Pascal Groß: DFB-Aus inmitten eines Höhenflugs
Hürzeler mit Lobeshymne auf Pascal Groß
Ein Kapitel ist beendet, an einem anderen schreibt Pascal Groß gerade weiter. Dabei sammelt der 35-Jährige nicht nur Spielminuten, sondern viele Vorlagen, die ihn in einer besonderen Kategorie klettern lassen.
19 A-Länderspiele werden es bleiben. Während Pascal Groß einen Schlussstrich unter das Kapitel Nationalmannschaft gezogen hat, erlebt er in der Premier League gerade einen regelrechten Höhenflug: Bei Brighton & Hove Albion ist der Ex-Dortmunder wieder Stammspieler, Leistungsträger und auf dem Weg, sich in einer bemerkenswerten Liga-Statistik nach oben zu arbeiten.
51 Tore hat Pascal Groß in Englands höchster Spielklasse bereits vorbereitet – mehr als etwa Roberto Firmino während seiner acht Jahre beim FC Liverpool. Und seit seiner Rückkehr nach Brighton arbeitet Groß fleißig daran, diese Bilanz auszubauen. An der englischen Südküste ist der 35-Jährige wieder genau das, was er dort schon vor seinem Wechsel nach Dortmund war: elementar wichtig.
Wie wichtig, zeigte sich am Wochenende gegen den FC Arsenal. Groß brachte Brighton beim 3:0 gegen den amtierenden Meister selbst in Führung und bereitete wenig später einen weiteren Treffer vor. Es war der nächste starke Auftritt eines Spielers, dessen Karriere nach seinem BVB-Abschied noch einmal neuen Schwung bekommen hat.
BVB-Traum wird zur großen Enttäuschung
Brighton & Hove Albion hatte Groß 2017 für eine Ablöse in Höhe von drei Millionen Euro vom FC Ingolstadt auf die Insel geholt. In England entwickelte sich der gebürtige Mannheimer zum Premier-League-Leistungsträger – und schließlich sogar zum Nationalspieler. Umso größer war der Einschnitt im Sommer 2024.
Groß verließ Brighton und kehrte nach Deutschland zurück: Borussia Dortmund verpflichtete den damals 33-Jährigen für sieben Millionen Euro. Für Groß ging damit „ein Lebenstraum in Erfüllung.“ Besonders glücklich wurde die Verbindung sportlich allerdings nicht.
In 66 Pflichtspielen für den BVB erzielte Groß ein Tor und bereitete 17 Treffer vor. Gerade in seiner zweiten Saison geriet der Mittelfeldspieler zunehmend ins Hintertreffen. In der Hinrunde 2025/26 verlor er seinen Stammplatz. Vor allem das fehlende Tempo im Dortmunder Mittelfeld wurde Groß immer wieder zum Verhängnis. Seine Qualitäten am Ball und bei Standards waren weiterhin gefragt, seine Einsatzzeiten gingen dennoch zurück.
„Als ich in Dortmund nicht mehr so zum Zug kam, wollte ich wieder dahin gehen, wo ich mehr Einfluss nehmen kann und öfter spiele, damit ich mich auch für die WM empfehlen kann“, sagte der Mittelfeldspieler einst im Gespräch mit dem kicker.
Als sich im vergangenen Winter die Möglichkeit einer Rückkehr nach Brighton ergab, nutzte er die Gelegenheit. Mit Brighton-Trainer Fabian Hürzeler sei er auch nach seinem Wechsel nach Dortmund in Kontakt geblieben. „Hier kann ich am schnellsten Fuß fassen“, erklärte Groß seine Entscheidung.
In Brighton so wichtig wie nie
Mit seiner Einschätzung sollte er Recht behalten. Schon in der Rückrunde erkämpfte sich der Mittelfeldspieler schnell wieder eine zentrale Rolle bei seinem alten Klub. In 18 Partien stand er von Beginn an auf dem Platz. Brighton würdigte seine Rückkehr am Saisonende sogar als einen der gelungensten Transfers der Spielzeit.
„Ich fühle mich sehr wohl – privat, aber auch sportlich“, bilanzierte Groß bereits wenige Wochen nach seiner Rückkehr bei Sky. Vor allem eines hatte sich gegenüber seinen letzten Monaten in Dortmund verändert: Er spielte wieder regelmäßig.
Und diesen Schwung hat der 35-Jährige auch in die neue Saison mitgenommen. In allen fünf Premier-League-Partien stand Groß über die kompletten 90 Minuten auf dem Platz. Auch beim 3:0 gegen Arsenal war er mit einem Treffer und einer Vorlage wieder entscheidend beteiligt. Auf seinem Konto stehen bereits drei Tore und vier Vorlagen in fünf Premier-League-Spielen.
Groß rückt Hazard und Mata näher
Mit seinen Vorlagen arbeitet sich Groß gleichzeitig immer weiter in der Premier-League-Historie nach oben. 51 Assists hat er in Englands höchster Spielklasse inzwischen geliefert.
Damit hat Groß bereits Ex-Liverpool-Spieler Roberto Firmino hinter sich gelassen. Die nächsten prominenten Namen sind nicht weit entfernt: Eden Hazard, Juan Mata und Mesut Özil kommen jeweils auf 54 Assists. Nur drei weitere Vorlagen fehlen Groß, um mit dem Trio gleichzuziehen. Eine bemerkenswerte Bilanz für einen Spieler, der mit 26 Jahren erstmals in der Premier League auflief.
Während seine Geschichte in Brighton weitergeht, hat Groß ein anderes Kapitel seiner Karriere inzwischen beendet.
Ein beiläufiger DFB-Rücktritt
Nach dem Sieg gegen Arsenal machte der 35-Jährige fast beiläufig öffentlich, dass er nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen wird.
„Offiziell – ich habe ja kein Social Media – bin ich jetzt nicht zurückgetreten. Aber ich bin schon zurückgetreten“, erklärte Groß. Die Entscheidung sei bereits nach der Weltmeisterschaft gefallen.
Damit endet eine Nationalmannschaftskarriere, die erst spät begonnen hatte. Erst mit 32 Jahren feierte Groß im September 2023 sein Debüt für die A-Nationalmannschaft. Dass es für Karrierehighlights kein vorgeschriebenes Alter gibt, hat er damals schon bewiesen. Und auch mit 35 Jahren zeigt er gerade, dass es für neue Höhepunkte noch nicht zu spät ist.