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München - Die 3. Liga wird für drei Klubs zur Zerreißprobe. Mit Investoren wuchs nicht nur das Konto, sondern auch die Probleme. Bei einem Klub ist die Lage besonders ernst.

Die 3. Liga ist in dieser Saison ohne Frage ein Hingucker. So viele Traditionsklubs tummelten sich noch nie dort, der Fan kann sich in dieser Spielzeit auf immer neue Ereignisse auf dem grünen Rasen freuen - vollgepackt mit Emotionen.

Doch mit den Emotionen ist das so eine Sache. Sie können auch schnell ins Negative switchen. Wie es oft bei drei Klubs in der 3. Liga passiert, die finanzstarke Investoren im Rücken haben: der TSV 1860 München, der KFC Uerdingen oder seit dieser Runde auch der 1. FC Kaiserslautern. Alle drei Vereine haben sich in die Hände von reichen Unternehmern begeben und sehen nun, dass es alles andere als leicht ist. Ungemach statt eitel Sonnenschein.

Sportlich geht bei allen drei Klubs wenig zusammen. Die Münchner Löwen stehen für ihre Ansprüche auf Platz elf noch ganz passabel da. Der KFC belegt aktuell trotz Aufstiegsambitionen Rang 13 und die Roten Teufel rangieren auf Platz 17. Vor allem in der Pfalz ist die Lage sehr ernst. SPORT1 beleuchtet die Situation des Trios näher.

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1860 München

Seit 2011 unterstützt der Investor Hasan Ismaik die Blauen. Und in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Unruhe wegen des Jordaniers. Vor einigen Jahren hatte Ismaik noch den Traum, mit den Löwen in der Champions League zu spielen. 

"Warum darf ich keine Träume haben?", fragte der Jordanier: "Wer will seinen Verein nicht mit den besten Teams in Europa konkurrieren sehen? Selbstverständlich weiß ich, dass wir von solchen Highlights inzwischen Lichtjahre entfernt sind. Aber 1860 hat das Potential, schon allein wegen seiner unglaublichen Strahlkraft und der fantastischen Fangemeinde."

Die vergangenen Monate war es sehr still geworden um Ismaik. Während er sich in der Vergangenheit regelmäßig über Facebook zu Wort meldete und gegen die Bosse stichelte, kam zuletzt nichts mehr. 2011 war 1860 pleite. 2017 musste der Klub in die 3. Liga absteigen. Da Ismaik sich weigerte, rund drei Millionen Euro für die Lizenz zu zahlen, ging es sogar runter in die Regionalliga. Der Grund für den Zahlungs-Stopp: Ismaik passte es nicht, wer damals in der Chefetage saß. 

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Immer wieder wurde dem Unternehmer vorgeworfen, der TSV sei nur ein Spielzeug für ihn. "Das größte Problem ist, dass viele Traditionsvereine nicht wie Wirtschaftsunternehmen geführt werden, sondern wie Trachtenvereine - und wahrscheinlich wird dort sorgsamer und disziplinierter mit dem Geld umgegangen als bei 1860", machte Ismaik im kicker deutlich. Und weiter: "Für mich ist dieser Verein eine Geldvernichtungsmaschine."

Ismaik gab aber diesen Sommer auch ein Versprechen ab: "Wenn dagegen wieder die Vernunft einkehrt, fliege ich am nächsten Tag nach München und bin bereit, sofort über alle Dinge zu sprechen, damit der Profifußball des TSV 1860 wieder aufsteht."

Es bleibt alles undurchsichtig an der Grünwalder Straße. Vor der Saison wurde der Kader nur minimal verstärkt, das Ziel Klassenerhalt ausgegeben. Zumindest sportlich scheint das aktuell keine Träumerei zu sein.   

KFC Uerdingen

Bayer 05 Uerdingen war mal ein Klub, der im Europapokal spielte. Lang, lang ist es her. 

Heute spielt der Klub als KFC Uerdingen in der 3. Liga. Im Fall der Krefelder muss man sogar sagen: endlich wieder drittklassig. Vor der Saison wurde das Ziel Aufstieg ausgegeben, doch davon ist der Klub weit entfernt. Nach zehn Spieltagen steht man auf Platz 13. Mit Heiko Vogel wurde bereits der sechste Trainer seit der Übernahme des Investors Mikhail Ponomarev entlassen. 

Neben der sportlichen Krise gibt es auch Probleme abseits des Rasens. Und hier spielt Ponomarev eine nicht unwesentliche Rolle. Am Russen scheiden sich die Geister. Der Klubchef regiert mit eiserner Hand. In der vergangenen Woche geriet der KFC in die Schlagzeilen, weil Ponomarev nach dem 0:3 gegen Waldhof Mannheim ausgerastet war

In dem Zusammenhang spielte eine Audiodatei eine Rolle, die von dem Spieler Manuel Konrad verschickt wurde, in der er den Mäzen in russischem Akzent nachahmte. Demnach hat Ponomarev die Spieler, Vogel und den Sportdirektor verbal heftig angegriffen, was SPORT1 aus Vereinskreisen bestätigt wurde.

