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München - Nach dem Rücktritt von Präsident Wolfgang Dietrich steckt der VfB Stuttgart mal wieder im Chaos. Bei SPORT1 wirft Thomas Berthold einen Blick nach vorn - mit eigenen Ambitionen.

Nach dem Rücktritt von Ex-Präsident Wolfgang Dietrich steht der VfB Stuttgart wieder einmal vor einem Scherbenhaufen. 

Nur einen Tag nach der wegen technischer Probleme abgebrochenen Mitgliederversammlung gab der 70-Jährige seinen Rücktritt auf seiner persönlichen Facebook-Seite bekannt. "Ich lasse mir meine Würde und Ehre nicht von denjenigen nehmen, die ihre Macht lautstark und mit verbaler Gewalt demonstrieren. Ebenso wenig wie von denen, die sich schon seit langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen", schrieb Dietrich, der auch als Aufsichtsrats-Vorsitzender zurücktritt.

"Ich kann Herrn Dietrich verstehen", sagt Thomas Berthold im Gespräch mit SPORT1. Der ehemalige VfB-Profi, der zwischen 1993 und 2000 für die Schwaben 191 Bundesligaspiele absolvierte, macht sich so seine Gedanken über seinen Ex-Klub. 

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Berthold: "VfB rückt in peinlichen Hintergrund" 

"Bei der ganzen Debatte geht es mir viel zu sehr um einzelne Personen, in diesem Fall um den Präsidenten. Der VfB rückt immer mehr in einen peinlichen Hintergrund. Es wunderte mich schon, dass es bei der Mitgliederversammlung keine andere Lösung bzw. einen Plan B gab. Bei der Versammlung, bei der es um die Ausgliederung ging, kamen rund 14.000 Leute und da lief alles reibungslos ab und am Sonntag gab es plötzlich WLAN-Probleme und das auch noch komischerweise direkt vor der Abwahl", sagt Berthold.

Dietrich war seit 2016 Präsident der Schwaben. Auf der Mitgliederversammlung am Sonntag sollte über einen Antrag zu seiner Abwahl abgestimmt werden. Doch weil sich die Mitglieder nicht in das extra für die Versammlung eingerichtete WLAN in der Mercedes-Benz-Arena einloggen konnten, wurde die Veranstaltung gegen 19 Uhr vorzeitig abgebrochen. "Das war an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Laut Augenzeugen war die Stimmung so, dass 80 bis 90 Prozent für eine Abwahl gewesen sind", erklärt Berthold.

Dietrich, der zuvor bereits massiv ausgepfiffen wurde, musste unter Personenschutz die Arena verlassen, während ihm weitere "Dietrich raus!"-Sprechchöre entgegenschlugen.

Berthold kann bei solchen Zuständen nur den Kopf schütteln. "Die Unruhe schlägt sich auch auf die Mannschaft nieder und das wird zu einem lästigen Dauerthema. Das hätte man alles schon früher vermeiden können. Schlimm, wie das jetzt passiert ist."

Ein wildes Kommen und Gehen

Wie kann es nun weitergehen? "Es gingen und kamen so viele Trainer und Sportdirektoren, da kann sich nichts entwickeln", glaubt Berthold.

Der neue VfB-Präsident soll nach Bertholds Gedankenspielen eher Repräsentant sein: "Der Verein braucht jetzt einen Präsidenten, der den ganzen Laden repräsentativ zusammenhält, der den Verein gesellschaftspolitisch vertritt, der auch die Zeit hat sich mit den anderen Amateur-Abteilungen auseinanderzusetzen. Da braucht man keinen, der vom Fach ist, sondern einen, der den Verein und das Umfeld kennt."

Spekulationen, er wolle den Platz von Dietrich einnehmen, stoßen bei Berthold auf Verwunderung. Berthold strebt nach dem Posten des wahren starken Mannes.

"Ich habe gehört, dass ich Präsident werden wolle, das stimmt nicht. Meine Intention ist es, der Vorsitzende des Aufsichtsrates zu werden, mit weiteren Leuten in dem Gremium, die genügend Fußball-Kompetenz mitbringen. Es muss eine große Linie vorgegeben werden, eine Fußball-Philosophie. Es muss eine Klub-Kultur entwickelt werden", sagt Berthold und fügt hinzu: "In meinem Modell ist der Präsident nur repräsentativ tätig. Die AG ist ja so aufgestellt, dass alle Abteilungen funktionieren und das operative Geschäft funktioniert."

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