihren vierten Chefcoach der laufenden Saison verpflichtet.

Beim HSV kommt einem alles bekannt vor

Eingedenk der Fülle an Trainer-Präsentationen musste Beiersdorfer schmunzeln. Es ist ja auch fast schon wie im Hollywoodfilm "Und täglich grüßt das Murmeltier": Beim HSV hängen sie in einer Zeitschleife fest. Kommt einem alles sehr bekannt vor.

Also saß Beiersdorfer wieder einmal auf dem Podium. Und wieder einmal sollte er den wartenden Medienvertretern erklären, warum jetzt alles besser werden wird.

Vom "Heft des Handelns" sprach Beiersdorfer und davon, dass Labbadia die "beste Lösung" sei. Glaubhaft wirkte er nicht. Wie auch? Jeder weiß, dass Labbadia keinesfalls die erste Wahl des HSV war.

Zinnbauer statt Labbadia

Den 49-Jährigen, zuletzt beim VfB Stuttgart Ende August 2013 gefeuert, hätten sie schon vor Monaten verpflichten können. Doch Mitte September, als Mirko Slomka gehen musste, entschieden sich Beiersdorfer und seine Kollegen aus der Chefetage für Joe Zinnbauer.

Sie glaubten, mit dem von den vereinseigenen Amateuren beförderten Bundesliganovizen irgendwie über die Runden zu kommen. Zur neuen Saison würde dann ein gestandener Mann anheuern.

Unter Knäbel ging nichts

Leider verzockten sich die HSV-Bosse beim Platzhalter-Roulette kräftig. Mit Zinnbauer blieben die Erfolge aus. Unter dem Zwei-Spiele-Aushilfscoach Peter Knäbel, nun wieder Sportdirektor, ging gar nichts mehr.

Schlimmer noch: Thomas Tuchel, auf dem alle Hoffnungen ruhten, wollte sich nicht zum Nordklub bekennen. Dabei hatten sie ihn monatelang bekniet. Nun also Labbadia.

Der amtierte schon vom Sommer 2009 bis Ende April 2010 als Trainer des HSV, war dann aber nicht mehr wohlgelitten. "Und tschüss!", hieß es damals. Da standen die Hamburger auf Rang sieben. Von so einer Platzierung träumen sie heute.

Irgendwie in die Relegation

Beiersdorfer wäre schon froh, wenn Labbadia das Team irgendwie in die Relegation hieven könnte. "Ich will nichts versprechen, sondern die Mannschaft aufrichten", sagte Labbadia bei seiner Vorstellung, "es gibt keine Zeit." (KOMMENTAR: Ein Himmelfahrtskommando)

Da hat der Trainer, zuletzt fast 20 Monate ohne Job, sogar Recht. Labbadia muss sehr schnell die Wende schaffen. "Er ist ein leidenschaftlicher Trainer und ein Kerl, der zupacken kann", lobte Beiersdorfer den Rückkehrer und gab ihm einen ligaunabhängigen Vertrag bis 30. Juni 2016. "Für mich war das Kapitel HSV nie so richtig beendet", sagte Labbadia.

Chancen auf Rettung gestiegen

Trotz einer bislang an peinlichen Fehlentscheidungen reichen und Erfolgserlebnissen armen Saison hat der HSV nun tatsächlich größere Chancen, den ersten Abstieg der Klubgeschichte zu vermeiden. Er hat immerhin wieder einen gelernten Fußballtrainer.

In den sechs verbleibenden Partien geht es dreimal gegen Teams, die selbst noch nicht gesichert sind (Mainz, Freiburg und Stuttgart).

Zudem haben Paderborn und Hannover in der Rückrunde eine noch schwächere Ausbeute als der HSV und das jeweils schwierigere Restprogramm. Es könnte also erneut reichen. Schon vergangene Saison war der größte Trumpf des HSV die Schwäche der Konkurrenz.

Labbadia vermisst eine Achse

"Wettkampfhärte" will Labbadia seinen Spielern vermitteln. Der Neutrainer kritisiert: "Es fehlt eine Achse." In Valon Behrami gibt es formal einen HSV-Profi, der zum Führungsspieler taugt.

Doch zuletzt sorgte der Schweizer nur für negative Schlagzeilen: Brutales Einsteigen auf dem Platz und Prügelei in der Kabine mit dem Teamkollegen Johan Djourou haben Zweifel an Behrami wachsen lassen.

Labbadia deutet schon einmal an, dass der WM-Teilnehmer bei ihm keinen Freifahrtschein hat. "Behrami kann ein wichtiger Spieler sein", so Labbadia, "wenn er funktioniert, kann er uns weiterhelfen." Sollte es der Slomka/Zinnbauer/Knäbel-Nachfolger schaffen, Behrami auf Kurs zu bringen, wäre dies in der Tat ein großer Schritt.

Pausen für Behrami kommen nicht gut an

Einfach wird es nicht. Im Team ist der "Aggressive Leader“ (Zinnbauer) umstritten. Wegen eines schon vor seiner Verpflichtung bekannten Knieschadens kann Behrami nur eingeschränkt mit den Kollegen trainieren. Das kommt bei denen nicht gut an, die keine Auszeiten erhalten.

Labbadia sieht es pragmatisch: "Die Mannschaft soll sich mit sich selbst befassen, wir können uns nur gegenseitig rausholen." Die Rettungsmission des Bruno L. startet am Sonntag mit dem Nordderby in Bremen (NEWS: Eichin ist HSV-Theater egal).

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