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Elias "Upset" Lipp ist deutscher eSportler bei Schalke 04.
Elias "Upset" Lipp ist deutscher eSportler bei Schalke 04. © LoL eSports/Pixabay
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Im Koalitionsvertrag der GroKo ist auch die Anerkennung des eSports als Sport ein Thema. SPORT1 erklärt, warum dieser Schritt so wichtig ist.

  • Ausbau umfangreicher Ligen- und Vereinsstrukturen
  • Förderungen für Gemeinnützigkeit
  • Mehr Attraktivität für Sponsoren und Szenefremde
  • Gesellschaftlicher Status der eSportler wächst

Die SPD-Basis hat der Großen Koalition die Zustimmung erteilt. Im Februar veröffentlichte die GroKo aus CDU, CSU und SPD ihren Vertrag für die zukünftige Zusammenarbeit in der Regierung. Auf Seite 48 unter der Überschrift "Besseres Leben durch Fortschritt" wird auch die Rolle des eSports angesprochen.

"Da E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen" steht dort geschrieben. Ein Eingeständnis an die Relevanz des elektronischen Sports.

Warum braucht eSports die Anerkennung?

Prinzipiell kann man sagen, dass eSports auch ohne Sportstatus in Deutschland gewachsen ist und regelmäßig Hallen wie die LANXESS Arena in Köln füllt. Doch dort sprechen wir von den wahren Topathleten in ihren jeweiligen Spielen. 

Dabei ist kompetitives Spielen ein Massenphänomen. Eine Anerkennung hätte weitreichende Vorteile für den Amateursport und ebnet auch für viele Szenefremde ein einfacheren Zugang.

Strukturen, die aktuell noch fehlen

Im Fußball sind die Amateurligen eine feste Instanz und über die Bundesländer mit ihren einzelnen Verbänden geregelt. Solche Strukturen gibt es im eSports nicht. Zwar stellen Unternehmen wie der Veranstalter ESL oder die Agentur Freaks4u Amateurligen, doch ein ganzheitliches Konzept auf Bundesebene fehlt weiterhin. Über die Anerkennung als Sport könnte sich so in Zukunft eine Ligenstruktur wie in den anderen Sportarten entwickeln.

DreamHack Leipzig: Finaltag beim eSports-Spektakel

Einen übergeordneten Verband wie im Fußball den DFB gab es lange Zeit trotz vieler Versuche nicht. Im November 2017 wurde mit der Gründung des eSport-Bund Deutschland (kurz: ESBD) ein Institution etabliert, die diese Lücke füllen will. Der ESBD begrüßte das GroKo-Papier, wie Präsident Hans Jagnow verlauten ließ: "Das könnte der Wendepunkt in der Diskussion um eSports in Deutschland sein."

Gemeinnützigkeit statt Profitdenken

Auch die fehlenden Vereinsstrukturen sind eines der Probleme der jungen Sportart. Die meisten der erfolgreichen eSports-Organisationen sind profitorientiert und nicht auf gemeinnütziger Basis gegründet. Ein Problem, dass auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im vergangenen Jahr anmerkte: "Die Computerspielbranche ist eine Wirtschaftsbranche, will Gewinne erzielen und hat dann im Umkehrschluss keinen Zugang zu einem gemeinnützigen Bereich."

In der aktuellen Freitagsausgabe der Rheinischen Post zeigte sich DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch nun aber offen für die Aufnahme von eSports als offizielle Sportart. Auch wenn noch einige Probleme gelöst werden müssten. 

Als Gegenentwurf zum reinen Geldmachen haben sich mit Magdeburg eSports e.V., Leipzig eSports e. V. oder Stofftiere Online e.V. schon Gaming-Organisationen ins deutsche Vereinswesen integrieren können. Ein Entwicklung, die weiter wachsen muss. Denn wenn das GroKo-Papier umgesetzt wird, können eSports-Aktive genauso Förderungen für ehrenamtliche Arbeit bekommen wie es in anderen Sparten der Fall ist.

Mehr Attraktivität für Sponsoren und große Namen

In der Fußball-Bundesliga sind zudem schon ein paar Vereine auf den eSports-Zug aufgesprungen. Doch mit der offiziellen Anerkennung als Sportart lässt sich diese Sparte leichter in den Verein eingliedern und auch vermarkten. Plötzlich sind es nicht mehr die Gamer hinterm Fernseher, sondern Athleten die ihren Sport betreiben.

Ein Markt, der für noch mehr Sponsoren interessant werden kann. Berührungsängste, die bisher gegenüber den digitalen Aktivitäten präsent sind, können durch eine ganzheitliche Anerkennung gebrochen werden. Denn der eSport spricht eine junge und kaufstarke Zielgruppe wie kein anderer Sport an.

Auf einer Ebene mit Leichtathleten und Olympialäufern

Wenn nach der GroKo und vor allem der SPD-Basis auch der DOSB sein Go gibt, stehen eSportler mit Leichtathleten, Sportschützen oder Biathleten auf einer Ebene. Nur so kann auch die Gesellschaft ein Verständnis für die Relevanz der Szene bekommen. Denn genau wie die deutschen Athleten aktuell in Südkorea trainieren viele Gamer täglich bis zu acht Stunden an Maus oder Controller.

In anderen Ländern ist eSport bereits als Sportart etabliert, auch weil die Verbandsstrukturen anders geordnet sind und so die Integration leichter war. Die Organisatoren der Asienspiele haben zudem eSports bereits als offizielle Sportart für die Austragung 2022 in der chinesischen Stadt Hangzhou ins Programm genommen.

Für die bundesweite Entwicklung des eSports-Standortes Deutschland ist also ein Anerkennung als Sportart wie sie CDU, CSU und SPD gemeinsam planen, unabdingbar. ESBD-Präsident Hans Jagnow fasste seine Ansicht wie folgt zusammen: "Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr noch erleben, was für deutsche eSportlerinnen und eSportler für über 20 Jahre ein Traum blieb: die politische, rechtliche und gesellschaftliche Anerkennung als Sportart."

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