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Rick Goldmann traut den Mannheimern im DEL-Finale viel zu
Rick Goldmann traut den Mannheimern im DEL-Finale viel zu © SPORT1-Montage: Getty Images/SPORT1
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München - Rick Goldmann blickt in seiner SPORT1-Kolumne auf die Halbfinal-Serien zurück und auf das Traumfinale voraus. Dabei hat er bei Mannheim fünf Faktoren ausgemacht.

Hallo Eishockey-Freunde,

was machen diese DEL-Playoffs nur mit uns? Sie schänden uns nervlich bis zum Äußersten. Eigentlich hatte ich nach den nervenaufreibenden Serien in den Viertelfinals nicht mehr an Steigerungspotenzial geglaubt, aber diese Halbfinals hatten es.

Und jetzt steht es fest: das ultimative, das Traumfinale – das Duell der besten beiden Mannschaften, die für Rekorde in der Hauptrunde gesorgt haben. Mit den Adler Mannheim und Titelverteidiger EHC Red Bull München treffen die konstantesten Mannschaften mit den qualitativ besten und tiefsten Kadern aufeinander (DEL-Finale, Spiel 1: Mannheim - München ab 19.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

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Aber während sich die Mannheimer in der vergangenen Woche von den Strapazen des Halbfinal-Duells mit den Kölner Haien erholen konnten, musste sich München drei zusätzliche Spiele gegen die Augsburger Panther abrackern, um ins Finale einzuziehen. Und wie.

Mit München gegen Augsburg sahen wir eine epische Serie über 7 Spiele, die zugleich die längste Playoffserie ever war mit insgesamt über 500 Spielminuten. Von dieser Stelle auch noch einmal Glückwunsch und großes Lob an die Augsburger Panther und Coach Mike Stewart, was sie uns für Freude und Spaß in dieser Saison bereitet haben. Das war großes und begeisterungsfähiges Eishockey.

Jetzt aber zur Finalserie. Die Mannheimer sind mit beeindruckender Geschwindigkeit durch ihre Viertel- und Halbfinalserie gerauscht – auch wenn es phasenweise äußerst eng war. Dazu haben ihnen fünf Faktoren verholfen: Eine starke, ausgeglichene Mannschaftsleistung, ein hochklassiges und effizientes Powerplay, sowie Markus Eisenschmid, Mark Katic und Dennis Endras.

Eisenschmid und Katic sind zwei Spieler, die bisher aus dem starken Kollektiv herausstechen, die die Spiele an sich reißen, wenn es sein muss. Eisenschmid mit seinem Killerinstinkt vor dem Tor und seinem sensationellen Schuss. Nicht umsonst sind die NHL-Scouts wieder auf ihn aufmerksam geworden. Achtet mal auf seinen Onetimer im Powerplay vom linken Bullykreis – phänomenal.

Und Katic lenkt und leitet das Spiel mit seiner Übersicht und seinem Spielgefühl. Und dann steht im Kasten noch Dennis Endras, der mit unglaublicher Ruhe auch dann zur Stelle ist, wenn er zuvor kaum gefordert ist. Seine zwei Shutouts in vier Halbfinalspielen sprechen eine deutliche Sprache.

Bei den Münchnern wurde zuletzt immer wieder über die schwache Leistung in Überzahl gesprochen und das kann ein elementarer Bestandteil sein, der über den Ausgang der Finalserie entscheidet: Special Teams.

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Denn aus der Hauptrunde wissen wir, wie eng die Serie zwischen München und Mannheim war und sein wird. Zwei Siege München – einen im Shootout, einen nach 60 Minuten –, zwei Siege Mannheim – einen im Shootout, einen nach 60 Minuten. Der einzige Unterschied: München hatte 2:1 in Mannheim gewonnen, Mannheim in München 3:1 – und das 3:1 war ein Emptynetter. Das Kuriose dabei: Alles Auswärtssiege. Das zeigt also zusätzlich, wie sehr dieses Duell auf des Messers Schneide steht.

Was dem Finale noch eine persönliche Note verleiht, ist das Duell Pavel Gross gegen Don Jackson. Die beiden Coaches stehen sich zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren im Finale gegenüber. Für Gross eine besondere Motivation nach zwei Niederlagen – und diesmal hat er eine qualitativ deutlich stärkere Truppe...

Es ist schwer, einen Sieger vorherzusehen, allerdings haben die Mannheimer einen souveränen Eindruck in den Playoffs hinterlassen. Und mit fast 320 Minuten weniger Spielzeit sollten die Adler auch die frischeren Beine haben.

Aber wie heißt es so schön: Schreib niemals das Herz eines Champions ab. Und durch die Serie gegen Augsburg hat sich München nicht nur perfekt eingespielt, sondern sie haben auch nochmals Selbstvertrauen zugelegt. Hinzukommt, dass die Spielweise der Mannheimer sehr der Spielweise der Münchner ähnelt und sich dadurch ein ganz anderes Spiel ergibt, als die Augsburger es zugelassen haben.

Vielleicht schafft es diese Serie, die Dramatik vom Halbfinale zu toppen, mit herausragendem Sport, so wie es uns beide Teams schon in der Hauptrunde gezeigt haben. Denn das war Eishockey vom allerfeinsten, noch einmal eine Klasse besser.

Euer Rick

Rick Goldmann, 42, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft und der DEL.

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