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Konrad: "So ein Monster"

"Der ist so eskaliert, so ein Monster habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt", berichtete Konrad, der 2018 von Dynamo Dresden zu den Krefeldern gewechselt ist. Inzwischen hat sich Konrad entschuldigt, wurde aber erstmal aus dem Kader für das Auswärtsspiel beim SV Meppen gestrichen. Konrad versicherte inzwischen er habe den Präsidenten mit seiner Imitation nicht in ein schlechtes Licht rücken wollen.

Ponomarevs Ansprache beschrieb Konrad als "geisteskrank" und meinte: "Hätte er ein Messer gehabt, hätte er uns niedergemetzelt." Er beschimpfte die Profis als "Idioten" und sprach von einer "Katastrophe". Vogel musste sich demnach sogar aus nächster Nähe als "A****loch" bezeichnen lassen, die Physios hätten fast geweint.

Uerdingen-Ikone Matthias Herget, der von 1982 bis 1989 für die Krefelder 208 Bundesligaspiele absolvierte, machte sich kürzlich bei SPORT1 so seine Gedanken: "Ich sehe das Ganze etwas kritisch. Wenn man den Aufstieg als Maßstab nimmt, dann tut Ponomarev dem Klub schon gut. Aber inwieweit man sich ihm komplett ausliefern muss, ist eine andere Sache."

Es sei "nicht ungefährlich" für den Verein, "wenn man sich absolut in die Hände einer Person begibt", betonte der 63-Jährige, der 1985 mit Uerdingen den DFB-Pokal gewann. "Wenn Ponomarev wirklich mal die Lust verliert, weiterzumachen, dann dürfte es um den Verein schlecht bestellt sein." Von den Verantwortlichen wollte sich auf SPORT1-Nachfrage niemand äußern.

1. FC Kaiserslautern

Beim pfälzischen Traditionsverein brennt der Baum. Sportlich liegt der Klub am Boden und zerfleischt sich jetzt auch hinter den Kulissen selbst. Die Lage ist ernst.

"Es geht jetzt schon seit zehn Jahren nur bergab und es muss endlich mal nicht nur gestoppt werden, sondern auch wieder in eine positive Richtung gehen", sagte der ehemalige FCK-Profi Thomas Dooley zuletzt im Gespräch mit SPORT1. Der 58-Jährige erlebte noch bessere Zeiten mit dem FCK, spielte von 1988 bis 1993 für die Pfälzer und wurde mit dem FCK 1990 Pokalsieger und 1991 Deutscher Meister. Heute ist der Klub nur noch ein Schatten seiner selbst. 

Nach dem 1:3 bei 1860 folgte der Absturz auf einen Abstiegsplatz, dabei sollte der Aufstieg angepeilt werden. Mit einem Kader, der zum ersten mal seit Jahren zusammengehalten werden konnte und sogar noch verstärkt wurde.

Doch sportlich geht gar nichts. Trainer Sascha Hildmann wurde nach einem 1:6 in Meppen entlassen, Nachfolger Boris Schommers holte in zwei Spielen nur ein mageres Pünktchen. Insgesamt gab es nur drei echte Torchancen in beiden Spielen. Am Sonntag wurde bekannt, dass der am Jahresende auslaufende Vertrag von Geschäftsführer Sport Martin Bader nicht verlängert wird. 

Vor der Saison herrschte eine gewisse Aufbruchstimmung am Betzenberg. Auch dank des Einstiegs von Investor Flavio Becca, der den Verein vor der Insolvenz bewahrte und Geld für den Kader zur Verfügung stellte. Lucas Röser (von Dynamo Dresden) etwa wurde kurz vor Transferschluss dank Beccas Geld verpflichtet. Auf dem Rasen bleibt es weiter dürftig.

"Wir freuen uns, dass wir Flavio Becca als wichtigen Partner für den FCK gewinnen konnten. Grundsätzlich ist uns die Meinung aller unserer Partner wichtig und es wäre unklug, die Netzwerke und Erfahrungen der Partner nicht zur Entscheidungsfindung zu nutzen. Die Entscheidungen werden letztlich aber immer von den Verantwortlichen Personen beim FCK getroffen", sagte FCK-Finanzvorstand Michael Klatt zu SPORT1.

Chaos hinter den Kulissen

In der Chefetage herrscht vor der Jahreshauptversammlung am 20. Oktober Chaos. Via Facebook hatte Jürgen Kind am Sonntag seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern verkündet. Mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Patrick Banf könne er nicht mehr zusammenarbeiten. Am Abend trat auch Paul Wüst aus dem Aufsichtsrat zurück.

Der ehemalige Bundesliga-Profi Fritz Fuchs erklärte am Montag bei der Rheinpfalz, dass er ein Mandat annimmt und für Kind nachrückt.   

Der am 21. Dezember 2018 abgesetzte Vorstandsvorsitzende des FCK e.V., Rainer Keßler, hat am Sonntagabend mit dem dreimaligen Weltschiedsrichter Markus Merk, Ex-Nationalspieler Martin Wagner und Martin Weimer, früher im Vorstand des SC Freiburg, eine Alternativmannschaft zusammenstellt, die zur Verfügung steht, sollte dem amtierenden Aufsichtsrat in der Jahreshauptversammlung das Vertrauen entzogen werden, teilte Keßler mit.

Die Mitgliedsanträge von Wagner und Weimer seien schon auf dem Weg zum FCK.

Auch beim FCK will momentan keiner öffentlich etwas sagen. Es brennt lichterloh, wann kommt es zur Explosion?

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