Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Vor dem Halbfinale im Toto-Pokal gegen Würzburg plagen die SpVgg Unterhaching Verletzungssorgen. Bei SPORT1 sprechen der Klub-Boss und sein Coach über die Lage.

Was für ein verrücktes Saison-Finale!

Jeder Fan von Bayer Leverkusen denkt mit Schrecken daran zurück, als die Werkself im Mai 2000 bei der Spielvereinigung Unterhaching nach Toren von Markus Oberleitner und einem Eigentor von Michael Ballack 0:2 verlor, so die schon sicher geglaubte Meisterschaft doch noch verspielte und der FC Bayern im nur wenige Kilometer entfernten Münchner Olympiastadion am Ende jubeln konnte. Kurios: Das Original der Meisterschale stand in Unterhaching.

Ähnlich geschockt wie die Leverkusener waren ein Jahr später am 34. Spieltag die Anhänger des FC Schalke, als man sich nach einem 5:3-Sieg gegen die Hachinger für wenige Minuten als Meister fühlen konnte. Doch die Bayern schafften beim Hamburger SV in letzter Sekunde ein 1:1 und gewannen erneut den Titel. Und jedes Mal war die SpVgg mittendrin statt nur dabei.

Anzeige

"Das waren natürlich besondere Spiele für Haching", erinnert sich Klub-Boss Manfred Schwabl bei SPORT1. "Ich denke aber vor allem auch an den Wiederaufstieg in die 3. Liga im Mai 2017 zurück. 2015 waren wir abgestiegen, fast die ganze Mannschaft war uns weggebrochen. Zwei Jahre später wieder in der 3. Liga zu sein, war ein schönes Gefühl."

Das war für den Münchner Vorstadt-Klub 1999 auch der Aufstieg in die Bundesliga. Und seine erste Spielzeit in der höchsten deutschen Fußballliga beendete Haching auf dem 10. Tabellenplatz vor Borussia Dortmund und dem FC Schalke. Damals dabei: Andre Breitenreiter (zuletzt Trainer von Hannover 96), der bis heute Bundesliga-Rekordtorschütze der Hachinger ist. 2001 stieg der Verein wieder ab.

Meistgelesene Artikel

Haching stürzt ab auf Platz zwölf

Lang ist es her, heute spielt Haching in der 3. Liga. Nach 32 Spieltagen belegt man in der aktuellen Spielzeit Platz zwölf. (Service: Tabelle der 3. Liga)

Am Ende der Vorrunde stand die SpVgg noch auf Rang fünf. Einen ähnlichen Absturz gab es 2013/2014 in der 3. Liga, als der Klub nach der Hinrunde Achter war, doch am Ende auf Platz 17 landete. Die Hachinger plagen aktuell arge Verletzungssorgen.

Die Highlights der 3. Liga am Montag ab 23.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1

"Wir haben eine gute Hinserie gespielt. Mit den ganzen Verletzten haben wir natürlich auch an Qualität verloren. Wir wollen das auf gar keinen Fall als Ausrede hernehmen", sagt Haching-Coach Claus Schromm bei SPORT1 zur aktuellen Lage. Am vergangenen Wochenende gab es ein böses 0:4 beim Karlsruher SC. "Man muss sagen, dass kein Drittligist die Fülle an Verletzten adäquat eins zu eins ersetzen kann."

Sieben Spiele in Serie sind die Hachinger nun ohne ein eigenes Tor. Wie groß ist da der Frust-Faktor beim Coach?

"Das ist brutal bitter. Ich wäre aber noch frustrierter, wenn wir uns keine Chancen herausspielen würden", erklärt Schromm. "In jedem Spiel hatten wir genug Möglichkeiten, ein oder auch mehrere Tore zu erzielen."

Am Dienstag kommen nun die Würzburger Kickers im Toto-Pokal in den Sportpark (ab 18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1). Der Coach ist "guter Dinge, dass die Serie gegen Würzburg reißt".

Das wünscht sich auch Schwabl. "Wir hätten uns die Rückrunde sicherlich anders gewünscht. Ich bin aber auch in unserer guten Phase immer auf die Bremse getreten, deshalb ist jetzt auch Ruhe im Verein."

Schwabl vertraut Schromm

Zweifel am Cheftrainer gibt es trotz der Krise nicht. "Ich habe vollstes Vertrauen in Claus Schromm und sein Team", betont Schwabl. Man wolle den Weg, "gemeinsam fortführen, komme was wolle".

Ist das Spiel da die ideale Ablenkung vom Liga-Frust? "Das kann man so sagen. Wir müssen ein Tor erzielen, um in die nächste Runde zu kommen", meint Schromm. "Unsere Torlos-Serie muss also reißen. So ein K.o.-Spiel ist immer etwas Besonderes und steht unter anderen Vorzeichen als eine Partie in der Liga."

Und wie sieht es mit der Stimmung nach der Torlos-Serie aus? "Wir versuchen aktuell das Beste aus der Situation zu machen. Mit unseren Ausfällen könnten wir ja fast eine eigene Mannschaft aufstellen, aber so ist es halt manchmal", sagt Schwabl. Mut mache ihm das Spiel in Karlsruhe. Da habe Haching "ein gutes Gesicht gezeigt".

Schromm meint: "Natürlich sprechen unsere aktuelle Lage und unser volles Lazarett gerade nicht für uns. Das 0:4 vom Wochenende war auch extrem bitter. Auf der anderen Seite haben wir beim KSC gezeigt, dass wir immer noch eine schlagkräftige Mannschaft auf das Feld bringen können. Das Ergebnis spiegelt nicht das Spiel wider." (Service: Spielplan der 3. Liga)

Was ist für Haching in dieser Runde noch drin? "Für uns geht es jetzt darum, so schnell wie möglich die nötigen Punkte für den Klassenerhalt einzusammeln", sagt Schwabl. "Ich denke, dass man mindestens 45 braucht, um in der Liga zu bleiben. Ein sehr wichtiges Spiel steht am Sonntag gegen Zwickau an - aber davor wollen wir noch ins Totopokal-Finale einziehen."

Auf lange Sicht wolle man wieder in die 2. Liga, erklärt Schromm. "Lange kann man in der 3. Liga, so wie sie aktuell finanziell ausgestattet ist, nicht überleben. Es geht ja nicht nur uns so. Jeder will beziehungsweise muss raus aus dieser eigentlich sportlich so schönen Liga."

Nächste Artikel
previous article imagenext article image