Adeyemi in der Kritik: Verdient oder überzogen?

Klopp spricht Klartext - und fordert Zeit
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Klopp spricht Klartext - und fordert Zeit

Karim Adeyemi erntet nach dem Remis in Amsterdam reichlich Kritik. Es zeigt einmal mehr: Der Barca-Star polarisiert wie kaum ein anderer DFB-Spieler. Doch wird seine Leistung tatsächlich fair bewertet?

Ein Treffer wurde ihm auf dem Silbertablett serviert. Eigentlich war es ein Elfmeter ohne Torwart. Und Adeyemi? Der jagte die mustergültige Vorarbeit von Nathaniel Brown in den Amsterdamer Nachthimmel. Die Riesen-Chance zum 2:0 – kläglich vergeben.

Auch sonst leistete sich Adeyemi beim Nations-League-Auftakt gegen die Niederlande (1:1) einige Unsauberkeiten. Für seine Leistung erntete er anschließend reichlich Häme. Fest steht: Effizient war der Neu-Katalane an diesem Abend nicht – wirkungslos aber eben auch nicht.

Karim Adeyemi gab sein DFB-Comeback gegen die Niederlande
Karim Adeyemi gab sein DFB-Comeback gegen die NiederlandeKarim Adeyemi gab sein DFB-Comeback gegen die Niederlande© IMAGO/Laci Perenyi

Adeyemi vergibt Riesen-Chance

Selbst Jürgen Klopp konnte die vergebene Chance kaum fassen. Der Bundestrainer gestikulierte wild an der Seitenlinie, riss den Mund weit auf und biss anschließend die Zähne zusammen. Dann drehte er sich in Richtung des deutschen Betreuerteams um, was dort für Gelächter sorgte.

Kurz darauf folgte allerdings auch Applaus von Klopp. „Von zehn macht der neun rein. Das weiß er selbst“, verteidigte Lothar Matthäus den 24-Jährigen.

Auch DFB-Kapitän Joshua Kimmich sprang seinem Mitspieler zur Seite: „Passiert. Ich bin der letzte, der ihm einen Vorwurf machen kann, dafür schieße ich zu wenig Tore. Natürlich wäre es schön gewesen, dort das 2:0 machen. Für einen Laien sieht das vielleicht einfach aus, aber wenn du da aus dem Vollsprint kommst…Überhaupt keinen Vorwurf, er ärgert sich selbst darüber.“

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Adeyemi erntet eine Menge Kritik

Im Netz fiel das Urteil deutlich weniger nachsichtig aus. Häme gab es jede Menge: „Wo ist der Barca-Adeyemi?“, „So kennt man ihn“, „Der BVB-Adeyemi ist zurück“, „Ohne Yamal und Raphinha sieht das bei ihm eben so aus“ sind nur einige der Kommentare.

Auch Teile der spanischen Presse gingen nicht unbedingt sanft mit Adeyemi ins Gericht. Die Marca sprach von einem „Fehlschuss“, die AS titelte: „Adeyemi vergibt eine hundertprozentige Torchance.“ Die barcelonische Tageszeitung El Periódico ging sogar so weit, zu mutmaßen, dass Adeyemi bei einem ähnlichen Fehlschuss in Barcas Camp Nou ausgebuht worden wäre.

Doch wird seine Leistung tatsächlich fair bewertet?

Adeyemi startet in Barcelona durch

Adeyemi hat beim FC Barcelona einen starken Saisonstart hingelegt. Drei Tore und drei Vorlagen in acht Einsätzen sprechen eine eindeutige Sprache. Allerdings unterscheiden sich seine Aufgaben dort von denen beim DFB am Donnerstagabend in Amsterdam.

In Spanien kann Adeyemi seine größte Waffe wesentlich häufiger ausspielen: seine unfassbare Geschwindigkeit. Er ist besonders dann gefährlich, wenn er Wiese vor sich hat, Tempo aufnehmen und in die Tiefe starten kann. Genau diesen Raum gewährte ihm eine starke und disziplinierte niederländische Mannschaft kaum.

Und trotzdem: Adeyemi war aktiv, suchte immer wieder Wege hinter die letzte Linie, sorgte für Unruhe – und kam überhaupt erst in jene Abschlusssituationen, an denen sich anschließend die Kritik entzündete.

Adeyemi überzeugt mit Einsatz und Fleiß

Auch die Zahlen zeichnen ein differenzierteres Bild. Die Vorarbeit zum deutschen Führungstreffer wurde ihm zugeschrieben. Dazu brachte er ordentliche 89 Prozent seiner Pässe an den Mann und spulte in seinen 80 Einsatzminuten 9,21 Kilometer ab. Sein Top-Speed lag bei mehr als 34 Kilometern pro Stunde.

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Noch auffälliger: Adeyemi arbeitete fleißig nach hinten mit. Eine Eigenschaft, die ihn in der Vergangenheit nicht immer ausgezeichnet hatte.

Natürlich bleiben die Schwächen. Probleme bei der Ballannahme oder beim ersten Kontakt sind bei ihm nichts Neues. Auch gegen die Niederlande gab es Szenen, in denen ihm technisch die nötige Sauberkeit fehlte. Und natürlich muss ein Spieler seiner Klasse die Großchance zum 2:0 eigentlich verwerten.

Adeyemi polarisiert wie kaum ein anderer DFB-Star

Doch allein die Werte und vor allem seine Körpersprache zeigen auch: Adeyemi versteckte sich nicht. Er mühte sich, war ständig in Bewegung, bot sich an, arbeitete gegen den Ball und suchte immer wieder den Weg nach vorne. Auch wenn ihm an diesem Abend wahrlich nicht alles gelang.

Klar ist: Adeyemi polarisiert wie kaum ein anderer deutscher Nationalspieler. Gerade deshalb lohnt es sich, bei seiner Bewertung etwas genauer hinzuschauen. Denn bei ihm scheint aus einem schlechten Abschluss schnell ein schlechtes Spiel zu werden.

Und das wird seiner Leistung in Amsterdam nicht ganz gerecht.

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