Klopps Beruhigungspillen bekämpfen nicht die Ursache

"Sagt mir Bescheid, dann rege ich mich mehr darüber auf"
2:25

"Sagt mir Bescheid, dann rege ich mich mehr darüber auf"

Jürgen Klopp verteilt derzeit verbale Beruhigungspillen. Das ist verständlich. Vielleicht ist es sogar genau das, was die deutsche Nationalmannschaft gerade braucht. Doch irgendwann müssen auf die guten Worte auch gute Ergebnisse folgen. Der SPORT1-Kommentar.

Jürgen Klopp lobt. Seine Spieler. Ihre Entwicklung. Ihre Auftritte. Ihre Haltung. Eigentlich findet der Bundestrainer derzeit fast überall etwas, das ihm gefällt. Und das ist zunächst einmal völlig in Ordnung.

Klopp hat die Nationalmannschaft schließlich in einer Phase übernommen, in der Deutschland nicht noch mehr Zweifel gebrauchen kann. Er will Zuversicht verbreiten, den Spielern Vertrauen geben und rund um das Team wieder ein Gefühl erzeugen, das in den vergangenen Monaten verloren gegangen ist: Freude.

Jürgen Klopps erste Zwischenbilanz als Bundestrainer fällt gemischt aus
Jürgen Klopps erste Zwischenbilanz als Bundestrainer fällt gemischt ausJürgen Klopps erste Zwischenbilanz als Bundestrainer fällt gemischt aus© IMAGO / Kirchner-Media / SPORT1

Also verteilt Klopp derzeit verbale Beruhigungspillen. Sie wirken auch. Nur darf niemand ihre Wirkung überschätzen. Sie lindern die Symptome. Sie ändern nicht die Diagnose.

Unterschied zwischen Stimmung und Realität

Vier Spiele unter Klopp, ein Sieg, zwei Unentschieden, eine Niederlage. Für die Ansprüche des deutschen Fußballs ist das zu wenig. Für die Ansprüche eines Jürgen Klopp erst recht. Ja, eine leichte Besserung ist erkennbar. Er darf und muss diese Fortschritte herausstellen. Aber all die kleinen Schritte rechtfertigen eigentlich nicht diese zur Schau gestellte Zufriedenheit.

Es besteht ein Unterschied zwischen der Stimmung, die Klopp verbreitet, und der Realität, die der Fußball auf dem Platz erzählt. Der Bundestrainer spricht bereits so, wie Deutschland irgendwann wieder auftreten soll: selbstbewusst, optimistisch, voller Überzeugung. Auf dem Platz ist die Mannschaft dort noch lange nicht angekommen. Wie auch? Klopp ist schließlich erst seit wenigen Wochen im Amt.

Nagelsmann hätte man das als Schönrederei ausgelegt

Noch ist diese Lücke auszuhalten. Klopp besitzt einen Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte: Er ist neu. Er ist populär. Er besitzt einen enormen Kredit. Wenn er nach mäßigen Resultaten Positives hervorhebt, wird ihm das als Führungsstärke ausgelegt. Als psychologisches Geschick. Als bewusster Aufbau einer Mannschaft.

Seinem direkten Vorgänger hätte man dieselben Sätze vermutlich deutlich schneller als Schönrederei ausgelegt. Auch das gehört zur Wahrheit. Klopp darf diesen Kredit nutzen. Wer eine Mannschaft entwickeln will, braucht Vertrauen. Doch gute Laune lässt sich nicht dauerhaft verordnen. Euphorie schon gar nicht. Das haben die Pfiffe in Augsburg deutlich gemacht.

DEINE MEINUNG

Echte Euphorie entsteht durch Siege. Durch große Spiele. Durch Abende, an denen eine deutsche Mannschaft nicht nur verspricht, auf dem richtigen Weg zu sein, sondern ihn sichtbar geht. Klopps Marschroute ist nachvollziehbar. Seine Beruhigungspillen sind gerechtfertigt. Sie verschaffen ihm und seiner Mannschaft Ruhe. Aber ihre Wirkung wird sich abnutzen. 

Abonniere den Fußball-Newsletter und bleibe immer am Ball! Alle Tore und News direkt in dein Postfach