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FIVB Beach Volleyball World Championships - Day 2
FIVB Beach Volleyball World Championships - Day 2 © Getty Images
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Beachvolleyball hat sich schnell als eigenständiger Wettbewerb vom Hallenvolleyball emanzipiert und erfreut sich großer Beliebtheit. SPORT1 erklärt die Regeln.

Hallenvolleyball erfreut sich vor allem in Amerika und Europa schon lange einer großen Beliebtheit.

Beachvoleyball hingegen hatte lange den Charakter einer Freizeitveranstaltung am Strand. Seinen Aufstieg als eigene Sportart feierte die Volleyballvariante im Sand erst in den 1990ern. Ab diesem Zeitpunkt war der Erfolg aber nicht mehr aufzuhalten.

Seit den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 ist Beachvolleyball Bestandteil des offiziellen Programms und gehört dort aufgrund der Strandatmosphäre und lauten Musik regelmäßig zu den absoluten Publikumsmagneten.

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Allerdings ist Beachvolleyball mehr als nur Sonne, Sand und gute Laune. Es ist ein knallharter Wettkampfsport, der den Athleten körperliche und geistige Höchstleistungen abverlangt.

Wie bei jedem Wettkampfsport muss dabei auch im Beachvolleyball ein festes Regelwerk befolgt werden.

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SPORT1 erklärt die wichtigsten Regeln, die vom Weltverband FIVB festgelegt werden.

Spieler

Ein Beachvolleyball-Team besteht aus zwei Spielern. In Freizeitmannschaften können auch Auswechselspielern vorkommen, im Wettbewerb sind allerdings nur zwei Spieler vorgesehen. Ein Spieler des Duos muss als Mannschaftskapitän bestimmt werden.

Kleidung

Die Spielerkleidung sorgte lange Zeit für Zündstoff beim Beachvolleyball. Während Männer in Shorts und Shirt spielen dürfen, war den Frauen lange Zeit ein Bikini vorgeschrieben. Dies führte immer wieder zu Sexismus-Vorwürfen. 2012 wurde diese Regel geändert. Nun dürfen Frauen auch mit Shorts, die über den Knien enden und Shirts spielen.

FIVB Beach Volleyball World Tour - Itapema
FIVB Beach Volleyball World Tour - Itapema © Getty Images

Dazu agieren die Spieler auf dem Spielfeld barfuß.

Spielfeld

2001 fand die letzte Regeländerung bezüglich der Spielfeldgröße statt. Während das Feld davor 18x9 Meter goß war, hat man es nun auf 16x8 Meter verkleinert. Das rechteckige Spielfeld ist durch das Netz auf zwei 8x8 Meter große Quadrate unterteilt. Die Spielfeldbegrenzung wird durch fünf Zentimeter breite, elastische Bänder angezeigt.

Außerhalb des Spielfeldes ist eine drei Meter breite Freizone zum Schutz der Spieler verpflichtend vorgeschrieben. Eine Mittellinie unterhalb des Netzes gibt es nicht. Spieler dürfen die gegnerische Hälfte betreten, wenn der Gegner dadurch nicht gestört wird. Ansonsten ist es ein Regelverstoß, der mit einem Punkt für den Gegner gewertet wird.

Das Netz hat wie beim Hallenvolleyball an der oberen Kante eine Höhe von 2,43m (Männer) bzw. 2,24m (Frauen) und ist 8,5m breit. An den Seiten ist jeweils eine Antenne angebracht. Der Ball darf das Netz nur zwischen diesen beiden Antennen überqueren.

Ball

Im Vergleich zum Hallenvolleyball ist der Ball beim Beachvolleyball geringfügig größer. Der Umfang muss zwischen 66-68cm liegen. Das Gewicht ist auf 260-280g festgelegt. Allerdings hat der Ball einen geringeren Druck als beim Hallenvolleyball (294-319mbar). Hier sind laut Regelwerk 171-221mbar vorgesehen.

