Schmadtke-Aus: Max Eberl verliert beim FC Bayern mehr als nur einen Vertrauten

"Haben vollstes Vertrauen in den Kader"
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"Haben vollstes Vertrauen in den Kader"

Der Abschied von Nils Schmadtke beim FC Bayern ist weit mehr als eine gewöhnliche Personalentscheidung. Hinter den Kulissen verschieben sich die Machtverhältnisse. Eine Entwicklung, die viel über das Innenleben des Rekordmeisters verrät.

So viel Lob für einen Mitarbeiter, von dem man sich unbedingt trennen möchte, gibt es beim FC Bayern nicht alle Tage. In einer erstaunlich kurzen Pressemitteilung verkündete der Rekordmeister am Montagabend den Abschied von Scouting-Chef Nils Schmadtke zum 31. Januar 2027.

Sportvorstand Max Eberl bedankte sich darin für dessen „sehr gute Arbeit“ und würdigte die vielen neuen Ideen seines Vertrauten. Schmadtke wiederum zeigte sich stolz auf die gemeinsam erreichten Fortschritte und lobte die „großartige Zusammenarbeit“.

Nils Schmadtke verlässt den FC Bayern Ende Januar 2027
Nils Schmadtke verlässt den FC Bayern Ende Januar 2027Nils Schmadtke verlässt den FC Bayern Ende Januar 2027© IMAGO/fohlenfoto

Alles wunderbar also? Fast könnte man meinen, Schmadtke habe um seine vorzeitige Vertragsauflösung gebeten, weil es beim FC Bayern schlicht nichts mehr zu verbessern gibt. Die Realität sieht anders aus. Und sie erzählt viel über die aktuellen Machtverhältnisse beim deutschen Rekordmeister.

FC Bayern: Schmadtkes Aus hatte sich bereits angedeutet

Bereits im August hatte sich ein mögliches Aus Schmadtkes angedeutet. Die Folge anhaltender Kritik an seiner Arbeit und der der Scouting-Abteilung.

Besonders brisant: SPORT1-Informationen zufolge machten einzelne Führungskräfte damals die Scouts dafür verantwortlich, dass immer wieder vertrauliche Personalplanungen in der Öffentlichkeit landeten. Wichtig dabei: Der Verdacht richtete sich gegen die Scouting-Abteilung, nicht gegen Schmadtke persönlich.

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Fakt ist: Schmadtke brachte durchaus eigene Vorstellungen und Ideen ein, die innerhalb des Vereins nicht immer auf Zustimmung stießen. Der Head of Scouting wollte gestalten und konnte Erfolge vorweisen, hatte aber offensichtlich nicht bei allen maßgeblichen Personen den nötigen Rückhalt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang vor allem die Rolle von Max Eberl. Schließlich hatte der Sportvorstand Schmadtke im Oktober 2024 nach München geholt. Als im Sommer erstmals öffentlich über eine Trennung spekuliert wurde, verteidigte Eberl seinen Vertrauten entschieden. Die Debatte gehe ihm zu weit, erklärte er damals und warnte davor, Menschen zu diffamieren.

Eberl kämpfe um seine eigene Zukunft

Intern allerdings setzte sich der Sportvorstand nicht mit letzter Konsequenz für Schmadtke ein beziehungsweise konnte es nicht. Ein möglicher Grund: Er kämpfte zu diesem Zeitpunkt selbst um seine Zukunft. Seine Vertragsverlängerung war noch nicht final beschlossen, Zweifel an seiner eigenen Arbeit wurden öffentlich diskutiert.

Dass er in dieser Situation nicht auch noch einen größeren Machtkampf um und für seinen Vertrauten führen wollte, erscheint zumindest plausibel. Eberls Vertrag wurde Ende August schließlich bis 2029 verlängert. Schmadtke hingegen war nicht mehr zu retten.

Machtverschiebung beim FC Bayern wird deutlich

Denn während Eberl seine eigene Zukunft absicherte, wurden beim FC Bayern die Zuständigkeiten neu geordnet. Besonders aufschlussreich waren diesbezüglich die Aussagen von Karl-Heinz Rummenigge in einem Interview mit der Abendzeitung Ende September. Der Aufsichtsrat erklärte, dass Sportdirektor Christoph Freund und Campus-Leiter Jochen Sauer künftig die vollständige Verantwortung für den Nachwuchsbereich tragen würden.

Noch interessanter fiel seine Antwort auf die Frage nach einem möglichen Nachfolger für Schmadtke aus. „Das Scouting ist Sache des Sportdirektors, Max Eberl als Sportvorstand steht darüber“, erklärte Rummenigge.

Eine bemerkenswerte Aussage. Denn sie machte schon damals deutlich, dass der Einfluss Eberls auf die operativen Personalentscheidungen in diesem Bereich begrenzt sein würde. Formal bleibt er als Sportvorstand selbstverständlich über Freund angesiedelt. Doch das Organigramm allein verrät beim FC Bayern längst nicht alles über die tatsächlichen Machtverhältnisse. Freund und Sauer haben am Campus weiter an Einfluss gewonnen, zudem liegt die unmittelbare Verantwortung für das Scouting beim Sportdirektor.

Eberl dagegen verliert mit Schmadtke einen engen Verbündeten, dessen Schicksal er letztlich nicht mehr entscheidend beeinflussen konnte. Dass Rummenigge bei Eberls Vertragsverlängerung sogar über ein Nein nachgedacht hatte und sich schließlich enthielt, verleiht dieser Konstellation zusätzliche Brisanz. Auch wenn der frühere Vorstandschef seine Entscheidung vor allem mit dem Ablauf des Verfahrens begründete.

Schmadtkes potenzieller Nachfolger ist mit Freund verbunden

Wie weit die Neuordnung bereits fortgeschritten ist, zeigt auch die Suche nach einem Nachfolger. Als möglicher Kandidat gilt Christopher Vivell, der aktuell für Manchester United tätig ist. Er verfügt über gute Verbindungen zu Freund. Beide kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit bei RB Salzburg.

Sollte Vivell tatsächlich nach München wechseln, wäre dies auch machtpolitisch bemerkenswert: Auf einen engen Vertrauten Eberls könnte ein Mann folgen, der vor allem mit Freund verbunden ist.

Auch der Zeitpunkt von Schmadtkes Abschied verdient Beachtung. Nach SPORT1-Infos stand zwischenzeitlich sogar eine Trennung zum 1. Dezember zur Diskussion. Offiziell endet das Arbeitsverhältnis nun erst Ende Januar.

Die Grenzen von Eberls Macht werden sichtbar

Und Eberl? Der Sportvorstand hat seinen Vertrag bis 2029 sicher, bleibt für die sportliche Gesamtstrategie verantwortlich und ist weiterhin eine zentrale Figur beim FC Bayern. Allerdings zeigt der Fall Schmadtke, dass er nicht jede Personalentscheidung nach seinen Vorstellungen gestalten kann. Sein eigener Einfluss ist nicht verschwunden, aber die Grenzen seiner Macht werden sichtbar.

Für Freund und Sauer bedeutet die Entwicklung dagegen eine weitere Stärkung ihrer Position. Der FC Bayern hat am Montagabend also nicht nur einen Scouting-Chef verabschiedet. Er hat auch ein weiteres Kapitel in puncto Machtverschiebung geschrieben.

Dass all das mit ein paar freundlichen Abschiedsworten erledigt werden sollte, passt zum Rekordmeister. Dass hinter diesen Worten deutlich mehr steckt, allerdings auch.

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