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München - Der VfL Bochum erlebt einen Höhenflug, der den Klub wohl in die Bundesliga trägt. Peter Neururer und Simon Zoller verraten Gründe für die Erfolgsstory.

In den Partymodus verfällt beim VfL Bochum keiner, noch nicht, es herrscht höchstens eine leise Vorfreude.

Abheben verboten trotz einer souveränen Tabellenführung nach 30 Spieltagen in der 2. Bundesliga. (Service: Tabelle der 2. Bundesliga

"Die große Stärke des VfL ist, dass man das nicht macht - wohl wissend, dass der Verein aufsteigen wird. Die Verantwortlichen halten den Ball flach, die Außendarstellung ist perfekt", sagt SPORT1-Experte Peter Neururer, der von 2001 bis 2005 und von April 2014 bis Dezember 2014 Trainer an der Castroper Straße war. 

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Das Team von Chefcoach Thomas Reis steht nach elf Jahren kurz vor der Rückkehr in die Bundesliga. Vor dem Auswärtsspiel am Montagabend bei Darmstadt 98 (Zweite Liga: Darmstadt 98 - VfL Bochum, 20.30 Uhr im LIVETICKER) beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz schon neun Punkte. Gewänne allerdings Holstein Kiel alle seine Nachholspiele, wären es nur deren sechs.

Die Highlights der Freitagsspiele ab 22.30 Uhr in Sky Sport News - Die 2. Bundesliga im TV auf SPORT1

Traurig sei nur, "dass ausgerechnet jetzt keine Zuschauer dabei sein dürfen. Das Ganze mit proppenvoller Ostkurve wäre der absolute Traum", sagt Neururer.

Neururer gerät ins Schwärmen

Der 65-Jährige schwärmt regelrecht von seinem VfL, mit dem er 2002 in die Bundesliga aufstieg. Jetzt scheint Reis, einst Spieler unter Neururer und dessen Co-Trainer, dieses Kunststück zu gelingen.

"Ilja Kaenzig ist der alles überragende Mann. So einer hat dem VfL in der Vergangenheit gefehlt", schwärmt Neururer vom Sprecher der Geschäftsführung. 

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Ein weiterer Erfolgsfaktor ist für ihn Geschäftsführer Sport Sebastian Schindzielorz. "Es passt mit ihm, weil er beim VfL aktiv war, unter mir Spieler war, sehr VfL-affin ist und sich damals schon Gedanken über den Fußball hinaus gemacht hat."

Die Highlights der Samstagsspiele am Sonntag ab 9 Uhr in Hattrick Pur - Die 2. Bundesliga im TV auf SPORT1

Neururer mit Seitenhieb gegen Hochstätter

Schindzielorz war Praktikant beim VfL, als Neururer zum zweiten Mal Trainer bei den Bochumern war. "In dieser Zeit ging beim VfL alles schief", sagt der erfahrene Fußballlehrer. Er kann sich da einen Seitenhieb gegen den ehemaligen Sportdirektor nicht verkneifen. "Maßgeblich beteiligt war damals Christian Hochstätter."

Durch die Fehler von einst habe Schindzielorz "so viel an Profil gewonnen und gelernt, dass er das alles nur umstrukturieren musste. Und Kaenzig hat die Basis geschaffen, wie man mit Trainern umgehen muss“, erklärt Neururer.

Anfangs sei es für Reis gar nicht so leicht, weil der VfL zu Beginn der Pandemie ganz große Abwehrsorgen hatte, fährt Neururer fort. "Aber der Trainer hat hart daran gearbeitet."

Bochum habe mit Maxim Leitsch (22) und Armel Bella Kotchap (19) "die größten Innenverteidiger-Talente in Deutschland", findet Neururer. "Und erfahrene, gute und dynamische Außenverteidiger. Das Defensivverhalten stimmt, hinten steht man wie eine Eins. Da muss man Anthony Losilla und Robert Tesche nennen. Fußballerisch ist das grandios."

