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München - Huub Stevens soll Hoffenheim retten, danach übernimmt Julian Nagelsmann - und wird der jüngste Bundesligatrainer aller Zeiten. Sein Mentor war Thomas Tuchel.

Karl-Heinz Mülhausen, schon mal gehört? Nein? Nicht so schlimm, die Karriere des heute 78-Jährigen im Profi-Fußball liegt lange zurück.

Am 10. Februar 1968 erlangte "Kaschi" Mülhausen einige Berühmtheit, als er – gerade 30 Jahre und acht Monate alt – bis Saisonende Trainer von Hannover 96 wurde. Bis heute ist Mülhausen der jüngste Bundesligatrainer aller Zeiten.

Den Uralt-Rekord ist Mülhausen bald los.

"Nagelsmann ist die Zukunft, Stevens die Gegenwart"

Wie SPORT1 schon am Montag berichtete, wird ab der nächsten Saison Julian Nagelsmann neuer Cheftrainer der TSG Hoffenheim und damit Huub Stevens ablösen, der die TSG nun kurzfristig retten und vor dem Abstieg bewahren soll. Dies bestätigte die TSG kurz vor der Vorstellung Stevens auch offiziell.

"Julian Nagelsmann ist die Zukunft, Huub Stevens ist die Gegenwart", sagte Sportdirektor Alexander Rosen.

Schon vor seiner Vorstellung hatte Stevens die Kurzfristigkeit seiner Aufgabe betont.

Auf Stevens, mit 61 Jahren derzeit der älteste Coach der Liga, folgt im Juli der jüngste Trainer aller Zeiten.

Nagelsmann unterbietet Mülhausens Altersrekord locker. 28 Jahre alt wird Nagelsmann am 1. Juli 2016 noch sein. Geboren wurde der derzeitige A-Junioren-Coach der Kraichgauer am 23. Juli 1987. Sollte Stevens die Kraichgauer retten, wäre Nagelsmann der jüngste Bundesligatrainer aller Zeiten.

Schon seit 2008 Trainer

Trotz seines Alters ist Nagelsmann kein Neuling im Trainergeschäft. Seit 2008 arbeitet er schon als Coach, in der Saison 2012/2013 war er sogar schon für ein halbes Jahr Co-Trainer der ersten Mannschaft in Hoffenheim unter Marco Kurz und Markus Gisdol.

Der Mann weiß, was er will. Wer ihn kennt, beschreibt den gebürtigen Landsberger, der am Ammersee aufgewachsen und die höchsten Jugendmannschaften des TSV 1860 München durchlaufen hat, als ungemein ehrgeizig, selbstbewusst und absoluten Fußballexperten.

Die Hoffenheimer A-Junioren führte er 2014 zur Deutschen Meisterschaft, seine Spieler schätzen ihn wegen seines Fachwissens, er gilt als Taktik-Nerd, und seiner lockeren, zeitgemäßen Sprache.

Nagelsmann schaut, wie viele seiner Generation, gerne Serien, er steht auf Homeland und Breaking Bad.  

Körper ließ Profikarriere nicht zu

Wie bei vielen sehr jungen Trainern, verhinderte bei Nagelsmann der Körper eine Karriere als Profi. Mit 18 stieg er bei den Löwen zwar in die zweite Mannschaft auf, doch schon da war seine Krankenakte sehr dick: Meniskusschaden, allerlei Bänderrisse, Bruch des Wirbelbogens, dazu eine chronische Achillessehnenentzündung.

Die Löwen verlängerten seinen Vertrag nicht, er ging nach Augsburg – wo er wenig später seine aktive Karriere beendete. Da war er gerade mal 20.

Doch der damalige U-23-Coach der Augsburger machte ihn zu seinem Scout und Video-Analysten. Der Trainer sollte zu Nagelsmann Mentor werden. Sein Name: Thomas Tuchel.

"Der Kontakt ist nie ganz abgerissen. Er ist ein sehr wissbegieriger und sehr fleißiger junger Trainer. Er hat außergewöhnliche Erfolge in der Jugend gefeiert. Freue mich sehr für ihn und  ich traue ihm das zu 100 Prozent zu", sagte Tuchel am Dienstag. 

Als Tuchel damals nach Mainz ging, wechselte Nagelsmann zurück zu den Löwen, arbeitete als Co-Trainer der B-Junioren und studierte nebenher BWL. 2010 folgte dann der Wechsel nach Hoffenheim.

"Meine Stärken liegen im taktischen und technischen Bereich. Zudem kann ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen den Spielern dabei helfen, mit Rückschlägen umzugehen. Davon hat es in der Hinrunde für die Mannschaft bekanntlich viele gegeben. Man muss lernen, trotzdem wieder aufzustehen, positiv in die Zukunft zu blicken und sein Leben anzupacken", sagte Nagelsmann schon vor Jahren 11Freunde.

Bayern wollte ihn

Diesen Sommer wäre Nagelsmann, der neben Tuchel auch Pep Guardiola bewundert, übrigens fast bei den Bayern gelandet. Er sollte die B-Junioren übernehmen, später möglicherweise die U 23. Die Gespräche mit Uli Hoeneß und Jugendboss Heiko Vogel liefen gut.

Aber er blieb in Hoffenheim. Nagelsmann wollte vor dem Schritt zum Branchenprimus erst seinen Fußballlehrer-Schein in der Tasche haben, der Lehrgang in Köln läuft noch ein paar Monate.

Doch statt nach München wechselt Nagelsmann danach auf die Cheftrainer-Bank in der Bundesliga.

"28 Jahre klingt schon brutal jung, das gebe ich zu. Aber er ist eine richtige Persönlichkeit, hat eine gute Ansprache. Er stellt schon sehr viel dar, er ist unglaublich reif, hat mit Profis gearbeitet und hat schon eine Menge Erfahrung", begründete Rosen die Entscheidung pro Nagelsmann.

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