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München - Der KFC Uerdingen steht auf einem Abstiegsplatz. Rund um die Mannschaft rumort es. Bei SPORT1 spricht eine Klub-Legende. Der Boss weiß um den Ernst der Lage.

Vor einigen Wochen wehte mal wieder ein Hauch von Euphorie über dem altehrwürdigen Grotenburg-Stadion in Krefeld. 

In der Woche vor dem Pokal-Kracher gegen Borussia Dortmund hatten sich viele Journalisten eingefunden, um über das Duell mit den Schwarzgelben zu berichten. Das Spiel wurde zwar 0:2 verloren, doch die Leistung des KFC Uerdingen konnte sich sehen lassen. Das Team von Trainer Heiko Vogel zeigte Einsatz und Leidenschaft.

In der Dritten Liga sieht das allerdings etwas anders aus: Nach sieben Spielen belegen die Krefelder Platz 17 - den ersten direkten Abstiegsplatz. Von sieben Spielen gewann Vogels Team in der aktuellen Saison lediglich eines, mit viel Mühe gegen den Halleschen FC. Eine niederschmetternde Bilanz.

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Pokal-Aus gegen Regionalligist drückt Stimmung

Nach dem 1:2 bei Regionalligist Rot-Weiss Essen und dem damit verbundenen Aus im Landespokal ist die Stimmung daher gedrückt. 

Dennoch wollen die Verantwortlichen um Präsident Mikhail Ponomarev kein Chaos-Szenario skizzieren, sondern Ruhe bewahren. 

Ein paar Zahlen machen dem Boss Mut: Der KFC hatte in fast allen Spielen in dieser Saison mehr Ballbesitz als der Gegner. Alleine in den vergangenen Wochen gegen Unterhaching, in Münster und Großaspach wurden teilweise in den letzten Minuten Rückstände umgebogen und in Essen gelang in der Schlussphase der Anschlusstreffer.

Im Gegensatz zu Vogels Vorgänger Norbert Meier, der im März dieses Jahres nach nur sechs Wochen schon wieder entlassen wurde, glauben sie in Krefeld (noch) an Vogels Fähigkeiten. 

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"Ponomarev macht es sich zu einfach"

Klub-Legende Matthias Herget, der 1985 mit dem Verein (damals Bayer 05 Uerdingen) Pokalsieger wurde, ist dagegen irritiert: "Mich wundert es schon, dass Herr Vogel noch Trainer ist", sagt der 63-Jährige im Gespräch mit SPORT1. "Aber wenn ich an die Aussage von Ponomarev im vergangenen Jahr denke, die da hieß: 'Und wenn ich zehn Trainer entlassen muss, ist das meine Sache', dann macht er sich das zu einfach. Er steckt viel Geld rein, aber es ist nicht genügend sportliche Kompetenz da, um das vernünftig zu gestalten."

Herget ergänzt: "Mit dem Geld und den richtigen Leuten kann man mit Sicherheit wesentlich mehr rausholen ohne den riesigen finanziellen Aufwand." 

In der Oberliga oder der Regionalliga könne man mit Geld noch "eine ganze Menge machen und eine Mannschaft zusammenzustellen, um irgendwann auch wieder aufzusteigen". In der 3. Liga aber sei es damit vorbei, "weil man da ein homogenes Team mit einem Gerüst braucht".

Herget missfällt vor allem eines: "Beim KFC wurde alles nur zusammengekauft ohne ein gewisses Gebilde."                     

Aigner wechselt nach Wiesbaden

Einen Chef auf dem Platz gibt es nicht, zuletzt verließen einige gestandene Spieler den Verein. So wie auch Stefan Aigner. Im Sommer 2018 kam der Mittelfeldspieler mit viel Vorschusslorbeeren zum KFC, sollte Leitfigur sein - und er rechtfertigte das mit Leistung auf dem Platz. 

Der 32-Jährige erzielte in der vergangenen Saison sieben Tore und bereitete acht weitere Treffer vor. Als Vogel kam, setzte er noch auf den gebürtigen Münchner, doch in der aktuellen Runde spielte Aigner ab dem 3. Spieltag keine Rolle mehr.

Vergangene Woche wechselte er schließlich zu Zweitligist Wehen Wiesbaden. Die Uerdinger Verantwortlichen waren froh, eine einvernehmliche Lösung gefunden zu haben. 

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Auch Innenverteidiger Mario Erb kehrte Krefeld den Rücken - und ging nicht im Guten, wie aus dem Vereinsumfeld zu hören ist. Der 29-Jährige, der seit 2017 in Krefeld spielte, schloss sich vor einigen Wochen lieber Regionalligist Türkgücü München an, als beim KFC zu bleiben.

Abwehrspieler Andreas Maxsö wechselte im Sommer vom FC Zürich zum KFC und ist auch schon wieder weg. Er verließ den Verein aus persönlichen Gründen und spielt künftig bei Bröndby IF. Diesem Wunsch wurde seitens der Vereinsführung entsprochen, über die Umstände der Vertragsauflösung wurde Stillschweigen vereinbart. 

Vollath sollte weg und ist weiter da

Anders sieht es bei Torwart René Vollath aus: Er war bereits aussortiert, zu Beginn der Sommer-Vorbereitung wurde ihm mitgeteilt, dass es ihm frei stehe, sich ablösefrei einen neuen Verein zu suchen. Das hat nicht geklappt. Jetzt sei der 29-Jährige wieder fester Bestandteil der Mannschaft, heißt es. 

Aber nicht nur im Team selbst gibt es Unruheherde: Ex-KFC-Coach Michael Wiesinger klagte vor dem Arbeitsgericht um ausstehende Prämien und gewann kürzlich den Prozess. Seit vergangene Woche ist er neuer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim 1. FC Nürnberg und kann nach vorne schauen.

Das will auch Vogel. Doch für den Pfälzer ist es kurz vor zwölf. Am kommenden Samstag steht ein immens wichtiges Spiel beim FSV Zwickau an. Bei einer Niederlage könnte es das schon gewesen sein für den Fußballlehrer.

Ponomarevs Ansage bei SPORT1 ist deutlich: "Wir müssen unsere oft ordentlichen Leistungen, wie gegen Braunschweig oder in Münster, endlich in Punkte umsetzen. Wir brauchen Siege. Dann werden wir sehen, wohin uns der Weg führt."

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