Peter Neururers zweite Amtszeit beim VfL Bochum endete im Dezember 2014 nach einem Zwist mit Sportdirektor Christian Hochstätter (l.) unschön
Peter Neururers zweite Amtszeit beim VfL Bochum endete im Dezember 2014 nach einem Zwist mit Sportdirektor Christian Hochstätter (l.) unschön © imago

Alternativen in der Offensive

In der Offensive gibt es für Neururer "endlich Alternativen". Der Kader habe "alles, um aufzusteigen". Einer der wesentlichen Offensivtrümpfe ist Stürmer Simon Zoller. "Ich bin dem Verein sehr dankbar, weil es für mich damals in Köln nicht weiterging. Ich fühle mich beim VfL sehr wohl: das Gesamtpaket stimmt", sagt er SPORT1.

Der 29-Jährige wollte bei den Geißböcken in der Zeit von 2014 bis 2018 - in der Rückrunde der Saison 2014/2015 wurde er an den 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen - nicht so recht zünden. Verletzungen pflasterten auch in der Anfangszeit in Bochum seinen Weg.

Nun ist Zoller endlich glücklich. "Der VfL ist ein toller Traditionsverein mit außergewöhnlichen Fans - schade, dass sie nicht live dabei sein können, während wir bisher eine Topsaison spielen."

Simon Zoller startete seine Profikarriere 2008 beim Karlsruher SC II
Simon Zoller startete seine Profikarriere 2008 beim Karlsruher SC II © Imago

Zoller: "Wechsel vom Zeitpunkt her richtig"

Was lief beim VfL besser als zu seiner Zeit in Köln? "Es ist einfach eine andere Lebensphase. Ich bin damals als Zweitligaspieler zum FC gewechselt, nach einer richtig guten Saison. In Köln habe ich viel gelernt, mich auch menschlich weiterentwickelt", erinnert sich Zoller.

"Und wenn man älter wird, möchte man mehr Verantwortung übernehmen. Ich glaube, man sieht, dass ich beim VfL mit vorneweg gehe und meine Leistung bringe. Der Wechsel zum VfL war richtig, sowohl vom Zeitpunkt her als auch für die Entwicklung."

Ein Aufstieg im schweren Corona-Jahr hätte einen doppelten Wert. "Mit Blick auf die finanzielle Situation ist das sicherlich so. Und generell möchte ein Leistungssportler den größtmöglichen Erfolg. Das geht nicht nur mir so, der schon über Bundesliga-Erfahrung verfügt. Das geht auch denjenigen so, die noch nicht dort gespielt haben. Für den Verein, die Stadt und die Fans wäre ein Aufstieg fantastisch."

Die Highlights der Sonntagsspiele ab 19 Uhr in Sky Sport News - Die 2. Bundesliga im TV auf SPORT1

Zoller und der VfL - das passt 

Der VfL gehörte jahrzehntelang zur Bundesliga. "Umso schöner, wenn wir jetzt dazu beitragen können, dieser Tradition ein weiteres Kapitel hinzuzufügen", meint Zoller.

Der VfL und er Stürmer - das hat irgendwie sofort gepasst. "Im Ruhrpott wird der Fußball gearbeitet, der Ton ist wesentlich direkter. Umso schlimmer, dass wir auf die Fans verzichten müssen. Die hätten uns in dieser Saison die Bude eingerannt."

Als Stürmer erlebt Zoller gerade "die erfolgreichste Phase in meiner Karriere". 15 Tore und neun Assists in 28 Spielen sind ein Beleg dafür. Und er begründet das Leistungshoch auch. "Unter anderem, weil ich wieder auf meiner Lieblingsposition spiele, vorne im Zentrum, auf der Neun. Hier kann ich der Mannschaft am besten helfen, sowohl mit als auch gegen den Ball."

Neururer sieht es genauso. "Simon spielt endlich da, wo er hingehört. Er muss nicht über die Außen für andere rumrennen, sondern kann sich im Zentrum austoben."

Und er habe mit Robert Zulj, Danny Blum oder Gerrit Holtmann "tolle Unterstützung“. Von der Bank könne Reis zudem noch Jungs wie Silvere Ganvoula, der in der vergangenen Saison VfL-Torschützenkönig war, und Thomas Eisfeld bringen. "Da", findet Neururer, "passt einfach alles."

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