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Timo Werner verteilt Küsschen
Stuttgarts Timo Werner verteilt Küsschen - zum Ärger seines Trainers © DPA Picture Alliance

Sinsheim - Timo Werner verhilft Alexander Zorniger durch den späten Stuttgarter Ausgleich zu etwas Luft, erzürnt den Trainer aber durch seinen Torjubel - auch weil er den Sieg vergibt.

Das Remis konnte Alexander Zorniger nicht besänftigen, am Ende war Stuttgarts Trainer eher angefressen.

"Unter dem Strich ist der Punkt okay, aber das 3:2 wäre möglich gewesen", sagte der Trainer des VfB Stuttgart nach dem Remis bei 1899 Hoffenheim. Der 47-Jährige ärgerte sich über Timo Werner, der kurz nach seinem Ausgleichstreffer die Großchance zur Führung vergeben hatte: "Er war noch so mit Küsschen verteilen nach dem 2:2 beschäftigt, dass der Fokus noch nicht darauf lag, ihn reinzumachen. So ist das bei jungen Spielern."

Dutt sieht "Punkt der Moral"

Die taumelnden Stuttgarter holten durch den Last-Minute-Treffer von Werner zwar ein 2:2 im baden-württembergischen Derby, verpassten am Ende aber eben auch den möglichen Sieg.

Der Sportchef bemühte sich dennoch nach besten Kräften, die Lage schönzureden.

"Vor dem Hintergrund der vielen Verletzungen muss man das als Strohhalm und als Punkt der Moral sehen", sagte Robin Dutt, dem in der Länderspielpause eine brisante Mitgliederversammlung (11. Oktober) bevorsteht. "Der VfB ist seit Jahren in einer schwierigen Situation. Das hat sich aktuell nicht verbessert. Da ist es klar, dass man Rede und Antwort stehen muss", sagte Dutt

Unangenehmes Treffen für Dutt

Dutt ist sich darüber im Klaren, dass ihm aufgrund der sportlichen Misere (sechs Pleiten, ein Sieg, ein Remis) und der Querelen rund um zahlreiche Profis (Daniel Didavi, Martin Harnik, Georg Niedermeier) ein unangenehmes Treffen mit den Mitgliedern bevorsteht.

"Wenn man in acht Spielen diese Ergebnisse abliefert, ist es in der Regel keine grüne Oase", äußerte der frühere Coach.

Dabei hätte Dutts Gang zu den Klubangehörigen noch schwerer werden können. Schließlich lagen die Schwaben vor 30.150 Zuschauern in der ausverkauften Rhein-Neckar-Arena in der 90. Minute noch im Rückstand.

Nationalstürmer Kevin Volland hatte wie schon im zurückliegenden Spiel (3:1 beim FC Augsburg) zweimal für Hoffenheim getroffen (33., Foulelfmeter und 77.).

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Kliment mit erstem Profi-Tor

Das erste Bundesligator für den VfB durch den eingewechselten Tschechen Jan Kliment (64.) schien zu wenig, doch dann rettete Werner immerhin einen Punkt. Hätte der Offensivspieler in der Nachspielzeit die große Chance zum Sieg verwertet, wäre er zu einem noch größeren Helden aufgestiegen.

"Punktemäßig war es ein Fortschritt, die Mannschaft hat Comeback-Qualitäten bewiesen", zog Zorniger schließlich eine gemischte Bilanz: "Wir haben dieses Jahr aber schon viel besser Fußball gespielt. Aber es geht schon ein klitzekleines Stück auch um Punkte."

Zorniger macht "was ganz Blödes"

Immerhin durfte sich Zorniger auf die Fahne schreiben, aktiv am Punktgewinn beteiligt gewesen zu sein. Der Coach ging in der 63. Minute volles Risiko und brachte auf einmal drei neue Spieler - einer davon war Kliment.

"Es war ein Impuls von außen notwendig. Da musst du schon was ganz Blödes machen", sagte Zorniger mit einem Schuss Selbstironie: "Und mir ist nichts Besseres eingefallen."

Aus der Not war schon die Startformation geboren. Nachdem Kapitän Christian Gentner und Filip Kostic passen mussten, ereilte die Stuttgarter wenige Stunden vor dem Anpfiff eine Schocknachricht: Stürmer Daniel Ginczek wird aufgrund einer Verletzung im Halswirbelbereich voraussichtlich bis zum Jahresende fehlen.

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