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Enrico Maaßen übernimmt zur neuen Saison die U23 von Borussia Dortmund als Coach
Enrico Maaßen übernimmt zur neuen Saison die U23 von Borussia Dortmund als Coach © SPORT1-Grafik/Getty Images/Imago
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Dortmund - Die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund hofft insgeheim auf den Aufstieg in die 3. Liga. Um das zu erreichen, könnte der FC Bayern als Vorbild dienen.

Die Saison 2019/2020 hat die U23 des BVB auf Platz 9 in der Regionalliga West abgeschlossen. Ein Resultat, mit dem die Dortmunder alles andere als zufrieden sind.

"In der abgelaufenen Saison gab es leider zu viele egoistische Phasen bei uns", moniert Ingo Preuß, sportlicher Leiter der U23, im Gespräch mit SPORT1. "Die müssen wir demnächst rausbekommen. Zu viele Spieler haben eher an sich selbst gedacht als an die Mannschaft. Der Zusammenhalt hat gefehlt."
 
Einen Grund dafür sieht der 64-Jährige, der seit 30 Jahren für den BVB arbeitet, im mentalen Bereich: "In der Liga wimmelt es nur so von Scouts. Die Jungs wollen sich Woche für Woche präsentieren. Sie wollen ihre eigenen persönliche Leistungen zeigen und sich empfehlen - für den eigenen Verein oder andere Klubs."

Am Samstag startete der Bundesliga-Unterbau des BVB in die Sommer-Vorbereitung. Offen aussprechen wollen es die Schwarz-Gelben nicht, aber der Aufstieg in die 3. Liga ist insgeheim das Ziel.

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Nach der Trennung von U19-Trainer Michael Skibbe, der eigentlich die U23 übernehmen sollte, gab es im schwarz-gelben Nachwuchs grundlegende Veränderungen. Der bisherige U23-Trainer Mike Tullberg übernimmt die U19 und machte damit den Weg frei für Enrico Maaßen. Der 36-Jährige hatte den SV Rödinghausen in der Saison 2019/20 zur Regionalliga-Meisterschaft geführt.
 
BVB-Nachwuchschef Lars Ricken frohlockt deshalb: "Mit Maaßen und Tullberg haben wir den Übergangsbereich zur Bundesliga-Mannschaft hervorragend besetzt."

Große Veränderungen im Unterbau

Preuß sagt: "Enrico Maaßen ist nicht hierhergekommen, um prompt Meister zu werden, sondern weil er unsere Mannschaft entwickeln kann. Er hat uns in den Gesprächen total überzeugt. Ich bin mir sicher, dass wir mit ihm einen guten Trainer verpflichtet haben." Preuß bewies in der Vergangenheit immer wieder, dass er ein Näschen für Trainer hat, verpflichtete er einst doch schon David Wagner, Hannes Wolf, Daniel Farke und Jan Siewert.
 
Seit dem Abstieg vor fünf Jahren bastelt der BVB II an der Rückkehr in die 3. Liga. Damit es in diesem Jahr klappt, haben die Dortmunder zehn Neue geholt und mit drei Spielern verlängert. Angreifer Moritz Broschinski kommt von Energie Cottbus, Mittelfeldspieler Aday Ercan vom SC Wiedenbrück, Torwart Stefan Drljaca aus Hoffenheim, Franz Pfanne aus Rödinghausen und Cebrails Makreckis vom Bonner SC.

Die Außenbahnspieler Richmond Tachie und Migel-Max Schmeling kommen von Viktoria Köln respektive dem MSV Duisburg. Kurz vor dem Trainingsstart wurden zudem die Verpflichtungen von Henri Weigelt (AZ Alkmaar), Krystian Wozniak (Schalke II) und Philipp Harlaß (1. FC Nürnberg II) unter Dach und Fach gebracht.

Verlängert hat der BVB mit Torwart Jan-Pascal Reckert und den U19-Kickern Alaa Bakir und Malte Wengerowski.
 
