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München - Oliver Bierhoffs Wunschlösung als neuer Bundestrainer heißt Hansi Flick. Sein Versprechen, keinen Coach mit laufendem Vertrag anzusprechen, ist nur ein Trick, sagt SPORT1-Chefreporter Florian Plettenberg.

Man stelle sich ein Szenario vor: Bayern-Trainer Hansi Flick nimmt sich noch ein paar Tage oder Wochen Zeit, klopft dann an der Tür von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und bittet ihn um die Freigabe, weil er in der kommenden Saison gerne Bundestrainer werden möchte. 

Der strahlende Sieger wäre? Genau, Oliver Bierhoff! Denn er wäre seiner Wunschlösung ein großes Stück näher und stünde öffentlich nicht als Versprechens-Brecher dar.

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Bierhoff verspürt keinen Zeitdruck

Der Nationalmannschafts-Direktor verkündete Anfang März, dass er bei der Bundestrainer-Suche keinen Zeitdruck verspüre und der DFB keine Trainer kontaktieren wolle, die über den 30. Juni hinaus bei einem Verein unter Vertrag stehen.

Was seriös klingt, kann in Wahrheit nur ein Trick sein!

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Gemäß des Bierhoff-Versprechens und des Wunsches nach einem deutschsprachigen Trainer, kommen nach den Absagen von Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann quasi nur noch Ralf Rangnick (vertragslos) und eine verbandsinterne Lösung infrage, namentlich Stefan Kuntz und Marcus Sorg.

Ohnehin ließen ihn die DFB-internen Lösungen "ein bisschen ruhiger" sein, sagte Bierhoff. Trainer aus den eigenen Reihen zu entwickeln und zu befördern, sei auch "eigentlich unser Ziel". 

Eigentlich! 

Bierhoff hätte längst einen Trainer verpflichten können

Wäre man von einer dieser beiden Lösungen hundertprozentig überzeugt, hätte Bierhoff doch schon längst Nägel mit Köpfen machen können. Das hat er aber nicht getan. Denn der Ex-Stürmer spielt auf Zeit, um abzuwarten, was beim FC Bayern passiert.

Für mich klingt das clever formulierte DFB-Versprechen daher wie ein Vorwand, um öffentlich für Ruhe zu sorgen und hinter den Kulissen am großen Coup zu arbeiten: Bundestrainer Flick! Klappt der Deal, strahlt der DFB und die Bayern bekommen ein Problem. Klappt er nicht, wahren alle Beteiligten ihr Gesicht. 

Rummenigge bekräftigte diese Woche erneut, dass ihm Präsident Fritz Keller dieser Tage telefonisch bestätigt habe, dass es keine konkrete Anfrage oder gar ein Angebot an Flick geben werde, weil dieser bis 2023 unter Vertrag steht. 

Bierhoff sagte zu dieser Aussage bemerkenswert cool: "Ich habe es so interpretiert, dass er Hansi Flick den Rücken stärken will. Was auch das Richtige ist, wenn man Vorsitzender des Vereins ist." 

Flick verzichtet auf Bundestrainer-Dementi 

Trotzdem verzichtete Bierhoff auch an dieser Stelle auf ein klares: "Nein, Flick wird es nicht." Und Flick verzichtet weiterhin auf ein deutliches: "Nein, ich werde kein Bundestrainer."

Warum sollte ausgerechnet Bierhoff, der in den vergangenen Monaten vor allem von der Säbener Straße massiv angegangen wurde, den Bayern nun etwas Gutes tun? Er kämpft selbst um seinen Posten! Glaubt also ernsthaft jemand daran, dass er in einem seiner unzähligen Gespräche mit seinem Freund Flick nicht dessen Bereitschaft zur Löw-Nachfolge abgeklopft hat? 

Beim FC Bayern weiß man: Flick wäre unter gewissen Voraussetzungen gerne Bundestrainer! Sich nicht mit einem Plan B zu beschäftigen, etwa Julian Nagelsmann, wäre naiv und ist auch nicht der Fall. Dafür sind die Münchner zu professionell und haben in der Vergangenheit im Verborgenen selbst an Mega-Coups gefeilt. 

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Bierhoff wartet auf Reaktion von Flick 

Bierhoff sagte am Montag zudem: "Wir schauen uns den Markt weiter an und gucken, was zeitlich alles passiert und entscheiden erst, wenn die Notwendigkeit wirklich da ist. Wir haben immer gesehen, was im Fußball Schnelles passiert. Insofern ist es richtig, sich Zeit zu lassen." 

Heißt im Umkehrschluss: Bierhoff wartet auf eine Reaktion von Flick, der das Heft des Handelns in der Hand hat. Daran ändert kein Keller-Versprechen etwas, kein Vertrag, kein neues Rummenigge-Machtwort und keine maximale Wertschätzung vom Bayern-Boss. Dafür braucht es auch kein DFB-Angebot.

Bleibt Flicks Anklopfen aus, kann Bierhoff immer noch auf Kuntz und Sorg zurückgreifen – und sein Versprechen einhalten.

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