Spielverlauf

Entsprechend den Regeln beim Hallenvolleyball gibt es auch bei der Strandvariante einzelne Gewinnsätze. Ein Team muss zwei Sätze für sich entscheiden, um das Match zu gewinnen.

Die ersten beiden Sätze werden bis 21 gespielt, wobei die Regel "Zwei-Punkte-vor" gilt. Sollte es nach zwei Durchgängen unentschieden stehen, wird der dritte Satz als Tie-Break gespielt. In diesem verkürzten Satz geht es nur bis 15. Die Zwei-Punkteregel hat aber weiterhin Gültigkeit.

Bis 2001 konnten Punkte wie beim Hallenvolleyball lediglich bei eigenem Aufschlag erzielt werden. Seit 2001 gilt aber auch beim Beachvolleyball das Rally-Point-System, d.h. Punkte können nun bei jedem Ballwechsel erzielt werden.

Da Beachvolleyball eine Freiluftsportart ist, kann es zu Einflüssen äußerer Faktoren wie z.B. Wind oder Sonne kommen. Um diese einigermaßen auszugleichen, wird nicht nur zwischen den Sätzen ein Seitenwechsel vollzogen, sondern jeweils nach sieben Punkten. Im Tie-Break bereits nach fünf Zählern.

Zwischen den Sätzen gibt es jeweils eine Minute Regenerationszeit.

Ein Ballwechsel muss zwingend mit einem Aufschlag eröffnet werden. Dieser erfolgt von hinter der Grundlinie. Das Aufschlagrecht verbleibt solange bei einem Team, wie es Punkte erzielt. Wenn das gegnerische Team punktet, wechselt das Aufschlagrecht.

Beim Beachvolleyball darf der Ball mit jedem Körperteil gespielt werden, einzig der Aufschlag muss mit der Hand oder dem Arm ausgeführt werden.

Wie werden Punkte erzielt?

Wie viele andere Sportarten auch, ist Beachvolleyball ein Fehlerspiel, d.h. Teams werden durch Fehler des Gegners Punkte erzielt.

Fehler, die zu einem Punkt des Gegners führen:

  • der geschlagene Ball landet im Aus (Aus ist ein Ball erst, wenn er vollständig außerhalb des Feldes auf dem Boden landet. Berührt ein Teil des Balles die Linie, zählt er als "in")
  • der Ball berührt im eigenen Spielfeld den Boden
  • Netzüberquerung des Balls außerhalb der Antennen
  • der Ball überquert unter dem Netz die Feldmitte
  • der Ball wird gehalten oder geworfen
  • zwei Kontakte eines Spielers hintereinander (Ausnahme Block)
  • mehr als drei Ballberührungen als Team
  • Ballkontakt auf der gegnerischen Feldseite

Wie darf der Ball gespielt werden?

Grundsätzlich sind auch beim Beachvolleyball maximal drei Ballberührungen pro Team erlaubt. Nach der dritten Ballberührung muss der Ball zwingend das Netz überqueren. Eine vierte Berührung ist ein Fehler. Allerdings dürfen beide Spieler gleichzeitig den Ball berühren, dies gilt allerdings auch als zwei Berührungen. Danach darf ein beliebiger Spieler des Teams den nächsten Ballkontakt ausführen.

Die Ausnahme sind Ballberührungen oberhalb des Netzes, z.B. beim Block. Kommt es hier zu einer gleichzeitigen Berührung, verbleiben danach trotzdem drei weitere Kontakte. Auch ist ein Druckball zwischen zwei Gegnern kein Fehler. Vergleichbar einem Pressschlag beim Fußball geht es danach normal weiter.

Normalerweise darf der Kontakt beim Pritschen und Baggern nur auf das Abprallen des Balls von den Fingern und Unterarmen beschränkt sein. Sollte allerdings ein hart geschlagener Ball abgewehrt werden, darf er im oberen Zuspiel einen Moment lang gehalten werden. Dieser Moment liegt aber im Ermessen des Schiedsrichters und gibt häufig Anlass zur Diskussion.

