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VfB Stuttgart v VfL Wolfsburg - Bundesliga
Jürgen Kramny (2.v.l. mit Sportchef Dutt, r.) hat beim VfB Stuttgart einen Vertrag bis 2017 © Getty Images

Köln - Der VfB Stuttgart holt den zweiten Ligasieg in Folge und zeigt dabei sein neues Gesicht unter Trainer Jürgen Kramny. Kaum etwas erinnert noch an die Spiele unter Alexander Zorniger.

Nur die schwäbischen Fans tanzten aus der Reihe.

"Oh, wie ist das schön", sangen die Anhänger des VfB Stuttgart minutenlang, geradezu euphorisch feierten sie anschließend den Abpfiff nach dem wichtigen 3:1 (1:1)-Sieg zum Rückrundenauftakt beim 1. FC Köln - die Stuttgarter Profis hingegen verschrieben sich dagegen ganz der neuen Sachlichkeit beim VfB.  

"Brutal wichtig" sei dieser Erfolg im Abstiegskampf zwar, sagte Verteidiger Daniel Schwaab, Kapitän Christian Gentner fand den Erfolg zum Start ins neue Jahr "für den Kopf" unersetzlich, doch es gebe "noch einiges zu verbessern". Überbewerten wollte den zweiten Liga-Sieg unter Trainer Jürgen Kramny in Folge ausdrücklich niemand.    

Daniel Didavi vom VfB Stuttgart
Heiß begehrt: Der Vertrag von Mittelfeldspieler Daniel Didavi beim VfB Stuttgart läuft im Sommer aus © Getty Images

Konzentrieren, sicher stehen, ein defensives Fundament für den Erfolg bauen: So oder so ähnlich lautet die Marschroute beim VfB seit Ende November, als Kramny das Traineramt von Alexander Zorniger übernommen hat. Und der 44-Jährige fährt damit bestens.

Nach fünf Ligaspielen unter seiner Regie stehen acht Punkte zu Buche, Zorniger brachte es in 13 Auftritten gerade mal auf zehn Zähler.    

Gentner nennt Gründe für Erfolg

Vor allem die Art und Weise, wie der VfB derzeit auftritt, macht ein erneutes Abrutschen auf die Abstiegsplätze ziemlich unwahrscheinlich. Von den vogelwilden Auftritten unter Zorniger ist kaum noch etwas zu erkennen.

"Wir agieren jetzt ganz anders", erklärt Gentner, "wir stehen nicht mehr so hoch, laufen nicht mehr so wild an. Es brennt nicht sofort lichterloh, wenn mal jemand ausgespielt wird." Schon droht auch nicht mehr in jeder Phase des Spiels ein Gegentor.    

Der Angriffsfußball, auf den Zorniger geradezu stur bis zum Ende setzte, kommt dabei ja keineswegs zum Erliegen, im Gegenteil. Wettbewerbsübergreifend gewannen die Stuttgarter in Köln zum dritten Mal in Folge mit drei erzielten Treffern.

Die Torschützen Daniel Didavi (36.), Timo Werner (51.) und Christian Gentner (83.) stachen gemeinsam mit Flügelspieler Filip Kostic heraus, offensiv ist der VfB wahrlich nicht wie ein Absteiger besetzt.    

Qualität im Angriff

"Das können wir halt", sagte Gentner, "unsere Qualität im Angriff wird niemand abstreiten. Aber die kommt eben nur zum Tragen, wenn wir insgesamt als Team funktionieren." Das scheint nun immer besser zu klappen. "Diese Stabilität" habe man schon in den Spielen vor Weihnachten erkennen können, sagt Kramny, "im Trainingslager haben wir das noch mal verfeinert."    

Ein Teil dieses vor 50.000 Zuschauern in Köln meist funktionierenden Kollektivs war auch Winterzugang Kevin Großkreutz. 352 Tage hatte der Türkei-Heimkehrer kein Erstligaspiel absolviert, das merkte man dem 27 Jahre alten Weltmeister an.

"Was ihm fehlt, ist die Wettkampfpraxis", sagt Kramny zwar auch, "aber er hat sich schon im ersten Spiel gut reingearbeitet." Großkreutz soll als Rechtsverteidiger noch wichtig werden in dieser Saison.    

Dutt: "Müssen aufpassen"

Einer der Mahner in Köln war auch Sportvorstand Robin Dutt. "Wir müssen einfach aufpassen", sagte der 50-Jährige, "das sieht man an vielen Kleinigkeiten. Das war ja keine Leistung, die über 93 Minuten konstant war."

Dutt meinte damit die Phase nach dem Kölner 1:0 durch Anthony Modeste (19./Foulelfmeter) und vor allem die Schlussminuten, in denen die Mannschaft teilweise um den Anschlusstreffer "bettelte", wie Kramny sagte.    

Insgesamt war der Sieg in Köln allerdings völlig verdient - und da wollte selbst der sachlichste Stuttgarter nicht widersprechen.

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