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Lyon und München - Cristiano Ronaldo macht es einem nicht schwer, ihn nicht zu mögen. Doch bei der EM zeigt er neben seiner Divenhaftigkeit auch seine sympathische Seite. Eine Annäherung.

Hass ist umsonst, Häme sowieso. Cristiano Ronaldo kann ohnehin nichts dagegen machen, von ziemlich exakt der Hälfte der Fußballinteressierten nicht gemocht zu werden, also versucht er gar nicht erst, es allen recht machen zu wollen. Er zieht einfach sein Ding durch, auch das ist eine Leistung.

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Sein Ding durchziehen heißt in Cristianos Welt: Seine Mannschaften zum Sieg zu führen, wie jetzt im EM-Halbfinale, als er Wales beim 2:0 mit einem Monster-Kopfball und einer Vorlage aus dem Turnier kickte.

Ronaldo trainiert mehr als alle anderen

Immer wieder breitbeinig und mit einem bis zum Mond reichenden selbstbewussten Ausdruck zum Freistoß anzutreten – und den Ball doch bei der EM in Frankreich zumindest in den meisten Fällen in die menschliche Mauer zu kicken.

Mehr zu trainieren als alle anderen, gleichzeitig aber immer wieder heraushängen lassen, der Beste zu sein.

Ganz alleine für rund die Hälfte der Weltmarktproduktion von Gel-Produkten verantwortlich sein.

In allen Belangen ein ziemlich lässiger Kerl zu sein.

Zu Fans und Kindern allerliebst

Ronaldo kann ein ganz schöner Stinkstiefel sein, gerade macht im Netz ein Meme die Runde, wie er alle möglichen Menschen und Dinge niederstreckt. "Wenn Ronaldo wütend wird", sind viele dieser kurzen Videos überschrieben. Sie zeigen ihn nach einer vergebenen Torchance, wie er sauer gegen die Luft haut.

Doch wehe, es sind Kinder in der Nähe. Oder Fans. Dann zeigt Ronaldo immer sein anderes Gesicht, dann enthüllt er den Menschen unter dem vielen Gel und dem perfekt rasierten Sixpack. Bei der EM hat bisher jeder dahergelaufene Flitzer oder Helfer sein Selfie mit ihm bekommen.

Ehrliche Freude

Sei es nach dem enttäuschenden 0:0 gegen Österreich, als Ronaldo die aufgebrachten Ordner in Schach hielt, bis der Flitzer sein Foto endlich im Smartphone hatte. Oder unmittelbar vor dem Halbfinale gegen Wales, als ein Helfer ihn nach der Eröffnungszeremonie noch unbedingt umarmen wollte und ein anderer sich sogar aufs Mannschaftsfoto schmuggelte.

Show? Imagepflege? Quatsch! Wer gesehen hat, wie Ronaldo gerade diese Aktion abfeierte, muss zu dem Schluss kommen, dass Ronaldos Lachen genauso echt ist wie seine Tränen nach den seltenen Niederlagen. In solchen Momenten wirkt der Liebling aller Selfiejäger wie ein ziemlich nahbarer Pfau.

Ronaldo unterhält Schulen in Gaza

Seinen Sohn hat er zwar nach sich benannt, aber das machen andere auch. Er zieht ihn alleine auf, bringt ihn, wann immer es geht, zur Schule, mal im Bentley, mal im Audi-Sportwagen. Während des Turniers lebt der Junior bei der Oma. Als er den Papa im portugiesischen Quartier besuchte, schossen dem Weltfußballer die Tränen ins Gesicht.

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Er hat keine Tätowierungen, um regelmäßig Blut spenden zu können, verteilt einen nicht unwesentlichen Teil seines Vermögens an allerlei Hilfsprojekte, unterhält beispielsweise Schulen im Gaza-Streifen.

Verschandelte Frisur

Während der EM hat er sich sogar seine perfekte Frisur verschandelt und sich zwei Streifen einrasieren lassen, um einem krebskrankem Kind Hoffnung zu machen. In der Vergangenheit hat er schon kranken Kindern Operationen bezahlt. Einfach so, weil er es kann.

Es ist sicher kein Spaß, mit Ronaldo auf dem Platz stehen zu müssen, wenn es mal nicht so läuft, wie er es sich vorstellt. Auch seinen Ego-Jubel muss man ertragen können.

Ronaldo macht es einem nicht schwer, ihn nicht zu mögen.

Aber es hat schon seine Gründe, dass er sogar unmittelbar vor den Spielen Selfiewünsche erfüllen muss.  

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