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Saisonvorschau FC Augsburg mit Markus Weinzierl und Raul Bobadilla
Der FC Augsburg geht erstmals mit Dreifachbelastung in eine neue Saison © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images

München - Beim FC Augsburg ist die Vorfreude auf die Europa League riesig. Doch bei aller Euphorie ist man sich bewusst, dass man vor einer schweren Saison steht.

Von Robin Schmidt

Am 14. August startet die Bundesliga in ihre 53. Saison.

SPORT1 nimmt in der Serie "Bundesliga - der Countdown" alle 18 Teams genau unter die Lupe und gibt eine Prognose ab.

Heute geht es mit dem FC Augsburg weiter.

  • Das ist neu:

Der FC Augsburg zählt schon länger nicht mehr zu den Underdogs. Das Team von Trainer Markus Weinzierl geht das fünfte Bundesliga-Jahr in Folge an und hat sich spätestens mit der Qualifikation für die Europa League etabliert. Neuland ist dagegen die europäische Bühne mit Gegnern wie Neapel, Tottenham oder Liverpool. Manager Stefan Reuter kann es kaum mehr erwarten: "Wir freuen uns riesig auf diese Duelle."

In der ersten Runde des DFB-Pokals wäre allerdings fast schon ein Regionalligist zu viel für den FCA gewesen, in Elversberg gelang ein mühsames 3:1 nach Verlängerung. So aber darf und muss der FCA erstmals mit der Dreifachbelastung zurechtkommen.

Neu ist zudem, dass die Augsburger auf der finanziellen Ebene noch nie so gut aufgestellt waren wie bisher. Die TV-Einnahmen erhöhen sich auf 33,5 Millionen Euro, dazu kommen 2,4 Millionen Euro garantierte Prämie in der UEFA Europa League plus höhere Erlöse aus dem Marketing.

  • Spieler im Fokus:

Auf Raul Bobadilla werden viele Augen gerichtet sein. In der vergangenen Spielzeit stellte der bullige Angreifer mit zehn Toren sowie vier Vorlagen einen neuen persönlichen Bestwert auf. Spielt er eine ähnlich starke Saison, dürfte Bobadilla ins Blickfeld einiger Top-Klubs rücken, zumal sein Vertrag 2016 ausläuft. Im Pokal glänzte der Argentinier schon wieder mit dem ebenso wichtigen wie sehenswerten Treffer zum 1:1.

Noch in diesem Sommer wird wahrscheinlich Linksverteidiger Abdul Rahman Baba den Verein in Richtung FC Chelsea verlassen und dem FCA einen hohen zweistelligen Millionen-Betrag einbringen. Als Ersatz wurde bereits für rund 3,5 Millionen Euro Philipp Max vom Zweitligisten Karlsruher SC verpflichtet.

Der bislang namhafteste Neuzugang wird sich dagegen erst mal nicht in den Fokus spielen können. Piotr Trochowski hinterließ in den ersten Testspielen einen guten Eindruck, ehe er sich einen Riss des Außenmeniskus im Knie zuzog und nun mehrere Wochen ausfällt. Wird der Routinier fit, könnte er im Laufe der Saison eine wichtige Verstärkung werden.

  • Saisonziel:

Tabellarisch ging es in den vergangenen Jahren immer nur bergauf, mit Platz fünf wurde das Maximum wahrscheinlich erreicht. Trotz des Höhenflugs haben die Verantwortlichen ihren Realismus aber keineswegs verloren. In Augsburg ist man sich der Schwere der Aufgabe durch die anstehende Dreifachbelastung bewusst, man stellt sich auf eine schwierige Saison ein - aus gutem Grund.

In der jüngeren Vergangenheit befanden sich Vereine vom Kaliber des FC Augsburg, die überraschend den Europapokal erreichten, in der darauffolgenden Saison mitten im Abstiegskampf. Während der SC Freiburg noch den Klassenerhalt schaffte (2013/14), stiegen der 1. FC Nürnberg (2007/08) und Hertha BSC (2009/10) ab.

"Es wird eine große Herausforderung, der wir uns stellen, und eine spannende Saison. Wenn wir auch in der Serie 2016/17 in der Bundesliga spielen, war es wieder eine erfolgreiche Spielzeit", sagt Reuter.

  • Das muss sich ändern:

Der FCA muss sich auf dem Transfermarkt noch besser positionieren. Die Suche nach neuen Spielern gestaltete sich trotz der Trumpfkarte Europa League komplizierter als noch in den vergangenen Jahren. So stiegen die Augsburger im Poker um Vladimir Darida frühzeitig aus, der Mittelfeldmann wechselte zu Hertha BSC. "Unser Problem ist, Spieler zu finden, die uns besser machen und für uns bezahlbar sind. Es ist Fakt, dass wir uns total schwer tun", sagte Trainer Markus Weinzierl kürzlich dem kicker.

Ein Grund dafür ist auch die teils mangelhafte Infrastruktur. Im Winter mussten Halil Altintop und Co. bislang immer ins Rosenaustadion ausweichen, weil der eigene Trainingsplatz keine Fluchtlichtanlage sowie Rasenheizung besaß. Daran wird zwar nun mit Hochdruck gearbeitet, doch weitere Baumaßnahmen müssen folgen, zumal sich der finanzielle Spielraum nun erheblich vergrößert hat.

  • SPORT1-Prognose:

Eine Wiederholung der vergangenen Saison ist nahezu ausgeschlossen, für den FCA geht es in erster Linie um den Klassenerhalt. Dabei setzen Weinzierl und Co. auf den Faktor Eingespieltheit, das Team wurde trotz der anstehenden Dreifachbelastung im Großen und Ganzen kaum verändert.

Augsburgs großes Plus könnte die Erfahrung sein. Gleich zehn Ü30-Profis zählen zum Kader, so viele hat kein anderer Bundesligist. Bleibt die Weinzierl-Elf von gravierenden Verletzungen verschont, ist ein Platz im sicheren Mittelfeld im Bereich des Möglichen.

Die bisherigen Teile der SPORT1-Serie:

(Bayer Leverkusen: Die Suche nach dem geordneten Chaos)

(1899 Hoffenheim: Kuranyi soll 1899 inspirieren)

(Eintracht Frankfurt: Träume von Europa)

(SV Werder Bremen: Gesunden - und sorgenfrei bleiben)

(1. FSV Mainz 05: Sehnsucht nach neuer Begeisterung)

(1. FC Köln: Voran mit Kölscher Nüchternheit)

(Hannover 96: Bloß kein Abstiegskampf mehr)

(VfB Stuttgart: VfB droht nächste Zittersaison)

(Hertha BSC: Dardai und die Suche nach dem Glück)

(Hamburger SV: Fortschritt im Schneckentempo)

(FC Ingolstadt: Erkundungstour im Eiltempo)

(SV Darmstadt 98: Außenseiter unter den Außenseitern)

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