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Stefan Schnoor (l.) hinterfragt die Personalpolitik von Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs (2.v.l.) © SPORT1-Grafik: Marc Tirl / Getty Images / Imago

München - Beim VfL Wolfsburg gab es im Sommer ein Kommen und Gehen. Kurz vor Transferschluss am Mittwoch bleibt es unruhig. SPORT1-Experte Stefan Schnoor beurteilt die Lage.

Am Samstag hätte Klaus Allofs durchatmen können. Mit dem 2:0-Erfolg beim FC Augsburg hat der VfL Wolfsburg einen guten Start in die neue Saison hingelegt. Doch Allofs wurde im Wesentlichen zum Endspurt im Transfergeschehen befragt.  

Denn in diesem Sommer war der Wolfsburger Macher häufiger damit beschäftigt, Spieler zu verabschieden als ihm lieb war. Mit Andre Schürrle, Bas Dost, Naldo, Dante und Max Kruse verließen bislang fünf namhafte Akteure den Verein.

"Man muss jeden Fall in Wolfsburg einzeln betrachten", sagt SPORT1-Experte Stefan Schnoor, der von 2001 bis 2006 für die Wölfe spielte. "Max Kruse wollte man nicht mehr, und Naldo ist relativ verletzungsanfällig. Das kann man schon machen."

Auch den Verkauf von Schürrle hält Schnoor für nachvollziehbar.

Luiz Gustavo "kann man verkaufen"

"Hat Andre Schürrle in Wolfsburg überzeugt?", fragt der 46-Jährige. Borussia Dortmund habe "so viel Geld für ihn ausgegeben, weil Thomas Tuchel meint, ihn wieder hinzubekommen. Er weiß, wie er mit ihm umzugehen hat, das ist doch aller Ehren wert."

Um Luiz Gustavo gibt es immer wieder Spekulationen um einen Vereinswechsel. Doch plötzlich ist der Brasilianer Kapitän. "Bei Luiz Gustavo ist es in den vergangenen Jahren immer so gewesen, dass er im Sommer mit einem Wechsel kokettierte und dann doch geblieben ist", meint Schnoor.

"Ich weiß nicht, ob er seine Position stärken möchte. Ich finde Spieler mit solch einer Mentalität oder solch einem Charakter kann man verkaufen.“

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Draxler will weiter weg

Auch Julian Draxler will den Verein trotz Vertrags bis 2020 nach wie vor verlassen. Paris Saint-Germain bietet dem Vernehmen nach 75 Millionen Euro. Auch der FC Arsenal reizt Draxler. Allofs hat sich allerdings eindeutig positioniert: Draxler bleibt.

"Draxler sagt sich 'passt auf, ich habe eine gute EM gespielt und sehe, welche Spieler für wie viel Geld nach England wechseln'", erklärt Schnoor. "Er möchte Champions League spielen, was nachvollziehbar ist, von daher hat er versucht wegzukommen."

Nicht nur deshalb ist Allofs für Schnoor "nicht zu beneiden". Es sei aber auch zu hinterfragen, "wonach man heutzutage Spieler verpflichtet? Holt man solche Jungs nur aufgrund ihres spielerischen Könnens oder sollte man auch mal auf Mentalität und Charakter schauen?"

Fall Draxler bleibt spannend

Am Mittwoch ist Transferschluss für Profis mit laufendem Vertrag. Ob das Thema Draxler wirklich vom Tisch ist, bezweifelt Schnoor. "Wenn da noch ein windiger Geschäftsmann kommt und sagt 'los geht’s', dann weiß ich nicht, ob der VfL nein sagen würde."

Für Schnoor steht fest, dass Spieler mit Charakter "anders gehandelt hätten", als den Klub einfach zu verlassen. Für ihn ist es ein generelles Problem:

Man müsse sich die Bundesliga anschauen, "wie oft Spieler wechseln und wie oft Vereine sagen 'Da haben wir uns etwas anderes vorgestellt, den wollen wir nicht mehr'. Es sind nicht nur die Spieler, die wechseln wollen, sondern auch die Klubs, die das forcieren."

"Allofs wird klarkommen"

Für brenzlig hält Schnoor die aktuelle Situation in Wolfsburg nicht: "Mir wird immer zu viel Wirbel gemacht, wenn Spieler den Verein verlassen. Das klingt jetzt so, als wenn die ganze Welt in Trümmern liegt und der VfL nie wieder Fußball spielen kann."

Ist es für Allofs die schwierigste Phase in seiner Wolfsburger Zeit? "Es gab auch letztes Jahr schon die eine oder andere Phase, wo es nicht ganz so gut lief, da musste er auch schon seinen Mann stehen", meint Schnoor.

Allofs sei aber "so erfahren und hat so viel mitgemacht in seiner Zeit als Manager. Er hat schon ganz andere Situationen erlebt, da wird er mit dieser Situation auch klarkommen."

Son ein Puzzlestück für Allofs

Die Wolfsburger hätten schließlich "eine vernünftige Mannschaft, Allofs ist dabei, das eine oder andere Puzzlestück noch hinzuzufügen und wenn ihm das gelingt, dann werden die Wölfe in der neuen Saison eine ordentliche Rolle spielen."

Eines dieser Puzzlestücke ist der Südkoreaner Heung-Min Son von Tottenham Hotspur, den es dem Vernehmen nach zurück nach Deutschland zieht.

Mit Dieter Hecking ist Schnoor zufolge "ein guter Trainer da, der in der Lage ist, mit den Spielern umzugehen und auch eine Einheit zu formen. Ob es jetzt für das internationale Geschäft reicht, das sei mal dahin gestellt." 

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