100.000 Würfe täglich für den Meistertraum. Also über 8300 für jeden der zwölf Spieler beim FC Bayern. Macht 17,4 pro Minute an einem Acht-Stunden-Tag ohne Pause.
Spiel 4 der BBL-Finals: Taylor ragt beim FC Bayern heraus
Stehaufmann mit Auftrag zum Ballern
Mag sein, dass Trainer Svetislav Pesic etwas übertrieben hat nach dem furiosen Auftritt des Titelverteidigers, der durch das 83:73 gegen die Brose Baskets Bamberg ein Entscheidungsspiel um den Titel in der Beko BBL (So., 14.45 Uhr im LIVETICKER auf SPORT1.de u. im Stream auf telekom-basketball.de) erzwang.
Doch bei seinem Kapitän deutete alles darauf hin, dass er sein Pensum eingehalten hatte. Aus acht, aus neun, aus zehn Metern netzte Bryce Taylor die Dreier ein. Am liebsten jeweils dann, als die Bamberger ein wenig Hoffnung schöpften.
"Bitte werfen!"
"Unser Plan ist, dass Taylor immer so spielt", verkündete ein bestens gelaunter Pesic hinterher. Und wiederholte dann vor den Journalisten lautstark den Auftrag zum Ballern, den er dem US-Amerikaner erteilt hatte: "Ich habe gesagt: Werfen! Bitte werfen! Werfen!"
Wenn Taylor drei von sieben Dreiern träfe sei das gut. "Vier von acht - wir gewinnen das Spiel", so die Hochrechnung des Trainers. Doch der Flügelspieler übererfüllte das Soll, versenkte noch vor dem Schlussviertel seinen fünften Dreier zum 64:49 - im fünften Versuch.
"Ich war wirklich motiviert, eine große Leistung abzuliefern. Ich habe mir den Tag über ausgemalt, wie meine Würfe fallen, und dann ist es tatsächlich passiert", staunte der Matchwinner bei telekom-basketball.de.
Wieder auswärts in den Showdown
Taylor, mit 22 Punkten Topscorer, freut sich nun auf den Showdown auf gegnerischem Parkett, "da wir schon gegen Berlin in dieser Situation waren".
Auch in jenem denkwürdigen Spiel 5 bei ALBA war der Sohn des NBA-Scharfschützen Brian Taylor einer derjenigen, die den Meister am Leben hielten. Unter anderem mit einem unglaublichen Dreier im Fallen in der Schlussminute der regulären Spielzeit.
"Manchmal kommt es einfach darauf an, seine Würfe zu verwandeln", sinnierte der 28-Jährige.
Auch nach Comeback gehandicapt
Allerdings sind auch die Misserfolge der Münchner in dieser Spielzeit eng mit dem Namen Bryce Taylor verknüpft.
Eine komplizierte Adduktorenverletzung hatte den Modellathleten monatelang außer Gefecht gesetzt. Just, nachdem er seinen Vertrag vorzeitig bis 2016 plus Option verlängert und das Kapitänsamt übernommen hatte. Und dies unbedingt mit Topleistungen rechtfertigen wollte. "Das war die schwerste Zeit meiner Karriere", meinte er.
In der Euroleague fehlte Taylor schmerzlich, bei seinem Comeback im Dezember gegen Zgorzelec war das Vorrunden-Aus schon besiegelt.
Und beim Achtelfinal-Aus im Eurocup gegen Valencia lieferte er ebenso dürftige Statistiken ab wie beim Pokal-K.o. in Berlin - die Folgen der Verletzung waren ein hartnäckiges Handicap.
"Ich würde heute noch spielen"
Nun aber ist er topfit, steigerte seine Ausbeute in den Playoffs auf durchschnittlich 11,5 Punkte pro Partie und trifft starke 43,4 Prozent seiner Dreier.
Achtmal hielt er am Mittwoch von draußen drauf und hat auch beim letzten Spiel der Saison den Persilschein von Pesic.
Was den Head Coach sogar ein bisschen neidisch macht: "Hätte mein Trainer mich früher so viel werfen lassen, ich würde heute noch spielen."