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Harry Kane narrte vor dem 1:2 Thomas Müller und Mesut Özil und gab der Partie mit seinem Tor eine unerwartete Wendung © Getty Images

Berlin und München - Das junge englische Team hat mit dem Sieg über Deutschland Hoffnungen auf eine erfolgreiche EM in Frankreich geweckt. Vor allem die Offensive zeigt, wozu sie fähig sein kann.

Spektakuläre Tore, unbändiger Siegeswille und eine nicht für möglich gehaltene Aufholjagd gegen den Weltmeister: Die hochtalentierten englischen Youngster haben mit ihrem "Wunder von Berlin" (Daily Mail) die EM-Euphorie im Fußball-Mutterland entfacht. 

"England hat seinen Stolz zurück", schrieb der Daily Mirror. Und auch der seriöse Guardian konnte sich der Faszination des Auftritts im Olympiastadion nicht entziehen: "Wenn England zu solchen Leistungen in der Lage ist, ist es schwer, nicht eine plötzliche Welle des Optimismus für die Chancen bei der EM zu spüren." (Pressestimmen)

Ganze 161 Länderspiele Erfahrung hatte die englische Startelf - doch das Team von Roy Hodgson mit den Shootingstars Harry Kane (Tottenham), Jamie Vardy (Leicester) und dem erst 19-jährigen Dele Alli (Tottenham) ließ sich auch von einem 0:2-Rückstand nicht aus dem Konzept bringen. (Reaktionen)

"Fußball ist ein einfaches Spiel"

Und veranlassten sogar Stürmer-Idol Gary Lineker zu einer Neuinterpretation seines wohl berühmtesten Zitats: "Fußball ist ein einfaches Spiel, in dem 22 Spieler 90 Minuten den Ball umherkicken und am Ende Deutschland eine Zwei-Tore-Führung aus der Hand gibt."

Und das auf äußerst sehenswerte Weise: Kanes Trick vor dem 1:2 zwischen Thomas Müller und Mesut Özil hindurch erinnerte an den großen Johan Cruyff, Vardy traf nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung per Hackentrick und Eric Dier köpfte in der Nachspielzeit das Siegtor. 

Für Vardy und Dier waren es die ersten Treffer im Nationaltrikot - für Deutschland die erste Heimniederlage in der Geschichte nach einer Zwei-Tore-Führung.

Kane gerät ins Schwärmen

"Wir haben heute gezeigt, dass wir jeden schlagen können. Es war ein großartiger Abend für uns und das ganze Land", sagte Kane.

Und Vardy, vor wenigen Jahren noch in den Niederungen des englischen Fußballs aktiv, sprach trotz seines vielbeschriebenen kometenhaften Aufstiegs vom "Highlight" seiner bisherigen Saison.

Doch während die lautstarken englischen Fans im Olympiastadion noch den Sieg ihrer Helden feierten, versuchte Hodgson sein junges Team vor den nun aufkeimenden Erwartungen in der Heimat zu schützen.

Zwar sprach der 68-Jährige vom "besten" Spiel als englischer Nationaltrainer, betonte aber auch: "Was mir etwas Sorgen bereitet ist, dass wir nach der ganzen Kritik der Vergangenheit nun auf ein Podest gestellt werden. Lasst die Spieler die Bodenhaftung nicht verlieren, lasst sie demütig und hungrig auf weitere Erfolge bleiben. Wir haben noch viel Arbeit zu erledigen."

Unverdienter Rückstand

Dabei war es allerdings keinesfalls so, dass der Sieg alleine der Schwäche der DFB-Auswahl oder Zufallstreffern geschuldet war. Vielmehr war schon der zwischenzeitliche Rückstand eigentlich unverdient gewesen.

Angeführt vom überragenden Tottenham-Akteur Alli zeigten die Engländer ihr großes Offensiv-Potenzial - auch ohne den derzeit verletzten Rekord-Torschützen Wayne Rooney.

Ohnehin dürften Hodgson nun bis zur EM noch einige Diskussionen um den etatmäßigen Kapitän ins Haus stehen. In der Sturmspitze befinden sich Kane und Vardy, die beiden besten Torschützen der Premier League, in Topform. Und zeigten gegen Deutschland eindrucksvoll, dass sie auch gemeinsam auf dem Platz erfolgreich sein können.

"Rooneys Stammplatz ist in größerer Gefahr als jemals zuvor. Es scheint so, als sei der Staffelstab an eine neue Generation weitergegeben worden", schrieb die Daily Mail. Es wird eine schwierige Entscheidung für Hodgson werden.

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