Beach Volleyball - Buenos Aires Youth Olympics: Day 11
Beach Volleyball - Buenos Aires Youth Olympics: Day 11 © Getty Images

Gehört das Netz zum Spielfeld?

Berührt der Ball das Netz, darf danach trotzdem weitergespielt werden, sofern noch nicht drei Kontakte ausgeführt wurden. Erst wenn der Ball den Boden berührt, ist der Ballwechsel beendet.

Spielern ist der Netzkontakt allerdings verboten, wenn sie aktiv am Spiel teilnehmen. Ausnahme sind hier lediglich Netzberührungen mit den Haaren oder wenn das Netz durch den Ball bewegt wird und dadurch eine Netzberührung entsteht.

Andere Spielfeldteile (z.B. die Netzpfosten) dürfen nach dem Schlag jederzeit berührt werden.

Das Blocken

Das Blockspiel ist eine der beiden Grundkomponenten in der Verteidigung und hat eine große Bedeutung beim Erzielen von Punkten. Daher ist das Blocken in den Regeln auch genau definiert. Für einen Block gilt,

  • dass der blockende Spieler den Ball direkt danach ein weiteres Mal berühren darf
  • dass das Übergreifen erlaubt ist, wenn der Gegner dadurch nicht behindert wird
  • dass nach dem Block noch zwei weitere Kontakte übrig sind
  • dass das Blocken des gegnerischen Aufschlags verboten ist
p1440 Huntington Beach
p1440 Huntington Beach © Getty Images

Rotation

Im Gegensatz zum Hallenvolleyball gibt es beim Beachvolleyball keine festen Positionen. Daher gibt es eine Rotation nur beim Aufschlag. Ein Spieler schlägt solange auf, wie das Team das Aufschlagrecht hat. Verliert ein Team das Aufschlagrecht und gewinnt es dann wieder zurück, muss der andere Spieler zum Service.

Schiedrichter

Beim Beachvolleyball gibt es zwei Hauptschiedsrichter, die unterschiedliche Funktionen übernehmen. Ein Hauptschiedsrichter steht auf einem Podest am Netzpfosten und entscheidet, welches Team den Ballwechsel für sich entscheiden hat. Der zweite Hauptschiedsrichter steht ebenerdig am gegenüberliegenden Netzpfosten und überwacht etwaige Netzfehler und die Arbeit der Schreiber hinter ihm.

BEACH VOLLEYBALL-OLY-2016-RIO-BRA-ITA
BEACH VOLLEYBALL-OLY-2016-RIO-BRA-ITA © Getty Images

Unterstützt werden sie von vier Linienrichtern, die Aus-Bälle anzeigen.

Unterschiede zum Hallenvolleyball - kurz zusammengefasst

  • keine Rotation
  • keine Sichtblocks, der aufschlagende Spieler muss jederzeit klar zu sehen sein
  • der Block zählt beim Beachvolleyball als erste Ballberührung
  • Pritschen über das Netz ist mit Gesicht zum Netz erlaubt
  • ein Lob darf nicht mit dre offenen Hand gespielt werden, nur mit den Fingerknöcheln
  • ein längerer Ballkontakt ist beim Aufschlag im Beachvolleyball nicht erlaubt
  • bei einer Verletzung wird das Spiel sofort unterbrochen und der Spielzug wiederholt

Video-Challenge

Auch im Beachvolleyball ist die Video-Challenge noch relativ neu. Erstmalig wurde sie durch das FIVB bei den Olympischen Spielen 2016 eingeführt. Aber im Gegensatz zum Fußball hat der Videobeweis eine viel höhere Akzeptanz.

Dies liegt vielleicht auch daran, dass die Teams entscheiden müssen, ob sie eine Entscheidung überprüfen lassen wollen. Pro Satz kann dies jedes Team zwei Mal machen. Hat das Team zu Recht Einspruch eingelegt, erhalten sie noch eine dritte Möglichkeit. Bei großen Events werden die überprüften Situationen über eine Leinwand den Zuschauern gezeigt. Dies ist aber kein Muss.

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