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Hamburg - Der Hamburger SV kassiert im Stadtderby die erste Niederlage und stürzt von Platz eins. St. Pauli profitiert auch von einer strittigen Schiri-Entscheidung.

Der Abpfiff des brisanten Hamburger Stadtderbys ging fast im Pyronebel unter. Als aus dem Gästeblock bereits Bengalos auf den Rasen flogen, pfiff Schiedsrichter Sven Jablonski ab - und besiegelte eine historische Derby-Niederlage des Hamburger SV.

Nach einer über weite Strecken schwachen Leistung kassierte der Aufstiegsaspirant beim FC St. Pauli eine völlig unerwartete 0:2 (0:1)-Niederlage und verpasste die Rückkehr an die Zweitliga-Tabellenspitze. Es war die erste HSV-Pleite auf dem Kiez seit 59 Jahren. (Die Tabelle der 2. Bundesliga)

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Mit einem Kopfballtor in der 18. Minute leitete der Grieche Dimitrios Diamantakos den Erfolg der Gastgeber ein, die insbesondere in der ersten Halbzeit nicht nur kämpferisch, sondern auch spielerisch überzeugen konnten. (Spielplan und Ergebnisse)

Der Torjäger staubte aus kurzer Distanz ab, nachdem Marvin Knoll ebenfalls per Kopf nur den Pfosten getroffen hatte. Für den Endstand sorgte HSV-Verteidiger Rick van Drongelen per Eigentor (62.). (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

"Wir haben die Durchschlagskraft und die Effizienz vermissen lassen", räumte HSV-Trainer Dieter Hecking am Sky-Mikrofon ein.

Wirbel um aberkanntes HSV-Tor - Hecking kritisiert VAR

Für Aufregung sorgte der vermeintliche HSV-Ausgleich durch Lukas Hinterseer (45.+1), dem Schiedsrichter Sven Jablonski die Anerkennung verweigerte, da der Ball bei der Vorarbeit nach Meinung des Schiedsrichterassistenten im Toraus gewesen sein soll. Da auch die TV-Bilder die Situation nicht zweifelsfrei auflösen konnten, blieb Jablonski nach Rücksprache mit dem Video-Assistenten bei seiner Entscheidung.

"Das ist müßig, jetzt über das aberkannte Tor zu philosophieren", sagte Hecking - äußerte aber zugleich Kritik am VAR: "Die Aussage ist deutlich, dass man es mit den Kameras nicht auflösen kann. Wenn er (der Schiedsrichterassistent, Anm.d.Red.) die Fahne unten lässt, ist es wahrscheinlich ein Tor. Wenn er es aus 50, 60 Metern so gesehen hat, dann müssen wir das akzeptieren. Dann bringt der Videobeweis auch in der Zweiten Liga nichts, wenn auf der wichtigsten Linie keine Kamera steht."

Sein Sportvorstand Jonas Boldt sah es bei SPORT1 ähnlich: "Es war Pech, dass uns das 1:1 aberkannt wurde. Der Assistent hat gesagt, er war sich zu 100 Prozent sicher. Dann müssen wir das so akzeptieren. Für mich ist es unverständlich, dass wir in so einem Wettbewerb über der Torlinie keine Kamera haben. Dass da Geld gespart wird, ist nicht nachvollziehbar in der zweiten Bundesliga. Mir liegt es aber fern, die Schuld auf den Schiedsrichter zu schieben."

St. Paulis Knoll räumte ein, dass sein Team in der Szene Glück gehabt habe: "Das ist brutal eng. Die Bilder sind nicht klar genug. Aber wir spielen 90 Minuten, der HSV hatte genug Zeit auszugleichen."

Luhukay: "Das ist sensationell"

Bei St. Paulis Trainer Jos Luhukay freute sich über den Derbysieg: "Das ist sensationell. Die Menschen feiern die Mannschaft ab, und die Spieler haben es verdient. Wir haben drei Punkte in einem Derby geholt, das geht in die Historie ein. Wir sind auf einem guten Weg."

Die Platzherren erwischten vor 29.226 Zuschauern den besseren Start und schon nach 14 Minuten war HSV-Torhüter Daniel Heuer Fernandes bei einem Distanzschuss von Knoll gefordert. (Die Tabelle der 2. Bundesliga)

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Die Gäste fanden erst nach einer halben Stunde besser in die Partie: St. Paulis Keeper Robin Himmelmann war bei Schüssen von Lukas Hinterseer (31.) und Sonny Kittel (43.) auf dem Posten.

Himmelmann hält St. Pauli im Spiel

In dieser Phase hielt es auch St. Paulis Trainer Jos Luhukay nicht mehr auf der Bank. Zuvor hatte der Niederländer die Begegnung entspannt im Sitzen verfolgt, während HSV-Coach Dieter Hecking sichtlich unzufrieden war und immer wieder wild gestikulierend Anweisungen gab.

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Nach dem Seitenwechsel nahm der Druck des HSV vorübergehend zu. St. Pauli offenbarte in dieser Phase defensive Schwächen, Himmelmann hielt seine Mannschaft mit überragenden Reflexen gegen Hinterseer (49. und 53. Minute) im Spiel.

In diese Drangphase des einstigen Europapokal-Siegers platzte der unglückliche zweite Gegentreffer durch den HSV-Verteidiger van Drongelen. St. Pauli vergab in der Schlussphase Konter um Konter, Mats Möller Daehli traf dabei den Pfosten (82.).

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Pyrotechnik verzögert Wiederanpfiff

Anders als beim 4:0-Triumph des HSV im März an gleicher Stelle blieben Ausschreitungen und Spielunterbrechungen aus. Schon in den Tagen vor dem 102. Derby war es in der Hansestadt relativ ruhig geblieben.

Pyrotechnik wurde erstmals kurz vor Beginn der zweiten Halbzeit auf beiden Seiten gezündet. Schiedsrichter Sven Jablonski wartete ruhig ab, bis sich die Rauchschwaden verzogen hatten und pfiff das Spiel mit sechs Minuten Verspätung wieder an.

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