Video

München und London - Vor dem Showdown gegen Liverpool ist der Chelsea-Trainer umringt von Feinden. Nur für Jürgen Klopp hat er noch freundliche Worte. Und der erwidert die Sympathie.

Jose Mourinho ist das Lachen endgültig vergangen. Vor dem Duell am Samstag gegen Jürgen Klopp und dessen FC Liverpool (ab 13.30 Uhr im LIVETICKER) saß der Trainer des FC Chelsea auf der Pressekonferenz in London und verbreitete richtig schlechte Laune.

Ob er die Anspielung denn nicht witzig fand, mit der sich Klopp bei seiner Antrittsrede an der Anfield Road als "The Normal One" vorstellte, wurde er gefragt. Nein. Fand er nicht witzig.

Nächste Frage: Musste er angesichts der aktuellen Krise des FC Chelsea schon bei Klubbesitzer Roman Abramovich vorsprechen? Das geht niemanden etwas an.

Mourinho sieht nur noch Feinde

Und wo liegen die Gründe dafür, dass die Blues in dieser Saison bis auf Platz 15 durchgereicht wurden und an der Stamford Bridge schon seit Tagen über Mourinhos Entlassung spekuliert wird?  "Lesen sie die Zeitung! Da steht alles drin. Die Leute, die da schreiben, wissen doch alles. Sie sagen nichts als die Wahrheit - da bleibt für meine Sicht kein Platz mehr."

Aber hat er denn eine derart schwierige Situation schon einmal erlebt? "Haben Sie mein Buch nicht gelesen? Dann kennen Sie die Antwort! Warum fragen Sie dann? Lesen Sie mein Buch!", raunte Mourinho den Reporter an.

Der 52-Jährige in seinem Element. Umringt von Feinden. Mourinho mag keine Schiedsrichter, keine Kritiker und keine Journalisten. Überhaupt mag er im Moment eigentlich niemanden. Außer vielleicht - Jürgen Klopp.

"Ich mag Klopp als Typ"

"Wir sind keine Freunde, denn das Fußballgeschäft lässt normalerweise keine Freundschaften zu", sagte der Portugiese, "aber ich mag ihn als Typ".

Immerhin. Auch wenn das Duell der beiden großen Trainer medial längst zum Schicksalsspiel für Mourinho aufgebläht wurde, bleibt der Ton von gegenseitigem Respekt geprägt.

"Auch wenn er im letzten Jahr in Dortmund eine schwere Zeit hatte, halte ich Jürgen Klopp für einen der besten Trainer in Europa", lobte Mourinho seinen Widersacher ungewohnt überschwänglich.

Klopp plaudert aus dem Nähkästchen

Und Jürgen Klopp? Auch der war bemüht, das Spiel nicht auf den Kampf zweier Trainer zu reduzieren. Allerdings war er dabei wesentlich besser aufgelegt.

Nach seinem ersten Sieg als Liverpool-Trainer  - ein 1:0 im Pokal gegen den AFC Bournemouth – lächelte er entspannt und plauderte aus dem Nähkästchen: "Ich hatte mit Mourinho schon in Deutschland ein paar Mal per SMS Kontakt."

"Er kann ein netter Kerl sein", sagte er zur allgemeinen Überraschung – und schob einschränkend hinterher: "Wenn man nicht gerade Schiedsrichter oder Journalist ist." Und weil Klopp weder das eine noch das andere ist, lautete sein Fazit: "Ich verstehe mich gut mit Mourinho. Er ist emotional, ich bin emotional, aber nach dem Abpfiff ist alles vergessen. Zwischen uns ist alles okay."

Klopp kann Mourinho stürzen - schon wieder

In Ehrfurcht erstarrt war Jürgen Klopp jedenfalls nicht. Warum auch? Den letzten Vergleich mit Jose Mourinho entschied er für sich. 2013 setzte er sich mit Borussia Dortmund im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid durch.

Damals war Mourinho Trainer bei den Königlichen, und auch damals war er bereits von Feinden umringt. Von zu vielen Feinden. Die Dortmunder Gala beim 4:1 im Hinspiel leitete seinen endgültigen Abschied ein. Die vier Tore von Robert Lewandowski waren vier dicke Tropfen in ein Fass, das wenig später überlief.

Und jetzt also wieder gegen Jürgen Klopp. Die Ironie des Schicksals. Auch die fand Mourinho nicht besonders witzig. Angesprochen auf die Parallelen sagte er nur: "Darüber spreche ich nicht."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel