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Carlo Ancelotti gewann mit dem AC Mailand und Real Madrid die Champions League © SPORT1-Grafik Phlipp Heinemann mit getty images

München - Noch heißt der Regisseur des Bayern-Ensembles Pep Guardiola. Carlo Ancelotti gibt aber bereits erste Anweisungen. Eine seltsam vertraute Lage für die Münchner.

Der künftige Trainer des FC Bayern vergnügt sich in Nordamerika, das kennen die Münchner schon.

Pep Guardiola ist noch der wichtigste Angestellte des Vereins, Carlo Ancelotti aber schon jetzt der Aufregendste, obwohl der Vertrag noch gar nicht greift, den er unterzeichnet hat.

Was war Guardiola prächtig!

Es ist das bekannte Problem des Fußballs: Das Neue besiegt das Alte, die Zukunft ist interessanter als die Gegenwart. Im halben Jahr zwischen seiner Vertragsunterschrift und seinem Amtsantritt war Guardiola von München aus betrachtet der prächtigste Mann der Welt in seinem 31.000-Dollar-im-Monat-Apartment an der Westseite des Central Parks.

Entsprechend ringt der FC Bayern jetzt gegen das Interesse am in Kanada weilenden Ancelotti.

Matthias Sammer blockte im Trainingslager in Katar jede Frage nach dem Italiener ab. Das aber wohl auch, weil vor allem Karl-Heinz Rummenigge dessen Ansprechpartner ist.

Ancelotti lernt Deutsch

Passenderweise bei einem Termin in Mailand erzählte Rummenigge schon ganz carlophil strahlend, Ancelotti lerne mit zwei Lehrern Deutsch, ganz eifrig natürlich, und wenn er nach München kommt, "dann kann er schon ein bisschen etwas sprechen".

Ancelotti, der Kommunikator. "Eine Liste mit den Einkäufen für den Sommer" habe er ihm aber nicht geschickt, fügte Rummenigge an. Anders herum vielleicht schon.

Xabi Alonsos Vertragsverlängerung nickte Ancelotti bereits ab, der Mittelfeldmann wusste damals noch nichts über die künftige Trainer-Besetzung. Dass sich bloß keiner vorher verplappert.

Lahm freut sich

Als alles klar war, durfte die Mannschaft sich äußern. "Nach Louis van Gaal und Pep Guardiola werde ich den nächsten internationalen Top-Trainer erleben. Ich bin überzeugt, dass er ein sehr guter Trainer ist", sagte Philipp Lahm.

Eigentlich wollen sie nicht viel über den Neuen reden, manchem Spieler purzelte es dann doch heraus. Mario Götze machte klar: Von Ancelotti hängt bei ihm alles ab.

Wenn Guardiolas Nachfolger seinen Dienst antritt, hat Götze noch ein Jahr Vertrag in München. Richtig kassieren kann der FC Bayern nur noch im Sommer für den Weltmeister.

Und Franck Ribery hat schon Lust auf ein bisschen Französisch in München dank Ancelottis Pariser Vergangenheit. "Wir haben uns schon gesehen, aber noch nicht intensiv gesprochen, aber ich habe oft gehört, dass er zu seinen Spielern einen sehr guten Kontakt hat. Genau diese Art von Trainer tut mir gut", sagte Ribery zuletzt.

Jeder überlegt schon jetzt, ob der Neue auf ihn stehen könnte.

Guardiola blickt nach oben zu Ancelotti

Ancelotti hängt an einem Seil über Bayerns Bühne und mit jedem Spiel, ob Sieg oder Niederlage, rutscht er tiefer. Guardiola blickt bang nach oben, Ancelottis Tortellini-Atem auf seinem Designer-Kragen.

"Da müssen wir erst mal abwarten. Alles beginnt von vorn", sagte Arjen Robben dem niederländischen Sender NOS über seine Erwartungen an den Neuen und warf sich vor den Noch-Regisseur des Ensembles. Es sei "wirklich ein Jammer", dass Guardiola gehe. Beim Abschied erkennt man Verbündete ganz neu.

Entenrennen

Eine lame duck ist Guardiola natürlich nicht, betonen sie in München, die gibt es vielleicht am Kleinhesseloher See im Englischen Garten, aber nicht an der Säbener Straße. Genauso wenig übrigens wie Barack Obama.

Anders als der abtretende US-Präsident kann Guardiola in seinen letzten Monaten im Amt noch alles gewinnen und ist nicht von der Deutung seiner Kritiker abhängig. Mit dem Champions-League-Titel wird alles gut.

Allerdings steigt parallel dazu das Interesse an Ancelotti, Guardiola wird es aushalten müssen. Die Fragen nach der Zukunft ohne ihn. Wird er seinem Nachfolger Tipps geben? Hat er ihn schon angerufen? Jupp Heynckes fand das damals furchtbar, in der entscheidenden Phase auf dem Weg zum Triple.

Bis Mai haben die Bayern noch einen wichtigsten und einen noch wichtigeren Mann. Aber immerhin haben sie darin schon Übung.

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