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In der 3. Liga gibt es abseits des Sportlichen viel zu diskutieren
Dynamo-Dresden-Boss Ralf Becker (l.) attackierte unlängst Türkgücü München © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago
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München - In der 3. Liga gibt es einige ungesunde Entwicklungen. Vor allem das Gehaltsvolumen ist explodiert. Bei SPORT1 wehrt sich ein Investor gegen harsche Vorwürfe.

Sportlich hat Ralf Becker gerade wenig Grund zur Klage. Sein Klub Dynamo Dresden steht auf Platz 1 der 3. Liga und hat vor dem Spiel bei 1860 München am Montag (Dritte Liga: 1860 München - Dynamo Dresden, 19 Uhr im LIVETICKER) den Aufstieg weiter fest im Visier.

Was aber ist passiert, dass der Sport-Geschäftsführer der Sachsen zuletzt so aus dem Sattel ging. Im kicker wies der 50-Jährige vor einigen Tagen in einem flammenden Appell auf die Gefahren in der 3. Liga hin. (Service: Ergebnisse und Spielplan der 3. Liga)

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Für Trainer wie Uerdingens Stefan Krämer hat er Verständnis, "weil er unter schwersten Bedingungen seine Mannschaft zusammenhalten muss". Krämer hatte zuletzt bei SPORT1 seinem Ärger Luft gemacht. "Es sind katastrophale Trainingsbedingungen, die Spieler kaufen sich das Wasser selbst, es gibt kein Geld für Massageöl oder gar ein Schnittprogramm für den Video-Analysten", polterte der Cheftrainer des KFC.

Es gebe mannschaftsintern einen Geldtopf, in dem sich die Spieler bedienen können, falls es finanziell eng wird. Spötter sagen schon, dass dieser Topf eigentlich regelmäßig leer sein müsste. Krämer hatte jedenfalls die Faxen dicke.

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Gehälter explodieren

Beckers Blick aber geht über den Tellerrand hinaus. Er sorgt sich um eine ungesunde Entwicklung in der gesamten 3. Liga. "Die Gehälter in der 3. Liga sind im Vergleich zu meiner Zeit in Kiel extrem nach oben geschossen." Dies ist in der Tat so. 235,6 Millionen Euro gaben die Drittligisten (ohne Bayern II) in der vergangenen Saison aus - so viel wie noch nie. Im Schnitt lagen die Ausgaben der einzelnen Klubs bei 12,4 Millionen Euro.

Ist die 3. Liga mittlerweile vergiftet, was die Gehälter betrifft? "Die Gehälter steigen jedes Jahr mit dem Niveau der Liga und dem Wettbewerb durch die Auf- und Absteiger", sagt Türkgücü-München-Boss Hasan Kivran zu SPORT1.

Becker führt die bedenkliche Entwicklung bei den Gehältern "in erster Linie auf die Projekte mit Investoren wie bei Türkgücü München und Uerdingen zurück". So sehr er Verständnis für die Lage von Krämer habe, so sehr fehle es ihm an Nachhaltigkeit in beiden Klubs. Gleiches gelte übrigens auch für den 1. FC Kaiserslautern.

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Ihm gehe es dabei aber nicht um eine generelle Ablehnung von Investoren-Modellen, sondern um die Art der Umsetzung. Er nennt dabei aber auch positive Beispiele wie Dietmar Hopp und Dietrich Mateschitz, die in Hoffenheim oder Leipzig für Nachhaltigkeit gesorgt hätten.

Der Unternehmer Hasan Kivran (M.) stieg 2016 als Präsident beim SV Türkgücü-Ataspor ein.
Der Unternehmer Hasan Kivran (M.) stieg 2016 als Präsident beim SV Türkgücü-Ataspor ein. ©

Zeit für Nachhaltigkeit

"Ralf Becker nennt selber diese positiven Beispiele. Junge Vereine wie Türkgücü München benötigen Zeit, um auch eine Nachhaltigkeit herzustellen", betont Kivran. "In den Anfängen war bei all diesen Vereinen die Abhängigkeit von einem Mäzen sehr groß. Auch Türkgücü München wird sich auf Dauer immer breiter und unabhängiger aufstellen. Alles braucht seine Zeit, auch wir können nicht zaubern."

Es komme darauf an "was Herr Becker unter Nachhaltigkeit versteht". Kivran blickt zurück: "Ich selbst bin nun seit fünf Jahren dabei und habe die Herrenmannschaft erst im Sommer 2019 in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert", erklärt der Unternehmer. "Bis jetzt konnten wir einen weiteren Investor integrieren, weitere werden demnächst folgen." Die Verteilung der Risiken und Chancen auf mehrere Schultern werde zum weiteren Abbau von Abhängigkeiten führen.

Kivran kann Beckers Attacke nicht nachvollziehen. "Da scheint Herr Becker die letzten Zahlenwerke des DFB für die 3. Liga nicht studiert zu haben. Bei einer ähnlichen Kadergröße wie wir sie haben, aber dem doppelten Gesamtetat für die Mannschaft, kauft Dynamo Dresden mit seinen Gehältern die Liga kaputt und setzt extreme Maßstäbe für Drittliga-Topspieler." Sein Verein befinde sich mit seinen Gehältern und Gesamtaufwendungen für die Mannschaft "in der unteren Tabellenhälfte".

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Kivran wehrt sich

Becker spricht weiter von unfairem Wettbewerb und kritisiert fragwürdiges Geschäftsgebaren. Auch hier schiebt Kivran den schwarzen Peter zurück.

"Wenn überhaupt, dann ist es - neben anderen - Dynamo Dresden, das mit großen Geldern Spieler lockt, um nach einem Abstieg (und damit unter anderem verbunden mit Kompensationsleistungen von Seiten der DFL) direkt wieder aufzusteigen", schimpft er. "Aber auch in diesem Fall würde ich nicht von einem unfairem Wettbewerb sprechen. Ein fragwürdiges Geschäftsgebaren? Um darauf einzugehen, muss Herr Becker dies genauer definieren."

Manuel Hartmann, zuständiger Abteilungsleiter Spielbetrieb Ligen & Wettbewerbe beim DFB, mahnt bei SPORT1: "Wir betrachten Entwicklungen wie zuletzt beim KFC Uerdingen mit Sorge und gleichzeitig kritisch. Solche Themen schaden der gesamten 3. Liga. In Zeiten der Corona-Pandemie ist die Herausforderung, wirtschaftliche Stabilität in der 3. Liga herzustellen, größer denn je. Dieser Aufgabe hat sich unter anderem die Task Force 3. Liga angenommen."

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