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München - In seinem ersten Interview als Spieler von Manchester City spricht Kevin De Bruyne bei SPORT1 über seine Entscheidung, den VfL und die Enttäuschung von VW-Boss Martin Winterkorn.

Er ist nun also der teuerste Transfer in der Bundesliga-Geschichte. Kevin De Bruyne wechselt für rund 80 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Premier League-Klub Manchester City. Monatelang beherrschte das Thema den Transfermarkt. Am Sonntag wurde dann der Wechsel von beiden Vereinen bestätigt.

In seinem ersten Interview als City-Spieler spricht De Bruyne bei SPORT1 über seine Entscheidung, den VfL und die Enttäuschung von VW-Boss Martin Winterkorn.  

SPORT1: Herr De Bruyne, das wochenlange Gezerre um Ihre Person ist zu Ende. Wie glücklich sind Sie jetzt?

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Kevin De Bruyne: Ich bin unendlich froh, dass das alles beendet ist. Die Verhandlungen zwischen dem VfL und City waren schon sehr lange und verdammt hartnäckig. Aber ich bin immer professionell damit umgegangen und habe weiter alles gegeben in jedem Training und jedem Spiel. Es ist ein toller Transfer für Wolfsburg und natürlich auch für mich.

SPORT1: Sie sind ein junger Profi. Die letzten Wochen waren Sie im Kopf nicht mehr richtig frei. Im Spiel gegen Schalke waren Sie deshalb nicht im Kader. Wie schwer war es wirklich?

De Bruyne: Die letzten Wochen waren sehr schwer für mich, es war vielleicht die härteste Zeit meines Lebens. Nicht zu Hause, aber was den Umgang mit den Medien anging. Jeden Tag kamen die gleichen Fragen und du weißt selbst nicht, was passiert und wie du damit umgehen sollst. Es ist immer schwer darüber zu sprechen, was passieren könnte - gerade für einen jungen Menschen.

SPORT1: Hatte der VfL überhaupt eine Chance, dass Sie ein weiteres Jahr bleiben?

De Bruyne: Ich habe bis zuletzt schon auch überlegt, ein weiteres Jahr in Wolfsburg zu bleiben, aber City wollte mich unbedingt. Sie haben so sehr um mich gekämpft. Wenn du so eine Chance bekommst und es wird so viel Geld in dich investiert, dann muss ich diese Situation einfach dankend annehmen. Ich freue mich unglaublich auf das neue Abenteuer. Natürlich ist es auch ein kleines Risiko.

SPORT1: Sie sind mit rund 80 Millionen Euro Ablöse der teuerste Spieler der Bundesliga-Historie. Inwieweit belastet Sie das?

De Bruyne: Das Beste daran ist, dass Wolfsburg so viel Geld für mich bekommt. Das ist doch eine tolle Geschichte. Der Verein hat mir geholfen, als ich vor zwei Jahren von Chelsea kam. Für den VfL ist das doch ein super Transfer. Jetzt können weitere gute Spieler verpflichtet werden. Auf mich wird jetzt großes Medien-Interesse zukommen, aber ich muss versuchen ruhig zu bleiben und weiter hart an mir arbeiten. Dann ist alles gut.

SPORT1: Der VW-Chef Martin Winterkorn kann Ihre Entscheidung nicht ganz nachvollziehen. Er sagte für Sie wäre ein weiteres Jahr in Wolfsburg besser gewesen. Er ist enttäuscht. Können Sie das verstehen?

De Bruyne: Das verstehe ich schon. Ich denke aber, dass auch er mich und meine Entscheidung verstehen muss. Vor zwei Jahren hätte ich auch nicht gedacht, dass ich jetzt wieder weg gehe. Im Leben eines Fußballers weißt du jedoch nicht immer genau, was passiert. Manchmal musst du auch ein Risiko eingehen. Ich will vorankommen und bin auch stolz auf mich, so etwas jetzt schon erreicht zu haben.

SPORT1: Ihre Freundin kommt mit Ihnen mit nach Manchester. Das erleichtert den Start natürlich ungemein, oder?

De Bruyne: Das ist für mich ist sehr wichtig. Mit ihr fühle ich mich besser. Ich habe sie am liebsten immer bei mir. Leider kann sie im Training und im Spiel nicht bei mir sein. (lacht) Dass wir zusammen sind, gibt mir Ruhe und Kraft. Wenn ich alleine nach Manchester gehen müsste, wäre das nicht so schön. Ich bin sehr glücklich, dass sie dabei ist.

SPORT1: Mit welchen Gedanken blicken Sie zurück auf Ihre Zeit beim VfL Wolfsburg?

De Bruyne: Nur mit positiven Gedanken. In der Zeit für die "Wölfe" habe ich viele tolle Spiele gemacht und viel gewonnen. Es war wirklich eine super Zeit für mich. Ich habe mich gut weiterentwickelt. Der VfL und ich haben schon sehr gut zusammengepasst.

SPORT1: Wie wichtig waren VfL-Trainer Dieter Hecking und Manager Klaus Allofs für Sie?

De Bruyne: Sehr wichtig. Ich bin beiden sehr dankbar, sie haben viel für mich getan. Ich habe ihnen auch eine SMS geschickt und habe eine zurückbekommen. Wir haben super zusammengearbeitet. Sie waren für meine sportliche Entwicklung genau richtig.

SPORT1: In Wolfsburg waren Sie der Star der Mannschaft. Tut es Ihnen etwas weh, den Klub zu verlassen? 

De Bruyne: Das tut schon weh. Ich habe in Wolfsburg viele Freunde gefunden. Es ist nicht einfach, das wieder zu verlassen. Aber viele Spieler verstehen das, haben mir gesagt, dass das absolut normal ist und ich diese Chance einfach nutzen musste. Ich hoffe, dass ich in Manchester an meine guten Leistungen beim VfL anknüpfen kann.

SPORT1: Was erwarten Sie sich von der großen neuen Welt?

De Bruyne: Ich muss mich so schnell wie möglich optimal an die neue Mannschaft anpassen, muss mir ein Haus und ein Auto besorgen. Wenn alles um mich herum passt und ich mich wohl fühle, dann kann ich schnell helfen und auf mein Top-Niveau kommen.

SPORT1: Wann werden Sie das erste Mal in Manchester trainieren?

De Bruyne: Ich fliege jetzt erst mal zur Nationalmannschaft und denke, dass ich nächsten Dienstag zu meinen neuen Kollegen stoßen werde. Ich bin schon sehr gespannt, wie das alles wird.

SPORT1: Worauf freuen Sie sich am meisten?

De Bruyne: Ich will so viele Titel wie möglich gewinnen mit City. Das sagt zwar jeder Fußballer, aber es ist nun mal das Größte einen Titel zu gewinnen. Und vielleicht treffe ich ja in der Champions League auf Wolfsburg. Ich würde mich sehr freuen, die Jungs da wiederzusehen.

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