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München - Bayerns Trainer Pep Guardiola beklagt mangelnden Respekt für Trainer und kritisiert Journalisten. Seine Pressekonferenz zeigt auch, wie missverstanden er sich fühlt.

In den nächsten Tagen kann Pep Guardiola wieder das tun, was er am liebsten macht: sich nur mit Fußball beschäftigen.

Mit taktischen Feinheiten, Gegneranalysen, mit Vor- und Nachbereitungen der Spiele. Und nur ganz am Rande mit Themen, die ihm lästig sind und auf die er keine Lust hat.

Den genauen Ablauf seines Wechsels zu Manchester City im Sommer, etwa. Oder wie sehr er sich bereits jetzt mit seinem neuen Klub beschäftigen müsse. Oder die Spannungen innerhalb der Mannschaft, das allgemeine Knistern im Verein (Mehr zu diesem Thema in Bundesliga Aktuell JETZT LIVE im TV auf SPORT1).

Für den Trainer und die Spieler des FC Bayern München gehen mit der Partie am Samstag gegen Leverkusen (18.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) wieder die englischen Wochen los mit Spielen im Dreitagestakt.

"Diese Woche ist sehr wichtig. Und interessant für uns! Erst Leverkusen. Dann Pokal in Bochum. Dann in Augsburg", sagte Guardiola. Danach folgen im Februar noch die Bundesligaspiele gegen Darmstadt und Wolfsburg und zwischendurch noch das Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen Juventus.

Bemerkenswert, weil mehr als "super-super"

Spiele im Dreitagestakt bedeuten für Guardiola aber eben auch: Pressekonferenzen en masse.  Veranstaltungen, die er am liebsten abschaffen würde. "Ich verstehe nicht, wieso wir Pressekonferenzen machen. Denn das, was wir sagen, ist egal", sagte der Coach am Freitag während seiner in allen Belangen bemerkenswerten Medienrunde.

Bemerkenswert, weil Guardiola viel von dem offenbarte, was ihn so umtreibt. Bemerkenswert aber auch, weil er offen und differenziert argumentierte, seine Ausführungen nicht beim Potenzieren von "super" endeten. Guardiola wirkte – endlich - greifbar. Schade, dass er sich dafür aufregen musste.

"Wir Trainer bekommen heute keinen Respekt mehr auf der Welt. Ganz allgemein, ich weiß nicht, warum das so ist. Wenn Trainer gewinnen, ist es okay, wenn nicht, ist das ein großes Problem", sagte er.

"Heute fragt keiner mehr über Fußball"

Er liebe seinen Beruf, die Arbeit mit den Spielern, das Beschäftigen mit den Gegnern und dem Spiel an sich. "Ich liebe es, über Fußball zu sprechen, über Dreierketten, Viererketten und solche Sachen. Aber heute fragt keiner mehr über Fußball."

Es wäre zu kurz gegriffen, Guardiolas Aussagen als pauschale Medienschelte oder Rundumschlag zu interpretieren. Pauschal waren sie natürlich, zumal es zumindest diskussionswürdig ist, ob Pressekonferenzen vor den Spielen auch wegen der Fülle der Themen wirklich der richtige Rahmen sind, um über tiefgehende taktische Feinheiten zu diskutieren.

Sicher, in Italien beispielsweise wird mehr über fußballerische Feinheiten gesprochen als in Deutschland. Ausschweifende Taktikanalysen schon beim ersten Cappuccino am Tresen der Stamm-Bar sind jenseits der Alpen seit jeher zur Fankultur. Noch lieber sprechen die Tifosi eigentlich nur über Transfergerüchte.

Andererseits wurde aber auch in Deutschland noch nie so ausführlich über taktische Feinheiten geschrieben und so lebhaft diskutiert wie in den letzten Jahren. Taktiktüftlern wie Guardiola oder auch Thomas Tuchel sei Dank. Guardiolas Lehrstunden über Taktik etwa werden sein Vermächtnis bleiben. Nicht nur in der Mannschaft.

Einzelinterviews lehnt Guardiola ab

Auch bei den in dieser Saison bei Bayern gelegentlich durchgeführten kleineren Frage-Antwort-Runden am runden Tisch wurde deutlich mehr über Fußball gesprochen mit dem Trainer als bei den klassischen Pressekonferenzen, die Guardiola so wenig mag. Einzelinterviews,  in denen man sich qua Definition länger austauschen, tiefer in die Materie eindringen und generell besser verstehen könnte, lehnt Guardiola zudem komplett ab. Auch in Barcelona schon.

Je länger er am Freitag sprach, desto mehr kristallisierte sich heraus, wie unverstanden sich Guardiola fühlt. Von den Medien. Aber nicht nur.

Auch eine gewisse Resignation konnte er nicht verbergen. "Ich weiß nicht, warum die Leute meinen Worten nicht vertrauen", klagte er.

Seine Ablehnung von Einzelinterviews bezeichnete er als "richtige Entscheidung in meinem Leben." Er behandle alle Medien gleich. "Ich kann mit der Situation die letzten vier Monate ohne Probleme leben. Die Zeitungen können mich jeden Tag attackieren", sagte er und betonte, keinen Schutz vom FC Bayern oder Verteidigungsreden von Sportchef Matthias Sammer zu brauchen. "Ich kann mich selbst verteidigen", sagte er.

Verteidigen ja. Das latente Gefühl, den FC Bayern als Unverstandener zu verlassen, wird er aber wohl nicht mehr los. 

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