vergrößernverkleinern
Borussia Mönchengladbach greift mit den Neuzugängen Lars Stindl (l.) und Josip Drmic (m.) in der Champions League an © Grafik SPORT1 Philipp Heinemann(Getty Images

Mönchengladbach - Nach dem Verlust zweier Leistungsträger muss Lucien Favre Gladbach erneut umbauen. Die Königsklasse ist Abenteuer und Herausforderung zugleich.

Am 14. August startet die Bundesliga in ihre 53. Saison.

SPORT1 nimmt in der Serie "Bundesliga - der Countdown" alle 18 Teams genau unter die Lupe und gibt eine Prognose ab.

Heute widmen wir uns Borussia Mönchengladbach, wo man einen Spagat zwischen Abenteuer und Alltag schaffen muss.

Dass die neue Saison kein Selbstläufer wird, zeigte sich in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals. Da setzte sich die Borussia bei Zweitligist St. Pauli erst nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit mit 4:1 durch.

Das ist neu

Wie so oft hat die Borussia Leistungsträger verloren, die beiden Nationalspieler Christoph Kramer (Leverkusen) und Max Kruse (Wolfsburg) haben den Klub im Sommer verlassen. Lars Stindl (aus Hannover) und Josip Drmic von Bayer Leverkusen sollen die entstandenen Lücken schließen.

"Wir werden in diesem Jahr wieder eine neue Mannschaft bauen müssen, der Trainer muss neue Automatismen schaffen. Das braucht Zeit - und die geben wir uns in Gladbach", sagte Sportdirektor Max Eberl.

In der Defensive ging Gladbach mal wieder den jungen Weg, verpflichtete für einen Umbruch den 18 Jahre alten Schweizer Nico Elvedi vom FC Zürich. Daneben haben die Gladbacher den Dänen Andreas Christensen (19) vom FC Chelsea ausgeliehen. Eberl hatte die größten Baustellen bereits frühzeitig abgearbeitet, schließt weitere Zugänge aber nicht kategorisch aus.

"Wir haben einen Kader mit 21 Feldspielern plus 3 Torhütern, der bei drei Wettbewerben von der Quantität eng gestrickt und der Qualität sehr jung ist", sagte Eberl.

Spieler im Fokus

Da außer Kramer und Kruse der Kader gehalten werden konnte, stehen Stindl und Drmic im Mittelpunkt des Interesses. Zehn-Millionen-Einkauf Drmic muss sich noch an das System und die Spielweise unter Favre gewöhnen, brennt aber darauf, nach seinem frustrierenden Jahr in Leverkusen wieder durchzustarten. Gegen St. Pauli durfte Drmic zwar von Beginn an ran, doch man merkte dem Schweizer die Anpassungsprobleme über weite Strecken noch an.

Lucien Favre, Lars Stindl
Ist flexibel einsetzbar: Lars Stindl (r.) © Getty Images

Stindl bietet Favre mehrere Optionen, der Ex-Hannoveraner kann in der defensiven Schaltzentrale auf der Sechs sowie auf der Zehn hinter den Spitzen spielen und so theoretisch sogar beide Abgänge ersetzen. In Hamburg agierte er auf der Sechs und fügte sich mit zwei Toren und einer Vorlage gleich blendend ein.

Favre kann weiterhin auf sein eingespieltes und bewährtes System setzen, hat aber nun noch mehr Flexibilität innerhalb seiner favorisierten taktischen Ausrichtung. Der Auftakt im Pokal bewies aber auch, dass noch längst nicht alle Automatismen und Abläufe funktionieren.

In der Abwehr bekamen Christensen und Eigengewächs Marvin Schulz (20) eine Bewährungschance in der Innenverteidigung. Die nächsten könnten schnell folgen, da die Belastung mit der Champions League groß ist und Favre wieder auf Rotation setzen wird. "Die jungen Spieler werden ihre Zeit brauchen und sie werden Fehler machen. Aber wir haben 100%iges Vertrauen zu ihnen", stellte Eberl klar.

Saisonziel

An dem Saisonziel hat sich nichts geändert, auch nach der erstmaligen Qualifikation für die Champions League nicht. Eine Steigerung ist nach der Sensationssaison auch quasi unmöglich, deshalb wird wie immer ein einstelliger Tabellenplatz ausgerufen. Alleine schon, um etwaigen überbordenden Erwartungen entgegen zu wirken.

Man will nah an den europäischen Plätzen bleiben, wenn es dann am Ende Platz neun wird, geht die Welt in Gladbach auch nicht unter. Denn bei allem Abenteuer in der Königsklasse soll der Alltag Bundesliga nicht leiden. "Wir wissen, dass wir eine unglaublich schwere und neue Situation vorfinden werden. Wir können uns gar nicht vorstellen, was das für einen Druck bedeutet. Mit den Belastungen müssen wir erst einmal klarkommen", so Eberl.

Das muss sich ändern

Nach dem vergangenen Jahr ist das unter dem Strich nicht viel, denn als Dritter und als inoffizieller Rückrundenmeister haben die Gladbacher nicht wirklich viel falsch gemacht. Die Erwartungen schießen nach Platz drei zudem nicht ins Unrealistische.

Die Euphorie ist groß, muss aber nicht eingedämmt werden. Wenn man denn ein Haar in der Suppe finden möchte, wäre das wohl die die Chancenverwertung und damit die Torausbeute.

SPORT1-Prognose

Gladbach wird wieder um die internationalen Plätze spielen. Dabei wird es vor allem darauf ankommen, wie die Borussia mit der Belastung der anspruchsvollen Königsklassen-Saison umgehen wird. Bleibt der Klub weiter von Verletzungen verschont und lässt sich von möglichem Lehrgeld in der Champions League nicht beirren, ist angesichts der Konkurrenz, die geballt um die Königsklasse kämpft, die Qualifikation für die Europa League realistisch.

Die bisherigen Teile der SPORT1-Serie:

(Borussia Dortmund: Tuchels Matchplan: Zurück Richtung Spitze)

(FC Schalke 04: Mit frischem Wind zu neuem Glanz)

(FC Augsburg: Realismus ist Trumpf)

(Bayer Leverkusen: Die Suche nach dem geordneten Chaos)

(1899 Hoffenheim: Kuranyi soll 1899 inspirieren)

(Eintracht Frankfurt: Träume von Europa)

(SV Werder Bremen: Gesunden - und sorgenfrei bleiben)

(1. FSV Mainz 05: Sehnsucht nach neuer Begeisterung)

(1. FC Köln: Voran mit Kölscher Nüchternheit)

(Hannover 96: Bloß kein Abstiegskampf mehr)

(VfB Stuttgart: VfB droht nächste Zittersaison)

(Hertha BSC: Dardai und die Suche nach dem Glück)

(Hamburger SV: Fortschritt im Schneckentempo)

(FC Ingolstadt: Erkundungstour im Eiltempo)

(SV Darmstadt 98: Außenseiter unter den Außenseitern)

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel