Anti-Infantino-Gipfel: „Wir müssen ihn vom Platz stellen“
Bei dieser Frage ergreift Infantino die Flucht
Bernd Neuendorf setzt den Ton für den Anti-Infantino-Gipfel in Berlin. Der FIFA-Chef soll endlich weg - und ein Gegenkandidat her. Es ist die Schicksalsfrage für die UEFA.
Die Rote Karte von Bernd Neuendorf, frische Ethikbeschwerden aus Norwegen – und ein neuer WM-Skandal rund um die Demokratische Republik Kongo: Kurz vor dem Anti-Infantino-Gipfel in Berlin bläst dem angezählten FIFA-Boss frischer Gegenwind ins Gesicht.
„Wir müssen ihn vom Platz stellen“, sagte Neuendorf unmissverständlich über Gianni Infantino und gab die Marschroute für das Treffen der europäischen Verbände am Donnerstag im noblen Ritz-Carlton vor.
Gianni Infantino zeigt sich unbeeindruckt
Doch am anderen Ende der Welt lässt sich der Präsident des Weltverbandes von möglichen Umsturzplänen wenig beeindrucken. In bester Laune zeigte er sich am Dienstagabend beim Finale des Arabian Gulf Cup, gratulierte seinen Freunden aus Saudi-Arabien auf dem Podium zum Turniersieg.
Auf seiner Werbetour rund um die Welt scheint der Schweizer weiter Unterstützer zurückzugewinnen, nicht umsonst wird in diversen Medien bereits über ein Scheitern der Revolte spekuliert.
Doch die Europäer wollen davon vor ihrem Gipfeltreffen nichts wissen. Nicht nur Neuendorf hofft in der Hauptstadt endlich einen mehrheitsfähigen Gegenkandidaten zu finden. Dieser müsse nicht unbedingt ein europäischer sein, sondern könne auch von einer anderen Konföderation kommen, sagte der DFB-Chef dem Tagesspiegel.
Von dem Treffen in der Hauptstadt, bei dem neben Neuendorf auch Vize Hans-Joachim Watzke am Tisch sitzt, geht eine Signalwirkung für den weiteren Wahlkampf aus.
DFB: Infantino „nicht mehr tragbar“
Im Deutschen Fußball-Bund (DFB) sei man sich einig: Infantino habe „jegliches Vertrauen verspielt“, sagte Neuendorf. Infantino sei „nicht mehr tragbar“, spätestens seit dem „Fall Balogun“ bei der WM sowie dem gescheiterten Investorendeal.
Wegen dieser beiden Spannungsfelder reichte der norwegische Verband in dieser Woche Ethikbeschwerden gegen den FIFA-Chef ein. Außerdem wurde eine Untersuchung der Hintergründe bei der Vergabe des „Friedenspreises“ an US-Präsident Donald Trump gefordert.
Neue Nahrung bekommen die Gegner des FIFA-Bosses durch Berichte über einen vertuschten WM-Skandal. Der Weltverband soll die Demokratische Republik Kongo trotz festgestellter Zweifel an der Spielberechtigung eines Nationalspielers nicht aus der WM-Qualifikation genommen haben.
Die New York Times stellte eine Verbindung Infantinos zum heutigen Chef des kongolesischen Verbandes her. Der Weltverband betonte allerdings, dass der 56-Jährige keinen Einfluss auf solche Entscheidungen habe.
Das Momentum scheint sich gedreht zu haben
Unabhängig von diesen neuesten Entwicklungen scheint sich das Momentum zugunsten von Infantino gedreht zu haben. Schon jetzt erscheint sicher, dass die drei oppositionellen Kontinentalverbände aus Europa, Asien (AFC) und Nord- und Mittelamerika (CONCACAF) bei der Wahl im März 2027 im marokkanischen Rabat nicht alle ihre Mitglieder hinter sich vereinen können.
So sprach sich etwa Lettland unlängst als erster europäischer Verband für Infantino aus. Dieser stellte Reformbereitschaft sowie Auszahlungen aus den FIFA-Reserven in Aussicht und verkleinerte die Angriffsfläche.
Für die UEFA tickt die Uhr
„Es kann nicht sein, dass derjenige, der die heutigen Zustände zu verantworten hat, den dringend nötigen Reformprozess steuert“, sagte Neuendorf. Doch für die UEFA tickt die Uhr. Ob CONCACAF-Chef Victor Montagliani oder AFC-Boss Salman bin Ibrahim Al Khalifa in einen Wahlkampf mit Infantino ziehen wollen, ist offen.
Weitere News
Aleksander Ceferin und Nasser Al-Khelaifi winkten bereits ab. Die Frist für die Nominierung einer Alternative läuft am 18. November ab – das Gipfeltreffen in Berlin ist also schon wegweisend.