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Counter-Strike im Kampf um die Akzeptanz
Counter-Strike im Kampf um die Akzeptanz © Valve
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Wieder einmal zieht die ESL One Cologne mit Counter-Strike zehntausende Fans nach Köln. Trotzdem hat es der Shooter im FIFA-fixierten deutschen Mainstream nicht leicht.

Über 15.000 eSports-Begeisterte jeden Tag, der Jackpot mit 300.000 US-Dollar prall gefüllt - und doch fliegt die "Cathedral of Counter-Strike" am Wochenende wieder unter dem Mainstream-Radar.

Wenn die ESL One Cologne, das prestigeträchtigste eSports-Turnier in Deutschland, am Wochenende in der Kölner Lanxess Arena steigt, ist die Szene in Aufruhr. Der Otto Normalverbraucher bleibt aber noch weg. Er hat vielleicht schon einmal etwas von eSports gehört, denkt da aber eher an FIFA 19.

Ein von Hardcore-Fans wiederum wenig beachtetes Leichtgewicht im Vergleich mit dem Publikumsmagneten Counter-Strike.

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Schade ist allerdings, dass der Fanfavorit BIG (Berlin International Gaming) mittlerweile in der Vorrunde der ESL One Cologne gegen Heroic ausgeschieden ist.

Letztes Jahr hatten sie sich beliebt gemacht, indem sie sich als absoluter Underdog überraschend bis ins Finale vorgekämpft hatten. Dort verlor das Team dann allerdings gegen Natus Vincere in einem eindeutigen 1:3.

FIFA ist als eSports für Deutsche einfacher zu verstehen

"FIFA ist als eSport wesentlich zugänglicher für den deutschen Sportfan, der generell weitaus mehr mit einer Fußballsimulation anfangen kann als mit einem Taktik-Shooter", sagte Teammanager Christian Lenz von Deutschlands bestem Counter-Strike-Team BIG dem SID.

Eine paradoxe Situation, da beispielsweise das Finale der Virtuellen Bundesliga, der offiziellen deutschen FIFA-Meisterschaft, Mitte Mai nur eine Handvoll Fans in den Berliner Westhafen lockte. Dagegen ist die ESL One, die zum sechsten Mal in die Domstadt kommt, an allen drei Finaltagen von Freitag bis Sonntag mit über 15.000 Besuchern voll ausgelastet. Zum vierten Mal nacheinander.

Parallel zum "Wimbledon des Counter-Strike", wie ESL-Sprecher Christopher Flato sein Turnier nennt, finden in Hamburg in diesem Jahr die WM-Play-offs auf der Xbox in FIFA 19 statt.

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In der Vergangenheit hatten es auch internationale FIFA-Wettbewerbe beim Arenapublikum schwer, von der WM-Endrunde 2018 in London sind immer noch die vielen leeren Ränge während des Finales im Gedächtnis.

"Counter-Strike und League of Legends sind schon lange im eSport und veranstalten internationale Turniere. Bei FIFA gibt es das in ähnlicher Form erst seit knapp drei Jahren, von daher steht FIFA sozusagen im Vergleich zu den anderen Spieletiteln noch am Anfang", erklärt der deutsche FIFA-Spieler Michael Bittner von Werder Bremen.

Dieser Meinung ist auch Lenz: "Natürlich muss die Fan-Community in FIFA noch wachsen. Sie steht bei weitem noch nicht da, wo Counter-Strike heute steht." Den Shooter gibt es eben schon seit 20 Jahren, er hat Tradition im eSports.

Counter Strike hat es vergleichsweise schwer in Deutschland

Insofern ist zumindest eigenartig, wie viele Mainstream-Medien sich auf FIFA stürzen. Ein FIFA-Profi, der für einen Bundesligisten spielt, scheint dem Zeitungsleser oder TV-Zuschauer schlicht eher vermittelbar als ein Counter-Strike-Spieler von einem Team wie BIG, das außerhalb der Szene die Wenigsten kennen.

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Die Killerspiel-Debatte beeinflusst die Wahrnehmung des Spiele-Hits eben. "Die Branche hatte in Deutschland mit vielen Herausforderungen zu kämpfen, gerade im Hinblick auf die Auswirkungen von Shootern auf jüngere Spieler. Dementsprechend hat die Entwicklung hieruzulande ein bisschen langsamer begonnen und war auch sehr schleppend", sagte Flato.

Für Lenz ist die Akzeptanz aber nur eine Frage der Zeit: "Die Debatte ist in Deutschland generationengebunden." Laut Flato liegt im Mainstream "der Generations-Cut bei spätestens 45. Dementsprechend ist es umso herausfordernder, die vorherigen Generationen für den eSport zu begeistern."

Die Fans in der Lanxess Arena wird es am Wochenende kaum interessieren, wer außer ihnen noch zuschaut. Sie werden immer da sein.

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