vergrößernverkleinern
Rick Goldmann über die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft
Rick Goldmann über die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft © SPORT1/Getty Images
Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

Köln - SPORT1-Experte Rick Goldmann schwärmt vor Beginn der Eishockey-WM von einem Nachwuchstalent, analysiert die Chancen des DEB-Teams und nennt seine Top-Favoriten.

Liebe Eishockey-Freunde,

in wenigen Stunden geht es endlich los mit der #HeimWM (5. bis 21. Mai LIVE im TV auf SPORT1). Die Vorfreude ist riesig. Bei mir, bei der Mannschaft und mit Sicherheit auch bei euch Fans.

Zum Auftakt geht es wieder gegen die USA. Da werden Erinnerungen an die Heim-WM 2010 wach.

Anzeige

Was waren das für Momente, für Emotionen. Das Spiel vor Rekordkulisse auf Schalke. Das Tor von Felix Schütz in der Overtime. Das Viertelfinale gegen die Schweiz. Dennis Endras mit der deutschen Fahne. Das Halbfinale gegen Russland. Es war der größte Erfolg einer deutschen Mannschaft bei einer WM meiner Generation.

Diese Momente sind Segen und Fluch zugleich. Die Spieler wissen, was möglich ist. Sie dürfen sich aber nicht von dem großartigen Abschneiden damals blenden lassen und denken, dass es wieder so laufen wird. Zumal sie an dem Abschneiden von 2010 gemessen werden. Jeder Einzelne muss in jedem einzelnen Spiel hart arbeiten, um die Chance auf das Viertelfinale wahrzunehmen (So läuft die Eishockey-WM).

Aber es gibt durchaus Parallelen: Wie 2010 Uwe Krupp kann auch Marco Sturm von Beginn an auf Akteure aus Nordamerika zurückgreifen: Mit Thomas Greiss, Dennis Seidenberg und Tobias Rieder stehen drei NHL-Akteure im deutschen Aufgebot.

Sturm konnte bei der Kaderauswahl ohnehin aus dem Vollen schöpfen: Greiss, Seidenberg, Christian Ehrhoff, Frank Hördler und Konrad Abeltshauser stehen symbolisch für das Prunkstück der deutschen Mannschaft, die Defensive.

Dazu kommen erfahrene Akteure im Angriff, wie etwa Philip Gogulla, Felix Schütz, Patrick Hager, Yannic Seidenberg oder Patrick Reimer.

Gleichzeitig aber auch die jungen Wilden Rieder, Dominik Kahun und Frederik Tiffels, die mit ihrer Leichtigkeit und ihrem Speed begeistern. Das ist eine gelungene Mischung. Gerade Tiffels hat mich äußerst positiv überrascht.

Stark, wie Sturm den aus dem Hut gezaubert hat. Tiffels hat mich in der Vorbereitung vollends überzeugt mit seiner Unbekümmertheit, seiner frischen Art und seinem Speed. Er kann im deutschen Team die Überraschung der WM werden. Die Mischung im Team stimmt schon mal!

Eine Überraschung darf es nicht sein, es muss das Ziel sein: Viertelfinale. Daran geht nichts vorbei. Und die Chancen, den vierten Platz in der Gruppe zu belegen, sind gut.

Die Fans im Rücken können gegen Gegner auf Augenhöhe wie Dänemark, Slowakei und Lettland den entscheidenden Unterschied ausmachen, den entscheidenden Push geben. Und wer weiß, vielleicht ist auch gegen einen der Großen die eine oder andere Überraschung drin.

Die Partie gegen die USA (20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1), die Art und Weise, wie man ins Turnier startet, kann schon einmal einen Vorgeschmack auf das gesamte Abschneiden geben. Ein Vorteil der deutschen Mannschaft ist sicherlich, dass die USA nur ein Vorbereitungsspiel vor dem Turnier absolviert hat, sich noch nicht gefunden hat (Der Spielplan zum Ausdrucken).

Bitter ist hingegen, dass mit Schweden und Russland nach dem USA-Spiel zwei meiner drei Top-Favoriten auf den WM-Titel auf die deutsche Mannschaft warten. Da hätten keine schwereren Brocken kommen können.

Die Schweden sind gerade in der Defensive unglaublich besetzt. Das ist fast schon eine NHL-All-Star-Auswahl. Hedman, Ekman-Larsson, Edler, Klingberg, Stralman – das ist überragend. Gleichzeitig ist das ein sehr junges Team, das einen enormen Biss hat.

Die Sbornaja besteht aus erfahrenen KHL-Profis wie Sergei Mosjakin, aus NHL-Stars wie Artemi Panarin und zahlreichen richtig guten, jungen Spielern. Vor allem auf NHL-Toptalent Iwan Proworow dürfen wir uns freuen.

Der dritte Topkandidat ist Kanada, der Weltmeister. Das ist wieder eine richtig, richtig starke Truppe. Giroux, Duchene, MacKinnon, Simmonds... Ich weiß gar nicht, wo ich aufhören soll. Insgesamt ist es ein sehr stark besetztes Turnier. Viele NHL-Stars - qualitativ richtig gute Spieler (Alle Infos zur #HeimWM)

Bei Gegnern wie den USA mit Spielern wie Jack Eichel und Johnny Gaudreau bleibt der deutschen Mannschaft nur zu wünschen, dass sie gut ins Turnier startet und danach ins Rollen kommt. Dann ist das Viertelfinale möglich.

Ich würde der deutschen Mannschaft und auch den Fans diesen Erfolg wünschen.

Euer Rick

Rick Goldmann, 41, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image