"Der Aufstieg ist kein zwingendes Muss", betont Preuß. "Wir haben nicht den Druck, unbedingt aufsteigen zu müssen. Natürlich ist aber klar, dass wir so erfolgreich wie möglich sein wollen. Der Sprung in die 3. Liga wäre gut, weil wir dann noch stärkere Spieler für den Verein akquirieren können."

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In diesem Bereich schauen die Dortmunder ein wenig neidisch nach München. Der große Rivale hat in der abgelaufenen Saison völlig überraschend die Meisterschaft in der 3. Liga gefeiert - und zwar als Aufsteiger.

Der ehemalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß sagte kürzlich in der Sport Bild, dass die Drittliga-Mannschaft mit der Meisterschaft die eigenen Ziele deutlich übertroffen habe: "Ich hätte es vor der Saison total vermessen gefunden, davon zu sprechen, dass wir Meister werden können. Wir wussten nicht, was uns in der 3. Liga erwartet. Für uns ging es darum, die Jungs auf Drittliga-Niveau auszubilden und den Klassenerhalt zu schaffen."
 
Preuß meint: "Die Bayern haben neun Jahre gebraucht, um aus der Bayern-Liga zu kommen. Die hatten Champions-League-Trainer, wie Heiko Vogel oder Erik ten Hag. Das waren richtig große Namen. Es ist nicht so einfach, in die 3. Liga aufzusteigen."

Der Unterschied zum FC Bayern

Die Bayern-Reserve kommt aktuell auf einen Marktwert von rund 16 Millionen Euro. In der vergangenen Saison lag dieser durch Spieler wie Joshua Zirkzee, Lars Lukas Mai, Oliver Batista Meier oder Fiete Arp sogar bei 24 Millionen Euro. Der BVB, wertvollstes Team in der West-Staffel vor Schalke II (3,1) und Rot-Weiss Essen (2,84), kommt gerade mal auf 4,3 Millionen Euro.

"Die Bayern haben ein Gerüst aus gestandenen Ü30-Spielern", erklärt Preuß. In Kapitän Nicolas Feldhahn (33), Maximilian Welzmüller (30) und Timo Kern (30) seien drei erfahrene Recken im Team, an denen die jüngeren Spieler wachsen können. "Das haben wir momentan nicht", sagt Preuß.
 
Ein weiterer Unterschied zu den Münchnern: U23-Kicker wie Zirkzee (12 Einsätze), Batista Meier und Drittliga-Torschützenkönig Kwasi Wriedt (je 1 Einsatz) schnupperten bereits Bundesliga-Luft.

In Dortmund standen Chris Führich, Immanuel Pherai, Marco Rente, Tobias Raschl (1 Einsatz) allesamt immer wieder im Profi-Kader, bekamen aber kaum Einsätze. "Die Jungs waren im Winter-Trainingslager schon teilweise bei den Profis dabei und trainieren dort auch regelmäßig mit", meint Preuß und betont: "Das sind alles talentierte Jungs, die den Sprung schaffen können."

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Vergleiche mit den Bayern lehnt er jedoch ab: "Wir konkurrieren nicht mit Bayern, wir schauen auf uns und wollen das Beste aus uns rausholen." Viel wichtiger als ein Aufstieg sei für ihn, "dass wieder mal ein Spieler von uns aus der U23 regelmäßig in der ersten Mannschaft spielt. Das wäre für mich mehr wert als ein Aufstieg in die 3. Liga!"
 
Den Sprung aus Dortmunds U23 in die Bundesliga schafften in der Vergangenheit einige Spieler. Dazu gehören unter anderem Marcel Halstenberg (Leipzig), Erik Durm (Frankfurt), Marvin Bakalorz (Hannover), Luca Kilian, Uwe Hünemeier (beide Paderborn) oder Janni Serra (Kiel).
 
"Uns muss es wieder gelingen", sagt Preuß daher abschließend, "dass wir solche Jungs ausbilden und im eigenen Verein etablieren".

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