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Von 2001 bis 2014 absolvierte Markus Krösche für den SC Paderborn 354 Spiele © Credit: Picture Alliance
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München - Paderborns Manager Markus Krösche genießt in der Branche einen glänzenden Ruf. Einige Vereine haben ihn auf dem Zettel. Jetzt spricht er bei SPORT1.

Markus Krösche hat sich innerhalb von zwei Jahren zu einem Top-Manager in der Fußball-Branche entwickelt. 

2017 wurde er beim SC Paderborn Geschäftsführer Sport, nachdem er zuvor zwei Jahre Co-Trainer von Roger Schmidt bei Bayer Leverkusen war. 

Der Wechsel hinter den Schreibtisch hat ihm gut getan. Mit Krösche an der Spitze gelang den Ostwestfalen der Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga

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Im SPORT1-Interview spricht der 38-Jährige über den Aufstieg, seine Person, Werte - und seine Zukunft.  

SPORT1: Herr Krösche, wie fühlt sich der Aufstieg einige Tage später an?

Markus Krösche: Ich bin 2014 schon als Spieler mit Paderborn in die Bundesliga aufgestiegen. Man muss sagen, dass der jetzige Aufstieg schon deutlich höher zu bewerten ist, weil wir einfach eine sehr junge, unerfahrene Mannschaft haben, die vor der Saison ganz wenig bis gar keine Profi-Erfahrung hatte. Und auch mit der Art und Weise, mit der wir Fußball gespielt haben, ist dieser Erfolg noch höher einzuschätzen als damals. Deswegen sind wir natürlich überglücklich, dass alles so geklappt hat.

SPORT1: Vor allem die Offensive war in der vergangenen Saison sehr stark.

Krösche: Absolut. Wenn man überlegt, dass wir dieses Jahr 76 Tore geschossen haben, in dem Jahr davor 90 und das nur in den Ligaspielen. Das ist schon enorm und das freut mich am meisten.

Erzgebirge Aue v SC Paderborn - 2. Bundesliga
2014 stieg Markus Krösche als Spieler mit dem SC Paderborn erstmals in die Bundesliga auf © Getty Images

SPORT1: Ab 2017 ging es für Sie immer weiter nach vorne. Obwohl der Manager-Job für Sie Neuland war.  

Krösche: Grundsätzlich ist es so, dass mir natürlich die Zeit bei Roger, aber auch generell als Trainer in Leverkusen geholfen hat und mir auch in meinem jetzigen Job hilft. Weil ich weiß, wie ein Trainer denkt und fühlt, worauf er Wert legt. Ich glaube einfach, dass viele positive Dinge dazugekommen sind. Ich bin natürlich glücklich, dass die Ideen, die ich im Kopf hatte, so toll funktioniert haben.

SPORT1: Sind Sie der perfekte Kaderplaner? 

Krösche: Das kann ich nicht beurteilen. Ich mache einfach das, was ich kann. Und das mit hundertprozentiger Überzeugung. Jede Entscheidung treffe ich aus der Überzeugung heraus und versuche, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Dinge funktionieren.

SPORT1: Hat es Sie selbst gewundert, wie schnell Sie da Anerkennung finden?

Krösche: Das ist die Dynamik des Geschäfts. Ich freue mich aber sehr darüber, kann das aber alles einordnen. Es hat jetzt zwei Jahre sehr gut funktioniert. Dann wirst du relativ schnell nach oben gespült. Aber wenn es nicht funktioniert, geht es auch relativ schnell wieder in eine negative Richtung. Grundsätzlich versuche ich mich auf das zu konzentrieren, was ich beeinflussen kann. Und das ist meine Arbeit. Ich will mich nicht so in Extremen aufhalten.

SPORT1: Was ist Ihre größte Stärke?

Krösche: Im Großen und Ganzen ist es so, dass ich Menschen mag. Ich bin gerne mit ihnen zusammen, unterhalte mich gerne mit Menschen und akzeptiere auch Fehler. Weil ich auch viele, eigene Fehler habe. Ich versuche einfach, andere Personen davon zu überzeugen, was ich vorhabe und was ich gerne mache. Ich glaube das ist so ein bisschen das, was mich ausmacht und was ich ganz gut kann. Mein Umfeld von Dingen zu überzeugen und auf die Reise mitzunehmen und trotzdem irgendwo bei sich zu lassen, das ist etwas Wertvolles.

Markus Krösche und Steffen Baumgart
Paderborns Erfolgs-Duo: Markus Krösche (l.) und Trainer Steffen Baumgart © Getty Images

SPORT1: Dann müssten Sie doch einen Niko Kovac sehr gut verstehen, nach diesem schwierigen Jahr.

Krösche: Ich finde es herausragend, wie Niko Kovac mit dieser ganzen Situation umgegangen ist. Das war für ihn wirklich brutal schwer. Dieser Erfolgsdruck auf der einen Seite und dann natürlich die "fehlende Rückendeckung" beziehungsweise diese Kommunikations-Themen, die da waren. Man muss vor ihm den Hut ziehen. Wie er das alles macht, mit welcher Ruhe und auch, wie klar er bei sich geblieben ist. Auch da gilt mein Satz, dass der Fußball einem alles zurückgibt, was man investiert. Er ist immer ruhig geblieben, hat sich nie locken lassen, sondern auf das konzentriert, was er beeinflussen kann. Jetzt gibt ihm der Fußball Recht, weil er Meister und auch Pokalsieger geworden ist.

SPORT1: Kovac hat zuletzt fehlende Menschlichkeit angeprangert. Das sagen Sie auch. Zählt Menschlichkeit in diesem Geschäft nicht mehr?

Krösche: Ich tue mich immer schwer, so pauschal etwas zu sagen. Ich glaube einfach, letztendlich hängt es immer ein bisschen von den handelnden Personen ab und wie man gewisse Dinge angeht. Ich bin davon überzeugt, dass sich Menschen wohlfühlen müssen, dass man einen vernünftigen Umgang pflegen muss, auch Menschen wertschätzen muss und Respekt voreinander haben muss. Dann ist auch eine gute Basis da, dass sich Menschen weiterentwickeln. Das ist vielleicht das Wichtigste, was es gibt. Das bleibt vielleicht auch gerne mal auf der Strecke, weil es natürlich auch um sehr viel Geld geht.

SPORT1: Sie sind sehr begehrt in der Branche. Schalke und Hannover wollten sie. Warum haben sie dort abgesagt?

Krösche: Das möchte ich nicht kommentieren. Ich bin in Paderborn und möchte mich hier auf die Arbeit konzentrieren.

SPORT1: Was sagen Sie denn zum Interesse von RB Leipzig? Wie ist der Stand?

Krösche: Es ist noch gar nichts klar. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Es kann auch sein, dass ich in Paderborn bleibe. Die nächsten Tage werden zeigen, was passiert.

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